Sender mit bester Medizin

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Werner Lapp und Medi Schernthaner machen sich mit der Technik im Brinkmann-Studio vertraut.

Offenbach - Ein Jahr lang war es ruhig um Radio Brinkmann, Patientenfunk am Klinikum. Gründe waren die Schließung des Altbaus und der Umzug in ein neues Studio. Am kommenden Samstag gehen die ehrenamtlichen Radiomacher wieder auf Sendung. Von David Heisig

Die Spannung steigt, der Mann am Mischpult zieht den Regler hoch: Radio Brinkmann ist erstmals in diesem Jahr auf Sendung. Nur zu Probezwecken, aber die erste Hürde ist genommen. Programmchef Werner Lapp zeigt sich erleichtert; „Nach einem Jahr Sendepause und langen Vorbereitungen müssen wir den Mief erst wieder abschütteln!“

Das erklärt, warum das Team so gespannt die Technik unter die Lupe nimmt. Wo ist der CD-Spieler angeschlossen? Wie stelle ich das Mikro ein? Wie kann ich einen Kanal vorhören? Solche Fragen bewegen die Brinkmänner. Fast wie im Profi-Studio müssen Musiktitel zeitgenau abgefahren und Vorgaben eingehalten werden. „Wir sind nicht umsonst der Sender mit der besten Medizin und dem gesunden Sound und wollen den Patienten kurzweilige Sendungen präsentieren“, erklärt Lapp. Da gehört ein gewisser Grad an Professionalität dazu. „Das muss jeder erst lernen“, erzählt Medi Schernthaner, momentan einzige weibliche Stimme, eine „Brinkfrau“ sozusagen. Interessenten müssen aber keine Angst haben, eine Einarbeitung ist selbstverständlich.

Die Techniker der vom Klinikum beauftragten Firma haben unterdessen einen sogenannten FM-Modulator installiert. Nun muss das Signal auf die Anlage im Haus eingepegelt werden. „Eine schwierige Sache – das muss auf die richtige Frequenz eingestellt werden“, so Schernthaner. Beim Testhören in einem Patientenzimmer folgt die nächste Erleichterung: Das Signal kommt, der Klang ist astrein und vor allem in Stereo. „Die Patienten hören uns über die Fernseheinheit per Kopfhörer“, erklärt Lapp.

Dass der Patientenfunk erneut auf Sendung gehen kann, stand nie in Frage. Der Weg dahin war indes nicht immer einfach. Im Juni 2010 war die letzte Sendung im Altbau am Starkenburgring; es folgte der Umzug in den Neubau. Diese Truppe zusammenzuhalten war ein Kraftakt für das Leitungsduo. Die Brinkmänner bezogen ihr neues Studio im Parterre am Rand des großen Foyers, mehr Platz für die neun Moderatoren in freundlichem Ambiente. „Zum damaligen Zeitpunkt war der Raum recht jungfräulich“, deutet Schernthaner mit einem Blick auf die weißen Wände an. „Da hat sich einiges getan!“

Nur beim näheren Hinsehen zu bemerken ist die Schallisolierung an den Wänden. Eher ins Auge springt der blaue Teppich. Unsichtbar und nur für den Fachmann zu ahnen sind die versteckten Leitungen, welche die Radiotechnik mit dem zentralen Verteiler im Bauch des Neubaus verbinden. Viele Treffen mit Technikern, Geschäftsführung des Klinikums und Radiovertretern waren nötig, um den Neustart zu ermöglichen. „Wir mussten diskutieren, Kompromisse schließen und einige Erwartungen verwerfen“, berichtet Lapp.

Die Hartnäckigkeit der Funker hat sich gelohnt. Im März wurden im Altbau die Kisten gepackt, die Technik verstaut und für den Umzug klargemacht. Kurz vor der Eröffnung der Schock: Unbekannte hatten die wertvolle Ausrüstung gestohlen. „Ein ziemlich großer Schaden für uns“, bedauert Lapp. Hatten CD-Spieler, Mikrofone und Mischpult doch einen Wert von 3000 Euro. Nicht kleiner war der emotionale Schaden. „Wir hatten uns so gefreut, das alte Studio hatten wir geräumt, wollten im neuen gleich durchstarten“, berichtet Schernthaner.

Ihr und den anderen Brinkmännern ist anzumerken: Der Frust hängt allen noch ein bisschen nach. Glücklicherweise sprang das Klinikum den Machern zur Seite. Neues Gerät wurde angeschafft vor allem dank großzügiger Spende über 2 500 Euro von Doris Hoefer.

Dem Neustart steht also nichts mehr im Weg. Am Samstag, 28. Mai, steigt die erste große Sendung nach der Zwangspause. „Vier Stunden am Stück, von 13 Uhr an“, erzählt Lapp, „für uns eine Art Tag der offenen Tür.“ Interessenten sind eingeladen, den Radiomachern über die Schulter zu schauen. Und vielleicht bekommt ja der eine oder andere Lust, selbst zu moderieren, so die Hoffnung der Brinkmänner.

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