Erster deutscher Screwfix-Baumarkt eröffnet

Quengelwaren für große Jungs

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In seinem Lager hält Screwfix zirka 9000 Produkte bereit.

Offenbach - In aller Stille hat sich ein britischer Koloss in der deutschen Baumarktlandschaft angesiedelt. Ohne Aufsehen eröffneten vergangenen Montag die ersten vier Märkte der Marke Screwfix ihre Pforten. Von Veronika Schade 

Einer davon – zugleich Deutschlandzentrale – an der Mühlheimer Straße 153 in Offenbach. Unsere Zeitung hat es bereits im April vermeldet, eine offizielle Bestätigung vom Konzern gab es damals nicht. Weitere Standorte sind Dreieich, Koblenz und Hanau. „Wir haben bewusst noch keine Werbetrommel gerührt, damit sich die Mitarbeiter erstmal einspielen und wir ganz in Ruhe erstes Feedback sammeln“, erklärt Sprecher Axel Eggenwirth. Schließlich ist das Konzept eines, mit dem sich der deutsche Kunde erst anfreunden muss. Wenn es sich bewährt, will der Mutterkonzern Kingfisher, Nummer drei unter den Baumärkten weltweit, weitere deutsche Screwfix-Märkte eröffnen.

Die Zielgruppe sind „engagierte Hand- und Heimwerker“. Wer bei Screwfix einkauft, sollte wissen, was er will. Der Kunde stöbert nicht, wie es sonst häufig der Fall ist, einsam durch lange Gänge, sondern wählt seine Ware vorher gezielt aus – entweder per Internet oder direkt im Laden aus dem Katalog. Sobald er die Online-Bestellung oder den Bestellschein abgegeben hat, geht’s an den Bezahl- und schließlich den Abholschalter. Ein Mitarbeiter bringt die Ware aus dem Lager. Geschwindigkeit und ständige Verfügbarkeit sollen den Unterschied zu anderen Baumärkten ausmachen.

Konzept kommt gut an

Der Verkaufsraum selbst ist klein und bietet nur einen Bruchteil des Sortiments. Neben stapelweise Katalogen und Bestellformularen gibt es in der Auslage vor allem Arbeitskleidung und Profiwerkzeug sowie Mitnehmartikel. „Die Quengelkasse für große Jungs“, schmunzelt Eggenwirth. Ausprobieren ist erlaubt und gewollt. Mitarbeiter stehen beim Kauf beratend zur Seite – jedoch nur, was Produkte anbelangt. Beratung zu Projekten, etwa die Renovierung eines Badezimmers, bietet Screwfix nicht.

Das Konzept, das die Vorzüge des Onlinehandels mit denen eines ortsansässigen Geschäfts verknüpft, kommt im Vereinigten Königreich so gut an, dass dort mittlerweile jede Woche ein neuer Markt eröffnet. Dass es auch in Deutschland funktionieren kann, davon ist Eggenwirth überzeugt: „Es ist etwas Neues. Würden wir dasselbe wie die Etablierten machen, kämen wir nicht gegen sie an. So schließen wir eine Lücke.“ In Deutschland würden zum Großteil namhafte, deutsche Produkte verkauft, mit Ausnahme der Eigenmarke Site.

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Dass die Briten gerade Offenbach zum Ausgangspunkt ihrer „Deutschlanderoberung“ erkoren haben, ist laut dem Sprecher der Lage geschuldet. „Wir wollten sowieso im Rhein-Main-Gebiet anfangen, und dieser Standort ist optimal. Wir haben den Markt und die Zentrale unter einem Dach.“ Die Flächen, in denen einst Praktiker, Top-Bau und zuletzt ein Extra-Baumarkt beheimatet waren, hätten mit 1200 Quadratmetern die ideale Größe.

Im Markt sind 18 Mitarbeiter beschäftigt, in der Zentrale 50. Nach der ersten Woche zeigt sich Eggenwirth zufrieden: „Bisher kam von den Kunden nur gute Resonanz!“

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