Männergesundheitstag

Männergesundheitstag: Mal selbst zur Inspektion

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Gualberto Galetti unterzieht sich bei Klaus Geßlein einem Check seiner Rückenkraft.

Offenbach - Ungesunde Lebensweise, zu wenig Bewegung, umso mehr Stress, Übergewicht und der Gang zum Arzt erst dann, wenn es gar nicht mehr anders geht – eine Zustandsbeschreibung, die auf viele Männer zutrifft. Von Harald Richter

Aus diesem Grund fand, passend zum Weltmännertag am 3. November, in Hessen erstmals ein präventiver „Tag der Männergesundheit“ statt – bei Kieser Training an der Rathenaustraße, ideell unterstützt von den Offenbacher Kickers. Ölwechsel und regelmäßige Inspektion beim Auto sind für Männer Routine. Ohne diese Checks würde der fahrbare Untersatz über kurz oder lang den Dienst versagen. Doch diesen logischen Schluss auf sich selbst zu übertragen, schafft Er nur selten. „Mit diesem erstmals veranstalteten Gesundheitstag wollen wir ein Zeichen setzen und das Bewusstsein schärfen für mehr Eigenverantwortung“, sagt Brigitte Luise Feucht, Referatsleiterin beim BKK Landesverband Hessen.

Sie freut sich, dass an diesem Samstagvormittag bereits zahlreiche Angehörige der Zielgruppe die kostenlosen Angebote wahrnehmen, die in dem Fitnesszentrum an mehreren Stationen bereitgehalten werden. Der Querschnitt reicht von der Blutdruck- und Körperfettmessung bei Diplom-Oecotrophologin Yvonne Leonhardt über die Blutzuckerbestimmung bei Nicole Rossmann bis hin zum Herz-Kreislauf-Belastungstest bei Sportwissenschaftlerin Marit Rosenow. Ergänzt um Augenoptikermeisterin Gabriele Petras, Neurochirurgin Dr. Angy Etou und die Kieser-Experten sind über ein halbes Dutzend Fachleute aufgeboten, die zur Beantwortung von Fragen beziehungsweise vertraulichen Einzelgesprächen zur Verfügung stehen.

Davon gibt es reichlich, wie Professor Dr. Udo Bermes aus Wiesbaden bestätigt. Der Facharzt für Urologie hat sich gern in den Dienst der vorbeugenden Sache gestellt, hält ein ums andere Mal individuelle Männersprechstunden. „Erkundigt wird sich zu allen Bereichen der Gesundheit und natürlich zu spezifischen Problemen“, sagt er in einer Pause und nennt einige Themen, die so oder ähnlich auch in seinem Praxisalltag angesprochen werden: „Schlafschwierigkeiten, Bluthochdruck und ganz allgemein Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie deren Auswirkungen auf die Manneskraft.“

Fakt ist, die Lebenserwartung des Mannes liegt fünf bis sieben Jahre niedriger als die der Frau. Gleichfalls erwiesen: Nur jeder sechste Berechtigte nimmt die ab einem bestimmten Alter möglichen Vorsorgemaßnahmen der Kassen in Anspruch, nicht einmal ein Viertel geht zur gesetzlichen Krebsfrüherkennung. Im Gegensatz dazu liegen die Teilnahmezahlen bei den Frauen ums Doppelte höher. Professor Bermes bestätigt diese ernüchternden Feststellungen. Obendrein beklagt der Urologe den Umstand, dass nach wie vor mehr Reparaturmedizin betrieben wird, anstatt Erkrankungen durch eine vernünftige Lebensweise erst gar nicht entstehen zu lassen.

„Das Übel beginnt leider schon in der Schule, wo regelmäßiger Sportunterricht, wie wir ihn kannten, kaum noch stattfindet und viele Kinder statt einer gefüllten Pausenbrotdose von ihren Eltern einen Euro in die Hand gedrückt bekommen, um sich davon eine Mahlzeit zu kaufen“, konstatiert der 43-Jährige Mediziner. Bewegungsmangel und Fehlernährung prägen denn auch die Folgejahre und ebnen mehr und mehr Erkrankungsrisiken den Weg.

Einer, der sich bewusst mit dem eigenen Körper und dessen Wohlergehen auseinandersetzt, ist Gualberto Galetti. Der 69-Jährige, vor zwei Jahrzehnten noch von Schulter-, Rücken- und Kniegelenkschmerzen geplagt, tut einiges und geht mindestens zwei Mal die Woche zum Fitnesstraining. Gerade unterzieht er sich einer Messung zum Feststellen seiner Rückenkraft bei Klaus Geßlein, der ihm am Kontrollmonitor die entsprechenden Ablaufphasen erläutert. Galetti findet das kostenlose Angebot der BKK an diesem Männergesundheitstag prima. Ein paar Meter weiter strampelt Gerhard Nitschky auf dem Ergometer gegen die Uhr und beschleunigt seinen Puls auf 130, aufmerksam kontrolliert von Bewegungs- und Funktionsdiagnostikerin Marit Rosenow. Sie gibt dem 75-Jährigen nach Abschluss des Tests einige Empfehlungen mit auf den Weg.

Überwiegend ältere Männer sind es, die sich an den verschiedenen Stationen informieren, über Behandlungsmöglichkeiten beraten und durchchecken lassen. Also genau die Zielgruppe, „die sich sonst so schwer erreichen lässt“, sagt BKK-Referatsleiterin Feucht. Doch auch der eine oder andere jüngere Mensch, wie der 25-jährige Andreas Pallus, nutzt die Gelegenheit, die geballte Fachkompetenz um Rat zu fragen. Durch die Resonanz in Offenbach ermutigt, sollen der Pilotveranstaltung landesweit weitere Männergesundheitstage folgen, kündigt die BKK an. Denn noch laufen nicht alle männlichen Motoren rund.

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