Auf Schwerstverletzte optimal vorbereitet

Offenbach ‐ Mit dem Frühlingswetter fängt sie wieder an, die Motorradsaison. „Damit kommt auf uns erfahrungsgemäß mehr Arbeit zu“, sagt Professor Hans-Jürgen Kock voraus, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Offenbach. Von Veronika Szeherova

Das Haus am Starkenburgring ist optimal auf schwerst verletzte Patienten vorbereitet: In dieser Woche wurde das Klinikum als „überregionales Traumazentrum“ anerkannt - als eines von vier in der Region Südhessen. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie erteilt dieses Zertifikat nur Krankenhäusern, die strenge Richtlinien in Bezug auf Struktur, Organisation und Ausstattung erfüllen. Zwei voll ausgestattete Schockräume, um jederzeit zwei Patienten mit schweren, mehrfachen Verletzungen (Polytraumen) und Schädel-Hirn-Trauma aufnehmen und behandeln zu können, sind Voraussetzung. Für jeden Schockraum muss ein Spezialisten-Team von elf Ärzten und Hilfskräften rund um die Uhr abrufbereit sein. So kann gegebenenfalls simultan operiert werden.

„Früher wurde viel Zeit dadurch verloren, dass erst mehrere Krankenhäuser angerufen werden mussten, bis ein Schwerverletzter endlich einen Platz zugewiesen bekam“, erinnert sich Neurochirurg Dr. Peter Ulrich. Nun bilden die überregionalen Traumazentren untereinander ein Netzwerk, so dass beispielsweise auch nach einem schweren Massenunfall die Verletzten zügig auf die einzelnen Krankenhäuser verteilt werden. Koordiniert wird die Zuweisung durch einen einzigen Anruf bei der Rettungsleitstelle.

Die Ausstattung der Schockräume ist auf der ganzen Welt einheitlich. „Auch ein Kollege aus Sydney würde sich hier zurechtfinden“, so Kock. Und könnte mit dem Offenbacher Team problemlos zusammenarbeiten: „Die gesamten Abläufe sind international standardisiert“, erklärt Klinikumsleiter Hans-Ulrich Schmidt. „Weltweit erhalten alle die gleiche Ausbildung, den sogenannten ATLS-Kurs. Spezialisten zu haben, die diese Ausbildung abgeschlossen haben, ist ebenfalls Voraussetzung für das Zertifikat.

Alle drei Jahre werden die zertifizierten Kliniken erneut überprüft. Werden die Anforderungen dann nicht mehr erfüllt, wird das Zertifikat abgenommen. „Das ist für uns die Verpflichtung, den Standard weit oben zu halten“, so Schmidt.

Jährlich passieren 580 000 Unfälle mit 33 000 bis 38 000 Schwerverletzten. 4 000 Unfälle enden tödlich. Seit Januar wurden im Offenbacher Klinikum 30 schwerst verletzte Patienten behandelt.

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