Seit jeher ein Unruheherd

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Ferdi Walther

Offenbach - Menschen wie Ferdi Walther werden gern als politisches Urgestein bezeichnet. Weil sie sozusagen „schon immer“ da waren und niemals unauffällig blieben. Auch im Alter sorgt er für Furore: Von Lothar R. Braun

Mit einem geschickten Winkelzug erhielt er sich jetzt seinen Posten als ehrenamtlicher Stadtrat, obwohl das die neuen Mehrheitsverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung gar nicht herzugeben schienen.

Sein öffentliches kommunalpolitisches Leben begann 1964. Im Alter von 28 Jahren wurde er damals Offenbachs jüngster Stadtverordneter. Heute wird er 75. Für ihn ist das freilich kein besonderer Tag. Der praktizierende Katholik Walther begeht zeitlebens lediglich seinen Namenstag, das ist der 30. Mai.

Als er Stadtverordneter wurde, kannte man den Jungpolitiker Walther bereits als Mitgründer der Bürgeler Jungen Union. In Offenbachs CDU gehörte er dem Vorstand an. In der Zuständigkeit für Öffentlichkeitsarbeit redigierte er das Mitgliederorgan „CDU-Kurier“. Das mag manchen überraschen, der Ferdi Walther seit Jahrzehnten nur als Repräsentant der Freien Demokraten kennt.

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Die Union und Walther trennten sich zu Beginn der 1970er Jahre in einer innerparteilichen Krise, als deren maßgeblicher Urheber Walther galt. 1973 nahm die FDP den parteilos gewordenen Stadtverordneten auf. Sie gewann einen gewieften Taktiker. Er wurde Fraktionsgeschäftsführer, Fraktionsvorsitzender und sogar Parteivorsitzender der Liberalen. Für sie trat er 1980 als hauptamtlicher Kulturdezernent in den Magistrat ein. Aber als es auch bei den Liberalen zu einer innerparteilichen Krise kam und aus FDP- und CDU-Abweichlern die Freie Wählergemeinschaft entstand, galt abermals Ferdi Walther als Ränkeschmied.

Gleichwohl ist er auch in Erinnerung als ein Kulturdezernent, der positive Spuren zog. Die Idee eines Kulturkarrees rund um das Büsingpalais, beispielsweise, geht ebenso auf ihn zurück wie der Literaturpreis „Schriftsteller im Bücherturm“. Kunst und Kultur hatten in ihm einen verständnisvollen Förderer. 1986 bedrängten Kulturvereine und Ausländergruppen die damals neue rot-grüne Koalition, Walther in seiner Funktion zu belassen. Es war vergebens.

Er war sich denn auch der Chancenlosigkeit bewusst, als er 1993 für die FDP als Oberbürgermeister-Kandidat auftrat. Aber im Rücken hatte er dabei ein Umfrageergebnis aus den Achtzigern. Leser der Offenbach-Post hatten ihn als den zurzeit populärsten Politiker der Stadt bezeichnet.

An Ermutigung hat es dem anregenden Querdenker, der in keine Schablone passt, nie gemangelt. Noch immer ist er stolz darauf, dass ihn 1995 Offenbachs „Katholischen Gemeinden anderer Muttersprache“ mit ihrem Antonius-Preis auszeichneten.

Vom ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) erfuhr er Lob für sein lokalpatriotischen Engagement in überörtlichen Entscheidungsgremien: „Ferdi Walther ist immer mit im Boot, wenn es gilt, etwas für Offenbach durchzusetzen.“

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