Selbstständigkeit der Berufsschulen steht auf der Kippe

Offenbach (kap) ‐ Die hessischen Berufsschulen sollen selbstständiger werden. Voraussetzung: Eine eigene Referatsstelle, die allein für die Lehrerzuweisung an Berufsschulen zuständig ist. Diese hatte Kultusministerin Dorothea Henzler noch im Sommer zugesichert.

Nun sieht es ganz anders aus. Die FDP-Politikerin will diese Stelle wieder abschaffen. Darüber sind viele Berufsschulleiter sauer - auch in Offenbach.

Das Modellprojekt Selbstverantwortung Plus (SV Plus), das am 1. Januar 2005 mit 17 beruflichen Schulen an den Start ging, sollte dazu beitragen, dass die Projektschulen ihrem Bildungsauftrag besser gerecht werden. Eine eigene Referatsstelle, die für eine gerechte Verteilung von Lehrerstellen Sorge trägt, sollte die Schulen dabei unterstützen. Bisher war dies in die Abteilung der allgemeinbildenden Schulen integriert.

Hier will Henzler jetzt den Rotstift ansetzen. Grund: Die Kosten für eine solche Abteilung seien höher als bislang angenommen, heißt es aus dem Kultusministerium. Die 106 Leiter der hessischen Berufsschulen drohen der Ministerin mit der Verweigerung ihrer Gefolgschaft, sollte sie die angekündigte Sparmaßnahme nicht zurückziehen. Die Grünen und die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landesfraktion, Heike Habermann, kritisieren Henzlers Vorgehen. „Das Projekt steht vor dem Scheitern“, schreibt Habermann in einer Mitteilung.

Seit fünf Jahren nimmt die Heuss-Schule am Projekt teil

Gerd Müller, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule, sagt: „Wir mussten in den letzten Jahren feststellen, dass die Stellenvergabe hätte besser sein können.“ Deshalb wünscht sich Müller den Erhalt der Referatsstelle. Heinrich Kößler von der Theodor-Heuss-Schule ist da ganz ähnlicher Meinung. „Die Referatsstelle ist eine zentrale Forderung“, sagt der Schulleiter. „Damit wäre sichergestellt worden, dass wir selbstverantwortlich planen können. Die Ankündigung, diese Stelle wieder  abzuschaffen, bedeutet für uns einen Rückschritt.“

Seit fünf Jahren nimmt die Heuss-Schule am Projekt teil, derzeit läuft eine zweijährige Verlängerungsphase. Innerhalb des Projekts konnten die beruflichen Schulen selbständig Verträge abschließen, langfristige Personalplanungen festlegen und verschiedene Fördermaßnahmen einrichten. Kößler sieht noch einen weiteren Vorteil im Projekt SV plus. „Weil wir wussten, wie viel Geld uns zur Verfügung steht, haben wir verantwortungsbewusster gewirtschaftet“, erklärt er. Die Situation beruflicher Schulen unterscheide sich stark von Gymnasien oder Gesamt- und Hauptschulen. Daher sei es wichtig, dass jemand die Stellenvergabe organisiert, der mit den Feinheiten dieser Schulform vertraut sei.

Prozess der Umstrukturierung

Raimund Kirschner, kommissarischer Leiter der August-Bebel-Schule, hofft auch, dass die Stelle erhalten bleibt. Er ist zuversichtlich, dass sich Henzler noch anders entscheidet. „Wir sind in einem Prozess der Umstrukturierung “, sagt er. Er möchte Details abwarten, bevor er das Projekt tatsächlich als gescheitert sieht.

Henzler habe die Bedürfnisse der Berufsschulen erkannt und die Einstellung von Quereinsteigern erleichtert, meint der Pädagoge. Und: „Es ist zu früh, sich aufzuregen.“ Kürzlich hat das Kollegium einstimmig für die Fortführung des Projekts gestimmt. Seit 2005 kümmert sich eine Verwaltungskoordinatorin um Personal- und Budgetplanung. „Damit ist alles viel transparenter“, so Kirschner. Entscheidungen würden an Ort und Stelle getroffen. Dass davon Schüler und Lehrer profitieren, ist unter Pädagogen unstrittig.

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