Seifenblasen vom Imam

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Seifenblasen beim interreligiösen Einschulungsgottesdienst.

Offenbach Aufgeregt rutschen sie auf ihren Plätzen hin und her. Natürlich, denn es ist ihr erster Schultag, ein einmaliges Ereignis für Morena (6) und Lena (7). Beide gehen von nun an in die Mathildenschule, Morena in die 1a und Lena in die 1b. Von Alexander Kroh

Jetzt sitzen sie noch einmal gemeinsam im selben Raum, in der Evangelischen Schlosskirche. Dort findet vor der Einschulung ein Gottesdienst für die künftigen Erstklässler statt. Das Besondere: der Gottesdienst ist interreligiös, evangelische, katholische und muslimische Schulkinder feiern und beten zusammen.

Vor allem an den Schulen in der unmittelbaren Umgebung, Mathilden- und Wilhelmsschule, gibt es einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund und unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Hessens Justiz- und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) besuchte gestern die Einschulungsfeier der Wilhelmsschule und lobte die hervorragende Integrationsarbeit der Bildungseinrichtung: „Aufgabe der Grundschule ist es, die Kinder in diesem neuen Lebensraum aufzunehmen, sie zu begleiten und mit allen ihren unterschiedlichen Voraussetzungen anzunehmen. Die Wilhelmschule wird diesem Auftrag gerecht werden.“

Einen Mosaikbaustein erfolgreicher Integration bildet auch die Einschulungsfeier in der Schlosskirche. „Interreligiöse Gottesdienste gibt es bei uns schon seit 40 Jahren“, erklärt die evangelische Pfarrerin Patrizia Pascalis. Imam Mehmet Ergün betont die gute Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinden: „Dialog und Toleranz ist wichtig, wir beziehen unseren Glauben schließlich aus derselben Quelle. Warum sollten wir nicht gemeinsam Gottesdienst feiern?“

So wechseln sich Pfarrerin Pascalis, Pfarrer Hans Blamm von der katholischen Gemeinde St. Marien und Imam Ergün auch bei der Gestaltung des Gottesdienstes ab, in dem sich alles um das Thema „Lesen“ dreht. Schon hier sind erste Unterschiede zu erkennen, die Pascalis ganz offen anspricht: „Wenn wir Christen aus der Bibel lesen, klingt das wie eine Geschichte. Wenn der Imam aus dem Koran vorliest, klingt das wie Singen“, versucht sie den Besuchern zu verdeutlichen. Apropos Singen: Auch das „Hallelujah“ wird auf Deutsch, Italienisch und Arabisch gesungen.

Gemeinsam packen die drei Geistlichen eine Schultüte aus, darin finden sich Seifenblasen. Die sollen das Kennenlernen und Verstehen von etwas Neuem symbolisieren, erklärt der Imam den Schulkindern und bläst eine Ladung Seifenblasen durch die Kirche. Auch Morena und Lena haben Schultüten dabei. Und da können die beiden nach dem Gottesdienst eine weitere Erfahrung reinpacken, wenn sich denn neben den ganzen Fressalien, Heften und Stiften noch ein freies Plätzchen finden lässt.

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