Im Waldzoo finden ausgesetzte Tiere eine Zuflucht.

Sehr viel Schwein gehabt

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Beim Tag der offenen Tür ist im Waldzoo enger Kontakt zum Tier möglich. Florian darf Helferin Melissa beim Füttern der fünf Monate alten Ziege Memme assistieren.

Offenbach - Forsch streckt das kleine Pony seinen Kopf durch den Holzzaun, macht das Maul ganz spitz und versucht, mit den Lippen an die am Boden liegenden Maiskörner zu kommen. „Süß!“, rufen Besucher. Von Isabel Winkler

„Wenn es euch mit seinen kleinen Zähnchen in den Hintern beißt, ist es allerdings gar nicht mehr so süß“, warnt Susanne Wollensak scherzhaft beim Tag der offenen Tür am Himmelfahrtstag. „Blitz“ haben Kinder den im vergangenen November geborenen Shetland-Rappen getauft. Das Fohlen ist ein echtes Waldzoo-Geschöpf. Am Nassen Dreieck leben aber auch viele Vierbeiner die ein zuvor gar nicht glückliches Schicksal dorthin verschlagen hat.

Seit 1997 kümmert sich Susanne Wollensak um die gut 200 Zoobewohner. Geschäftsführer war anfangs noch Ralf Heil, den es auf den Pfaden des Pferdetrainers Pat Parelli aber nach Süddeutschland verschlagen hat. 2005 übernahm die 24-Jährige das kleine Tiergehege, das 1965 von einem Förster gegründet wurde. Seit jeher werden dort ausgesetzte oder verletzte Tiere abgegeben. „Oft kommen Leute vorbei und bringen uns Tiere, die sie gefunden haben“, erzählt Zoodirektorin Wollensak. Aber auch die Polizei oder Feuerwehr bringe „Findelkinder“.

So hatte auch das große Hausschwein „Babe“ sehr viel Schwein, als es Spaziergänger an einem Neujahrsmorgen im Wald fanden. Offenbar war es bei einer Tombola verlost und kurz darauf ausgesetzt worden. Anstatt gegessen zu werden, darf es im Waldzoo beim Fressen laut grunzen und schmatzen.

Ähnlich erging es dem vietnamesischen Hängebauchschwein „Herr Schröder“, das von Berlin nach Offenbach kam. Denn irgendwann wurde eine Wohnung in der Hauptstadt zu klein für ihn. Jetzt wohnt es zusammen mit Rotwangen-Schmuckschildkröten, Maras, Gelbhaubenkakadus und schottischen Hochlandrindern. Es gibt eigentlich fast nichts, was nicht aufgenommen würde. „Problematisch könnte es allerdings bei Tigern werden“, sagt die Leiterin schmunzelnd.

Den Vatertag nutzen viele Eltern und Großeltern, um mit ihren Kleinen die tierische Vielfalt zu bestaunen und ganz nah an Ziege, Schaf und Co. heranzukommen.

„Die morgendliche Grundversorgung der Tiere dauert ungefähr vier Stunden“, erfahren sie von Susanne Wollensak über die Arbeit im Zoo, die sie mit drei Auszubildenden und einigen ehrenamtlichen Helfern leistet. Abends muss kalkuliert werden, wie viel die Tiere durch das Zufüttern der Besucher gefressen haben. Das bekommen man aber durch genug Erfahrung leicht heraus, so die Geschäftsführerin.

Am Feiertag gibt es anständig Leckereien. Die Kinder bewundern, wie geschickt die Hochlandrinder herunter gefallene Maiskörner mit der Zunge aufsammeln. Wollen sie selbst die langhaarigen Kolosse aus der Hand füttern, fällt ihnen das Futter doch meist im letzten Augenblick vor dem Kontakt mit der nassen Schnauze aus der Hand. Zuviel Respekt haben sie vor dem großen Kopf mit den langen spitzen Hörnern.

Weniger angsteinflößend ist da der Kontakt mit den Bennett-Kängurus, die in aller Ruhe die Körner von den kleinen Händen mümmeln.

Der Eintritt war am Feiertag frei. Außerdem erwartete die Besucher eine Tombola ohne Nieten. Die Gewinne wurden von Privatpersonen, Einzelhändlern und Großunternehmen gespendet.

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