Schwitzen und Kosten wider Willen

Heizung in der Vhs lässt sich nicht ausstellen

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Offenbach - Dass Teilnehmer des Kurses „Geselliges Tanzen“ ins Schwitzen kommen dürfte normal sein. Wenn aber sogar in Entspannungsseminaren transpiriert wird, stimmt was nicht. Tatsächlich sind dieser Tage die Räume der Volkshochschule (Vhs) völlig überheizt. Von Jenny Bieniek 

„Da herrschen teilweise um die 28 Grad, die Heizung läuft auf Hochtouren und lässt sich nicht ausstellen. Da muss erstmal gelüftet werden, und die Heizung läuft munter weiter“, berichtet eine verärgerte Teilnehmerin. Ob die Stadt mit ihrem Geld denn nichts Besseres anzufangen wüsste?

Vhs-Leiterin Gabriele Botte kennt das Problem, das sich in den vergangenen Tagen vermutlich etwas abgeschwächt hat. „Zeitweise hatten wir täglich mehrere Beschwerden deswegen“, sagt sie. Glücklich ist sie darüber nicht, trotzdem ist sie machtlos. Denn das metallverkleidete Gebäude an der Berliner Straße, das die Stadt mit 3 463 Quadratmetern zur Hälfte angemietet hat, wird mit strombetriebenen Nachtspeicheröfen beheizt. Die lassen sich anders als moderne Heizungen nicht kurzfristig abstellen. Sie speichern nachts Energie, um sie tagsüber gleichmäßig wieder abzugeben – unabhängig von der Außentemperatur. Bei vergleichsweise milden Temperaturen, aber kühlen Nächten wie in den vergangenen Wochen führt das zu überheizten Räumen. So summierten sich die Vhs-Heizkosten im Jahr 2013 auf 77.000 Euro. Ein Jahr zuvor waren es 55.000 Euro.

Immer mal wieder Kurse ausgefallen

„Wenn es draußen sehr kalt ist, schaffen die Öfen es nicht, die Räume auf eine angenehme Temperatur zu bringen“, erzählt eine regelmäßige Teilnehmerin. Im strengen Winter 2012/2013 seien immer mal wieder Kurse ausgefallen, weil es beispielsweise für Yoga-Übungen auf der Bodenmatte zu kalt war. Auch das Personal leidet unter der unbefriedigenden Situation. Mitarbeiter berichten, dass ihre Büros trotz Öfen nur maximal 17 Grad warm wurden.

Das Überheizen der vergangenen Wochen ist Folge der Erfahrungen aus vergangenen, kalten Wintern. „Wir haben damals erreicht, dass die Stadt uns zusätzliche Heizgeräte zur Verfügung gestellt hat“, sagt Botte. Diese verursachen zusätzliche Kosten von 15.000 Euro im Jahr, die wie Miete und Nebenkosten über das Objektnebenkostenkonto der Stadt abgerechnet werden. „Zusätzlich wurden die Aufheizzeiten der Öfen verlängert. Sie geben nun mehr Wärme ab als früher“, erklärt Botte. Doch der zurückliegende Winter entpuppte sich als verkappter Frühling. Die Folge waren zu warme Räume.

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Stadt und die zuständige Gebäudemanagement-GmbH (GBM) sind wegen der Heiz-Problematik seit Langem im Gespräch mit dem Eigentümer, einem Investmentunternehmen mit Verwaltung in Berlin – bislang erfolglos. Das Hochhaus ist alt, die fehlende Dämmung bedingt Zugluft. „Wir können die Öfen natürlich komplett ausstellen lassen, aber dann ist es an wechselhaften und trüben Tagen morgens eiskalt“, gibt Vhs-Leiterin Botte zu bedenken. Man habe nur die Wahl, die Vormittagskurse im Kalten abzuhalten oder in Nachmittagskursen in zu warmen Räumen zu sitzen.

Auch Stadtrat Felix Schwenke ist mit der Situation nicht zufrieden, „aber wir haben das Problem erkannt und bereits Maßnahmen getroffen“. Die Zuständigkeiten seien anfangs etwas verworren gewesen, nun liege die Verantwortlichkeit allein bei der GBM. „Diese hat bereits und wird noch weitere Gespräche mit dem Eigentümervertreter führen. Aber sie kann nicht zaubern.“ Schließlich seien die Nachtspeicheröfen schon zu Beginn der Anmietung im Gebäude gewesen, erinnert er. Die Stadt hat ausgerechnet, dass sich die energetische Sanierung des Gebäudes inklusive Umrüstung, Entsorgung der Nachtspeicheröfen und Fenstersanierung auf 2,6 Millionen Euro belaufen würde. Das Sparpotenzial läge bei etwa 50 Prozent der aktuellen Wärmekosten.

Immerhin hat die Stadt eine Mietminderung von 35 Prozent ausgehandelt. Am grundsätzlichen Problem ändert das nichts. „Wir werden deshalb weiterhin Druck auf den Vermieter ausüben und Nachbesserungen fordern“, kündigt Schwenke an.

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