Sehne mich nach Biss in deine Vene

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So richtig zum Fürchten sind der kleine Vampir Rüdiger von Schlotterstein (Lukas Reisenbüchler, Zweiter von rechts) und seine Verwandtschaft um den großen Bruder Lumpi (Maximilian Thöne, links) eigentlich nicht.

Offenbach ‐ Was ein Vampir ist, sollte seine Bedürfnisse benennen können: „Alles, wonach ich mich sehne, ist ein Biss, ein Biss in deine Vene“, erklingt es ein ums andere Mal aus zarten Mädchenkehlen. Von Markus Terharn

Gruftduft liegt in der Luft im Ledermuseum, wo die Kindergruppe des Theaterclubs Elmar eine der beliebtesten Gruselgeschichten der Gegenwart auf die Bretter bringt: „Der kleine Vampir“ aus den Bänden von Angela Sommer-Bodenburg treibt dort derzeit sein Unwesen – zur Freude kleiner und großer Besucher.

Und wer mit Vampiren befreundet ist, muss keine Angst vor ihnen haben. So versichern es die Regisseure Simon Isser und Eva Thomas, ehe der Vorhang den Blick auf eine Reihe Grabsteine freigibt. Was man braucht, damit ein Buch auf der Bühne lebendig wird? „Fantasie“, ruft Isser und fordert die Zuschauer auf: „Greift mal in die Hosentaschen und holt sie raus!“ Becher formen, gurgeln, trinken, und los geht’s. Halt: Erst müssen alle die Turmuhr zwölfmal schlagen lassen. Dann ist es endlich Mitternacht – „das ist die Zeit, wo der Vampir erwacht“ ...

Letztmals heute, 14 Uhr, im Ledermuseum, Frankfurter Straße 86

Ein wenig erschrickt Anton (Alexander Kempf), als der kleine Vampir Rüdiger von Schlotterstein (Lukas Reisenbüchler) zu ihm ins Zimmer kommt. „Ich hab’ ganz schlechtes Blut“, versucht er sich zu schützen. Aber die beiden schließen schnell Freundschaft. Bloß blöd, dass der Untote die Sonne scheut; nur zu gern würden die neugierigen Eltern (Timo Hartmann und Chiara Schäfer) den neuen Spielgefährten ihres Sohns kennenlernen.

Dafür muss Udo (Dogucan Mutlu) herhalten, mit muffigem Umhang als tageslichttauglicher Vampir ausstaffiert. Gefahr geht indes von der tratschenden Nachbarin Frau Puhvogel (Laura Despot) aus, die Antons nächtliche Ausflüge zum Friedhof mitgekriegt hat. „Aber es geht mich ja gar nichts an!“

Umgekehrt ist’s einfach. Rüdigers bleiche Schwester Anna (Sarah Hofmann) hat ein begehrliches Auge auf das Menschenkind geworfen: „Und wie findest du mich?“ Punk-Bruder Lumpi (Maximilian Thöne), in Lederkutte zum Fürchten aussehend, hält in brenzligen Situationen zu ihnen. Und der Reigen der reizenden Vampirellas Dorothee (Cora Despot), Gula (Lili Bozic), Invidia (Sarah Bozic), Avaritia (Celine Steigerwald), Acedia (Jana Strohl) sowie Ira (Larissa Schempp) macht gute Miene zum schönen Spiel.

Ganz im Gegensatz zum fiesen Friedhofswärter (Tobias Gruhn: „Ich bin Geiermeier“) und seinem Gehilfen (Sebastian Gruhn: „Er ist Geiermeier“). Vom Arbeitsamt entsandt, wollen sie dem Spuk unter Einsatz von grellem Licht ein Ende bereiten. Aber mit lautstarker Unterstützung der aufmerksamen Kinder im Saal weiß der unerschrockene Anton das zu vereiteln.

Das Publikum nimmt eine Menge mit auf den Heimweg – beste Laune, Knoblauchzehen und hübsche Sätze wie „Der liegt mit Fieber im Sarg“. Dem Elmar-Nachwuchs ist eine kindgerechte Inszenierung mit viel Musik gelungen, an der auch Erwachsene ihren Spaß haben. Dazu trägt die mal schauerliche, mal beschauliche Kulisse (Willi Rinke, Jürgen Klauke, Dieter Reinhart, Harald Gille) ebenso bei wie die tolle Kostümierung und die Maske (Anja Büttner). Die Techniker für Ton (Percy Walther) und Licht (Daniel Thomas, Steffen Albert) sind besonders stark gefordert und sorgen für treffende Effekte. Den reibungslosen Ablauf gewährleistet Inspizient Philipp Despot. In zeitaufwendigen Proben hat die Elmar-Truppe großartige theaterpädagogische Arbeit geleistet!

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