Senioren Angst nehmen

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Tatjana Endres ist Mitarbeiterin der Mobilitätszentrale am Salzgässchen. Sie informiert und verkauft Fahrscheine: Die 25-Jährige trägt das Logo „NiO“ (Nahverkehr in Offenbach) auf der Bluse, weil die Lokale Nahverkehrsorganisation (LNO) unter dieser Marke firmiert.

Offenbach - Gibt es Fahrscheine für Gruppen über fünf Personen? Wie kommt man zum Zoo? Was kostet eine Monatskarte für Offenbach? Solche und ähnliche Fragen gehören zum Tagesgeschäft von Tatjana Endres. Von Simone Weil

Die 25-Jährige arbeitet seit fünf Jahren in der Mobilitätszentrale am Salzgässchen, die dieser Tage ihr zehnjähriges Bestehen feiert. In friedlicher Koexistenz teilen sich die insgesamt vier Mitarbeiter die Räume mit den Kollegen der Offenbacher-Stadtinformation-Gesellschaft, die Eintrittskarten für Konzerte, Oper und Theater verkaufen oder Auswärtigen bei der Hotelsuche helfen.

Zu den Aufgaben des Mobilitätszentralen-Teams gehören Informationen rund um Fahrpläne, Fahrzeiten und Tarife von Rhein-Main-Verkehrsverbund, Deutscher Bahn und den Leistungen der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB). Die Berater wissen auch Bescheid über Änderungen im Liniennetz der OVB wie etwa Umleitungen oder Haltestellenverlegungen. Hinzu kommt der Verkauf von Fahrkarten (außer Einzelfahrkarten) für die Busse der OVB, die S-Bahnen im RMV-Gebiet und die Regionalzüge.

Um im direkten Kundenkontakt bestehen zu können, hat Tatjana Endres auf ihre Ausbildung zur Verkehrskauffrau, die sie bei den OVB absolvierte, eine Weiterbildung zur Mobilitätsberaterin aufgesattelt: Sie übte dabei zum Beispiel, auch in Konfliktsituationen freundlich auf Ratsuchende zu reagieren. Doch manchmal ist das recht schwer, wie die eigene Beobachtung zeigt. Der Herr, der gerade etwas über die „Erlebniscard“ erfahren will, hat einen ausgesprochen unverschämten Ton drauf und ist noch dazu sehr ungeduldig.

609 Anträge für die „Clever-Card“

Die meisten Kunden aber sind freundlich, findet die Mitarbeiterin der Lokalen Nahverkehrsorganisation (LNO). Allerdings werden Jungs im Teenageralter manchmal zu forsch im Umgang mit der hübschen Blondine.

Am Vormittag ist meist die Hölle los, deswegen wird zu zweit gearbeitet. Dann kann auch zwischendurch mal jemand ans Telefon gehen. Schüler wollen Infos und Anträge für die „Clever-Card“. Diese Fahrkarte ist deswegen so attraktiv, weil nur acht Monate bezahlt werden, die Karte aber zwölf Monate lang gültig ist. „In den Ferien kann man dann sogar noch RMV-weit fahren“, weiß Endres. Allein für Oktober wurden 609 Anträge eingereicht.

Auch das erhöhte Beförderungsentgelt wird in der Mobilitätszentrale bezahlt: Wer beim vermeintlichen Schwarzfahren erwischt wurde, seine persönliche Jahres- oder Schülerkarte aber nur vergessen hatte und diese innerhalb von sieben Tagen vorlegt, zahlt sieben Euro. Alle anderen zahlen 40 Euro Strafe. Weil inzwischen ein Inkassobüro fürs Eintreiben der Schulden verantwortlich ist, wird zügiger bezahlt. „Sonst wird es wegen der Gebühren noch teurer“, weiß Tatjana Endres.

Ausflugtipps für Untermehmungslustige

Viel Freude bereitet es der jungen Frau, wenn sie Älteren mit Auskünften die Angst vor Bus und S-Bahn nehmen kann und sich dadurch deren Aktionsradius vergrößert. Neulich hat sie eine Seniorin beraten, die ihr gestanden hatte, dass sie ihr Auto aus Altersgründen abschaffen will. Die Frau hat die LNO-Mitarbeiterin mit ÖPNV-Stadtplan und einzelnen Fahrplänen im Kleinstformat versorgt und ihr gezeigt, wohin sie mit dem Bus fahren kann. Vor allem die älteren Herrschaften sind es, die wegen Auskünften die Mobilitätszentrale aufsuchen, die Jüngeren nutzen immer häufiger das Internet.

Für Vereine, Schulklassen oder andere Organisationen kann der „Großgruppenfahrschein“ für mehr als zehn Personen interessant sein. Da das Ticket mit der Hand ausgestellt werden muss, kann ein Besuch im Salzgässchen also helfen, Geld zu sparen.

Unternehmungslustige werden mit diversen Ausflugstipps belohnt, die der RMV in Broschüren vorlegt. In der Reihe gibt es Entdeckertipps für aktive Senioren, Ausflugsziele für die ganze Familie, zu Schlössern, Parks, Schwimmbädern und mehr. Wer mit Bus und Bahn zu den schönsten Apfelweinwirtschaften der Region pilgert, ist auf der sicheren Seite und kann sogar noch einen Schoppen mehr trinken...

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