Schwarzfahren ohne Fahren gibt es nicht

+
S-Bahn-Fahrer sollten sich auskennen...

Offenbach - Thomas W. ist nicht das, was die Erwachsenen sich unter einem Engel vorstellen. Das lässt sich zwar über viele 14-Jährige sagen. Aber Thomas W. hat es leider schriftlich. Von Marcus Reinsch

Auf die zwei Schwarzfahrer-Knöllchen, die er beim S-Bahn-Fahren schon bekommen hat, ist er nicht stolz. Nun immer reflexhaft den Kopf einzuziehen, wenn ihn die Fahrscheinkontrolleure wieder ins Visier nehmen, kommt für ihn aber auch nicht in Frage. Zumal er mittlerweile einen echten Grund für sein schlechtes Verhältnis zu den ÖPNV-Fahndern hat. Denn den dritten Strafzettel seines Lebens verpassten sie ihm zu Unrecht, wie ein Bahnsprecher nach Recherchen unserer Zeitung selbst etwas überrascht bestätigte.

Deshalb ist es nun nicht an Thomas‘ Mutter, ihren Sohn zu belehren, sondern an der Bahn, ihre Kontrolleure in der korrekten Anwendung von Beförderungsrichtlinien nachzuschulen. Und bis es sich unter den Schwarzfahrer-Jägern wirklich herumgesprochen hat, sollte auch jeder andere, der einen Offenbacher S-Bahnhof nicht zum Wegfahren nutzen will, aus Selbstschutzgründen Folgendes verinnerlichen: Ein Mensch ist nur ein Schwarzfahrer, wenn er eine Fahrt ohne Fahrschein antritt - aber er ist keiner, wenn er sich ohne Fahrschein auf einem Bahnsteig aufhält.

Mutter erhält 40 Euro zurück

Thomas W. gehörte am Mittwoch vergangener Woche zur letzten Sorte. Am Nachmittag betrat er den Bahnsteig der Station Marktplatz, um dort einen mit der S-Bahn aus Frankfurt nahenden Freund zu treffen. Stattdessen, erzählt er, sei er auf acht Kontrolleure getroffen, die seinen Fahrschein sehen wollten. Nein, wurde ihm auf seine Erklärung hin beschieden, er dürfe sich hier ohne Ticket nicht mal aufhalten. Der 14-Jährige, der in keine S-Bahn eingestiegen war, ging mit einem Knöllchen wegen „vor Offenbach-Ost festgestellten“ Schwarzfahrens zwischen Offenbach-Marktplatz und Offenbach-Ost nach Hause. Dort meldete sich der gesunde Menschenverstand bei ihm. Und seine Mutter meldete sich bei unserer Zeitung.

Ergebnis der Recherche bei der Deutschen Bahn, die im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) den S-Bahn-Verkehr stemmt: Mutter W. bekommt die 40 Euro „erhöhten Fahrpreis“ zurück. Ein Passus in den RMV-Beförderungsrichtlinien erlaube es zwar, schon für den Aufenthalt auf Bahnsteigen einen Fahrschein zu verlangen. Doch das gelte nur für Stationen, deren Bahnsteige nicht mit Ticketautomaten und die mit dem mittlerweile ausrangierten Hinweis auf ein Zutrittsverbot ohne Fahrschein ausgestattet seien. Jetzt gelte das Schild „Fahrtantritt nur mit gültigem Fahrausweis“. Und das sei dann bald auch allen Kontrolleuren bekannt.

Kommentare