Maindamm: Die sechste oder siebte Sanierungsvariante

Offenbach ‐ Der Bürger hat gesprochen. Und was er gesprochen hat, wird Ende Februar in der letzten Stadtverordnetenversammlung vor der Kommunalwahl mit einiger Sicherheit zu zwei Dingen führen. Von Marcus Reinsch

Zu einem kollektiven, wenn auch zu nichts verpflichtendem Loblied der Kommunalpolitik auf das neue, aufregende Instrument der Bürgerbeteiligung an richtungsweisenden Entscheidungen für die Stadt. Und zu einer stabilen, wenn nicht sogar lupenreinen Mehrheit für eine Maindammsanierung nach Bürgers Willen.

Der will - das hat er am Samstag bei der „Planungswerkstatt“ und in der Woche zuvor bei Detailterminen zu allen Aspekten jener überfälligen Ertüchtigung des maroden und für das schlimmste denkbare Hochwasser zu niedrigen Offenbacher Deiches herausdiskutiert - die sechste oder siebte von acht Sanierungsvarianten.

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Die sechste hieße: Die Stadt stellt eine bis zu 3,40 Meter hohe Spundwand auf die Mainseite des Damms, um die Fluten aufzuhalten. Der Deich selbst wird in einigen Abschnitten saniert und in Höhe des Isenburger Schlosses auf 90 Metern Länge abgesenkt, um die Stadt optisch zum Fluss zu öffnen. Von den heute 204 Bäumen zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände fallen 143, die 61 überlebenden bekommen 217 Neupflanzungen zur Seite gestellt. Und auch im Rumpenheimer Abschnitt soll‘s eine Spundwand richten. Kosten: rund 12,5 Millionen Euro.

Variante sieben, für 11,4 Millionen Euro: ähnlich, allerdings ohne die nur mittels mobiler Elemente zu meisternde Deichabsenkung. Dafür können dann 57 Bäume mehr stehen bleiben, womit nur 116 Neupflanzungen nötig sind, um auf die angestrebte Gesamtzahl 287 zu kommen.

Bis Ende Februar kommt viel Arbeit auf die beteiligten Ämter zu

An manche Varianten - wie die minimalistische „Nuller“ für rund 8 Millionen Euro, die den Hochwasserschutz gewährleistet, aber alle Bäume ersatzlos das Leben und die Offenbacher ihre Lust zum Leben am Fluss gekostet hätte - verschwendeten die aus Bürgern gebildeten Arbeitsgruppen gar nicht erst viele Worte. Andere fanden sie zumindest „verhandlungsfähig“. Weshalb nun noch die Forderung im Raum steht, vor der politischen Entscheidung herauszufinden, ob sich per Kombination der für gut befundenen Aspekte eine Art Super-Variante basteln ließe.

Und auch so kommt bis Ende Februar viel Arbeit auf die beteiligten Ämter zu. „Wir müssen uns jetzt schleunigst an die Beschlussempfehlung für das Stadtparlament machen“, betonte Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon. „Und wir müssen künftig bei großen Prozessen viel früher anfangen mit der Bürgerbeteiligung.“

Dem OB ist „ein Stein vom Herzen gefallen“

Sagte auch Oberbürgermeister Horst Schneider und teilte damit den Wermutstropfen, den schon Akteure der Lokalen Agenda 21 und - mit Verweis auf das Realisierungskonzept für den Schlosspark Rumpenheim - die Stadtteil-Bürgerinitiative beklagt hatten: „Das hätten wir schon vor einem Jahr machen sollen!“

Dem OB ist trotzdem „ein Stein vom Herzen gefallen“. Die finale Entscheidung liege natürlich bei der Stadtverordnetenversammlung. „Aber ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die jetzt plötzlich die Variante Null beschließt. Soweit traue ich mich jetzt schon mal vor.“

Rubriklistenbild: © Archiv Reinsch

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