Senioren-Fastnacht des OKV

Närrisch jung geblieben

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Der flippige Marschtanz des TSC Fantasy ist nur eine von vielen gelungen Show-Einlagen beim traditionellen Senioren-Vormittag am Rosenmontag.

Offenbach - Wer braucht schon Köln, wenn auch in Lederanien wild geschunkelt werden darf? Dass dabei nicht nur die jüngere Generation für gute Stimmung sorgt, zeigt die Senioren-Fastnacht des Offenbacher Karnevalvereins (OKV) am Rosenmontag. Von Eva-Maria Lill

Etwas mehr als dreieinhalb Stunden feiern die älteren Narrensemester in der gut gefüllten Stadthalle. „Frankfurt und Offenbach gehören einfach zusammen“, tönt es wiederholt von der Bühne. Beim Senioren-Vormittag wird sozusagen zweisprachig gegrüßt: Als sich das Frankfurter Prinzenpaar die Ehre gibt, ruft es aus vielen Kehlen nicht nur „Hallau“, sondern auch „Helau“. Schließlich erscheinen Klaus III. und Diana I. traditionell im rot-weißen Ornat. Für den krisengeschüttelten Offenbacher Fußballfan ist das ja irgendwie auch schon ein Zeichen von Verbundenheit.

Den ein oder anderen bissigen Seitenhieb auf die Nachbarn können sich die Büttenredner am Rosenmontag trotzdem nicht verkneifen. Simon Isser führt durch das kunterbunte und unterhaltsame Programm. Mit dem einen oder anderen Spruch sorgt er immer wieder für schmunzelnde Gesichter. Auch die Kapelle der Sportunion Mühlheim zaubert mit bunten Clownskostümen und passender Musik Farbe auf die Bühne.

Hitzesommer, NSA oder Landesparlament

Gerade Tony Schroll von den Heddemer Käwwern entpuppt sich als wahres Improvisationstalent. Bei seinem Vortrag als „Putzmann“ bleibt kaum ein Auge trocken. Tosenden Beifall gibt es auch für den 17-jährigen Michi Reisert von der Turngemeinde Ober-Roden. Als verkappter Schlagerstar auf der Suche nach Weltruhm hat er mit seiner Mischung aus Rede und Gesang die Lacher stets auf seiner Seite. In fernen Gefilden schippert hingegen der Kolping-Elfer Wolfgang Braun: Die Schiffsreise mit seiner Frau und dem versoffenen Schwager stellt sich bald als komödiantisches Glanzstück heraus. Protokoller Jürgen Kofink lässt das vergangene Jahr Revue passieren: Egal ob Hitzesommer, NSA oder Landesparlament – kaum etwas entkommt seinen spitzzüngigen Kommentaren.

Großartige Auftritte zeigen die Solotänzerinnen Pia Hähn und die erst neunjährigen Lea Waldscheidt. Es gehört schon einiges dazu, sich vor hunderten Zuschauern allein auf die Bühne zu wagen. Besonderen Mut haben auch die vielen Kindertanzgruppen, die das Publikum bestens unterhalten. Mehrere Pippi Langstrumpfs und ein Herr Nilsson stellen ihr Talent beim Showtanz des Gemaa-Nachwuchses unter Beweis. Auch die Bambis der Stadtgarde wissen mit einem professionell choreographierten Programm zu gefallen. Die Kinder der Blau-weiß-roten Mozarthusaren entführen die Zuschauer für einige Minuten auf die beschauliche Alm: Zu einer beschwingten Version von „Heidi“ tanzen die Mädchen und Jungen gekonnt über die Bühne.

„Ollen Dollen“ sind ein Höhepunkt

„Wer denkt sich nur immer so tolle Kostüme aus?“, raunt es ab und an im Publikum. Besonders die glitzernden Uniformen des TSC Fantasy und die Hexen-Outfits der Stadtgarde-Gruppe Glamour Girls versetzen in Staunen. Beide Auftritte animieren die Zuschauer mit ihren Showeinlagen zum Mitklatschen und Tanzen. Auch die Cowgirls der Mozartgarde gefallen, ebenso die Bürgergarde Offenbach, die mit einer Choreographie zum One-Direction-Hit „What makes you beautiful“ die Stadthalle unterhält. Nach einigen Grußworten feiern selbst die Kinderprinzenpaare aus Frankfurt und Bürgel ausgelassen mit.

Ein besonderer Höhepunkt sind die Damen der „Ollen Dollen“. Passend zur Weltmeisterschaft in Brasilien präsentieren sie sich in allerbester Fußball-Laune. Selbstverständlich darf neben Klassikern wie „We are the Champions“ auch das Kickers-Lied nicht fehlen. Ob das den Tollitäten aus Frankfurt auch so viel Freude bereitet wie dem Offenbacher Prinzenpaar Robert I. und Manuela I., bleibt ungeklärt. Musikalisches gibt es auch von den Randstaa-Jodlern der Kolpingelfer. Sie besingen neben dem besten Platz an der Bar auch die Hessische „Flaaschworscht“. Das Finale bestreiten wie jedes Jahr die Sängerfreunde Offenbach. Spätestens bei „Ein Tag, so wunderschön wie heute“ hält es niemand mehr auf den Sitzen.

OKV mit „Feuerwerk der guten Laune“

OKV mit „Feuerwerk der guten Laune“

Einen kleinen Wehmutstropfen gibt es trotzdem zu vermelden: Nächstes Jahr wird OKV-Chef Manfred Roth nicht mehr der Hofmarschall sein. Nach achtzehn Jahren ist Schluss für das Urgestein des Offenbacher Karnevalvereins.

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