Ab sofort mit Miete

Seniorenhilfe zieht zum Monatsende um

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Das neue Domizil: Ende August bezieht die Seniorenhilfe zwei Räume in der Seniorenwohnanlage am Lämmerspieler Weg 43. In den alten Räumen gab es zuletzt nicht mal fließendes Wasser.

Offenbach - Bei der Seniorenhilfe Offenbach werden derzeit die Umzugskartons gepackt. Nach 17 Jahren verlässt sie ihren Stammsitz im ehemaligen städtischen Altenheim am Hessenring. Das neue Domizil befindet sich in der Seniorenwohnanlage am Lämmerspieler Weg 43. Von Veronika Schade

Erstmals ist eine Miete fällig. Mit dem Umzug geht eine Ära zu Ende. Seit die SHO 1996 gegründet wurde, war ihr Büro und Besprechungsraum im Hessenring 55 untergebracht. Das Gebäude, das zuletzt als Heinrich-Schleich-Haus rund 80 Senioren beherbergte, steht seit April wegen Baufälligkeit leer. Die Bewohner zogen in das neue Vitanas Seniorenzentrum am Spessartring, die SHO blieb zunächst. „Uns war aber klar, dass wir neue Räume brauchen“, sagt die Vorsitzende Sigrid Isser. Doch wo, das war die Frage.

Denn der große Vorzug des alten Domizils würde sich kaum wieder finden lassen, das wusste sie. „Die Stadt war großzügig, wir waren immer mietfrei.“ Außerdem wollte man in der Nähe bleiben, da der wichtigste Treffpunkt der Mitglieder, das Else-Herrmann-Haus, ebenfalls am Hessenring liegt. „Wir haben verschiedene Ladenlokale angeboten bekommen und Büros im Ostpol, aber wie soll ich unsere Leute dahin kriegen?“, so Isser. Sie und ihre Mitstreiter haben in den vergangenen Monaten alle Hebel in Bewegung gesetzt, jegliche Kontakte angesprochen. „Wir sind permanent aufgefallen und haben genervt“, schmunzelt die 59-Jährige. Doch es war bitter notwendig: Vor sechs Wochen wurde das Wasser abgestellt, die acht ehrenamtlichen Bürodamen haben seitdem keine Möglichkeit, sich zu waschen oder auf Toilette zu gehen; dazu kommt das fehlende Sicherheitsgefühl in dem großen, leeren Haus. Schließlich hat sich die Hartnäckigkeit des Vorstands bezahlt gemacht. Als sich die Möglichkeit auftat, zwei Räume am Lämmerspieler Weg zu beziehen, schlug er zu. „Die GBO ist uns entgegen gekommen, wir zahlen nur eine kleine Miete“, ist Isser erleichtert.

Für die SHO eine neue Situation

Dennoch ist es für die SHO eine neue Situation. „Wir finanzieren uns durch die jährlichen Mitgliedsbeiträge“, berichtet die Vorsitzende, „durch die kleinen Dienstleistungen, die wir im Alltag erbringen, und durch den Verkauf von Kalendern und Produkten der Handarbeitsgruppe beim Mainuferfest und Weihnachtsmarkt.“ Aktivitäten wie Tagesausflüge kosten extra. Bisher ist es dem Verein, dem 800 meist weibliche Mitglieder zwischen 20 und 100 Jahren angehören, gelungen, kostendeckend zu arbeiten. Da nun die Miete dazukommt, gibt es Überlegungen, den derzeitigen Jahresbeitrag von sechs auf zehn Euro zu erhöhen. Mehr sollte es nicht werden. „Altersarmut ist auch in Offenbach ein Thema“, sagt Isser. „Uns ist wichtig, dass jeder unsere Angebote wahrnehmen kann.“

Diese umfassen unter anderem gemeinsame Treffen wie den Montagstreff, Kurse wie den Sing- und Kreativkreis und Aktivitäten wie Museumsbesuche oder Bauchtanz. Die ureigenste Aufgabe des Vereins aber ist die Nachbarschafts-Selbsthilfe. Wer als Mitglied Unterstützung braucht etwa beim Einkaufen, bei Behördengängen oder kleinen Reparaturen, wendet sich in den Bürozeiten an die Mitarbeiterinnen. Diese suchen dann aus dem Mitglieder-Pool einen passenden Helfer, der diese Leistung erbringen kann. Für jeden Einsatz bekommt dieser Punkte gut geschrieben, die er wiederum einlösen kann, wenn er selbst Hilfe benötigt. Alternativ werden 2,50 Euro pro erste Stunde berechnet, danach sind es 1,50 Euro.

Seniorensitzung des OKV

Seniorensitzung des OKV

Büro: Telefonnummer 069/87 87 64 43

Den Umzug möchte die SHO so gut es geht mit Eigenleistung erbringen. Ende August bleibt das Büro geschlossen. Für den 2. September ist eine Einweihungsfeier in den neuen Räumen geplant. „Wir suchen dringend noch zwei Büroschränke, es wäre toll, wenn sich jemand meldet“, so Isser. Sie hofft, dass die Räume gut angenommen werden und sich neue Perspektiven eröffnen – für den Verein und die Seniorenwohnanlage gleichermaßen. „Das Haus hat ein schönes Foyer. Wenn sich da zum Beispiel unsere Englischrunde trifft, sehen das die Bewohner und schließen sich ihr vielleicht an.“ Das verlange zwar von beiden Seiten sich zu öffnen. Doch Isser ist optimistisch, dass dies gelingt.

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