„Seniorenkarte ist überfällig“

Offenbach - In Nordhessen ist sie ein Verkaufsschlager: die Fahrkarte, mit der Senioren günstiger den Öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Die „Nordhessenkarte 60plus“ kostet 440 Euro und gilt im gesamten Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV).Von Peter Schulte-Holtey

Zusätzlich gibt es eine Partnerkarte für die Hälfte.

Das Ticket laufe „super“, so eine NVV-Sprecherin. Bei der Einführung 2007 seien 1000 Jahreskarten verkauft worden.

Momentan seien es 5600. Auch die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) wirbt für ein Seniorenticket (meist ein Drittel günstiger als die normale Monatskarte). Im Gegensatz zu den Nordhessen allerdings nur für Personen, die 65 und älter sind. Im restlichen Rhein-Main-Gebiet sind Senioren noch immer zum Normaltarif unterwegs. Für den Fahrgastverband „Pro Bahn“ gehört der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) „so langsam aber sicher zu den letzten Verbünden, die sich vehement gegen die Einführung einer Seniorenkarte stemmen“. Das Extra-Ticket sei überfällig.

Die RMV-Tarifexperten wollen jetzt handeln. Gestern wurde bekannt, dass sie intensiv über eine Besserstellung für Senioren nachdenken. Zunächst sollen Marktforscher in Erfahrung bringen, was sich ältere Bahn- und Buskunden wünschen. Erst danach werde ein Vorschlag an den Aufsichtsrat gemacht, der das nächste Mal im Juli tagt, berichtet RMV-Sprecher Peter Vollmer auf Anfrage unserer Zeitung. Nach seinen Angaben gibt es verschiedene Modelle, die diskutiert werden könnten. Zum Beispiel wird über ein „Ticket-Modell“ berichtet, das rund um die Uhr - auch an Wochenenden/Feiertagen im gesamten RMV-Gebiet - gilt und zehn Prozent günstiger als eine normale Monatskarte ist. Ein Seniorenticket könnte zudem aus verschiedenen „Modulen“ bzw. Vergünstigungen bestehen - ohne dass an der Preisschraube gedreht wird. Auch sei denkbar, das Vorhaben als Modellprojekt in Frankfurt oder gleich im gesamten RMV-Gebiet einzuführen. So könne es zum Beispiel eine Monatskarte, aber auch eine Jahreskarte geben. Vollmer betont, dies seien nur einige Möglichkeiten.

Dabei wird beim RMV darauf hingewiesen, dass das sogenannte 9-Uhr-Ticket auch auf Rentner ziele, die nicht gezwungen sind, in der Hauptverkehrszeit mit Bussen und Bahnen zu fahren. In Frankfurt kostet das Angebot als Monatskarte für das Stadtgebiet derzeit 58,30 Euro (im gesamter RMV-Bereich - Preisstufe 7 - sind es 169,70 Euro). Von Montag bis Freitag dürfen Inhaber eines solchen Tickets nur von 9 Uhr an fahren, am Wochenende und an gesetzlichen Feiertagen zu jeder Tageszeit (Karte auch übertragbar).

Der Frankfurter Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hat aber bereits die „Schattenseiten“ des vom RMV angepriesen 9-Uhr-Tickets gerügt. So verlange man in Köln nur 51,90 Euro und in München sogar nur 44,00 Euro für ähnliche Tickets. Zudem: Die normale Monatskarte Erwachsene (72,90 Euro) sei nur für den Großbereich Hamburg (88,00 Euro), für das Stadtgebiet von Mannheim und Ludwigshafen zusammen (82,50 Euro) sowie in Köln (74,50 Euro) teurer als in Frankfurt. Der VCD schiebt noch kritisch hinterher: „Wer mit Kindern in Bus und Bahn unterwegs ist, sollte gut rechnen können, da Frankfurts Kinder bundesweit mit 1,40 Euro das meiste für den Einzelfahrschein im öffentlichen Nahverkehr zahlen.“

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