Mit sehr edlen Aktenkoffern zurück am Markt

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Jesko Bode hat mit seiner Lübecker Stalhof Industriekapital GmbH das Offenbacher Unternehmen Karl Seeger übernommen.

Offenbach ‐ In Bieber ist ein Phönix aus der Asche aufgestiegen: Karl Seeger stand noch vor kurzem am Abgrund. Dem Offenbacher Traditionsunternehmen, 1889 gegründet und seit 1992 Teil der Montblanc-Gruppe, drohte im vergangenen Jahr die Schließung. Von Marc Kuhn

Im Juni ist es aber von der Lübecker Stalhof Industriekapital GmbH aufgekauft worden. Mittlerweile ist der Hersteller von hochwertigen Lederprodukten wieder in der Erfolgsspur. „Wir gucken nicht nach hinten, sondern nach vorne“, sagte Jesko Bode, dem die Beteiligungsgesellschaft mit zahlreichen Familienmitgliedern gehört, unserer Zeitung in Offenbach. Er hänge „mit Herz und Hand“ an der Luxusmarke. „Mir macht das richtig Spaß“, erklärte der Wirtschaftsanwalt, zu dessen kleinem Imperium auch ein IT-Unternehmen, ein Internetdienstleister, eine Beratungsgesellschaft und eine Medizintechnik-Firma gehören. Bode will auch beweisen, „dass man in Deutschland profitabel produzieren kann“. Die Aktenkoffer und Accessoires von Karl Seeger werden ausschließlich in Offenbach hergestellt. Noch verdient Bode mit seiner Ledermanufaktur kein Geld. Er hofft aber, dass sich das im nächsten Jahr ändert.

„Das fand ich schon toll“, erläuterte Bode.

Trotz des Niedergangs der Lederwarenbranche in Offenbach ist Bode vom Erfolg seiner Firma überzeugt. In der Vergangenheit sei der Strukturwandel nicht erkannt worden. Wegen der Arbeitskosten könnten die deutschen Unternehmen nicht mit Asien konkurrieren. Deshalb ist es aus seiner Sicht wichtig, eine „Nische professionell zu bedienen“. Bode: „In den Massenmarkt wollen wir nicht, weil unsere Produkte zu teuer sind.“

Er hat die Marke wiederbelebt. Seeger gehörte zu Montblanc. Der Name wurde viele Jahre nicht mehr genutzt. Die Produzenten edler Füller sind wiederum Teil von Richemont. Der Konzern hatte entschieden, Lederprodukte an seinem Standort in Florenz herstellen zu lassen und das Werk in Offenbach dicht zu machen, wie Bode berichtete. Der Beschluss dafür sei im März 2009 ergangen.

Der Norddeutsche ist durch seine Schwiegermutter, die eine Freundin in Offenbach hat, auf Seeger aufmerksam gemacht geworden. Er habe sich damals gefragt: „Was ist Seeger?“ Doch: „Wer widerspricht schon gerne seiner Schwiegermutter?“ Die Belegschaft sei schon freigestellt gewesen. Eine Führung mit dem Mustermacher durch die Fertigungshallen hat ihn schließlich überzeugt. „Das fand ich schon toll“, erläuterte Bode, der heute Besucher begeistert durch die Räumlichkeiten in Bieber führt. Im Juni ist Seeger von seiner Beteiligungsgesellschaft übernommen worden. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Belegschaft kehrte an ihre Arbeitsplätze zurück. Die erste Kollektion kam im Herbst auf dem Markt. Sie sei gut angelaufen, „über Plan“, sagte Bode. Heute produziert sein Unternehmen für Montblanc und stellt eigene Lederwaren her. Sie werden über den Fachhandel, Premiumkaufhäuser sowie Boutiquen und Herrenausstatter vertrieben.

Zahl von 50 Mitarbeitern stabil gehalten

„Wir müssen die Schlagzahl halten“, mahnt er. Bisher sei es darum gegangen, alte Kunden an die Seeger-Produkte zu binden. Nun gehe es um die Erweiterung der Kundschaft. Die Aktenkoffer von Seeger kosten 1 300 bis 2 500 Euro, Portemonnaies etwa 200 Euro. Verarbeitet werden zum Beispiel Lammnappa und Häute von Elchkälbern. Die neue Kollektion solle etwas günstiger werden - und sportlich-leger, erklärte Bode. Aber auch die hochpreisige Einzelfertigung möchte er wieder anbieten. Wohlhabende Kunden aus dem arabischen Raum, aus Asien und Russland würden das erwarten.

Die Zahl von knapp 50 Mitarbeitern hat Bode stabil gehalten. Er möchte das Personal sogar aufstocken. Mittelfristig will der Geschäftsmann junge Menschen zu Feintäschnern ausbilden. Eine Ausbildung mit Zukunftsperspektive, wie er meint. Allerdings mahnt er Änderungen an. Schließlich würden die Jugendlichen auf einen Arbeitsmarkt vorbereitet, „der sich in Europa abbildet“. Sie sollten beispielsweise bei Geschäftspartnern im Ausland die Lederverarbeitung kennen lernen und sich zudem in Sprachen üben. Mit den zuständigen Gremien will Bode Gespräche aufnehmen, um die „Ausbildungspläne elegant zu öffnen“.

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