Seniorenrat in Offenbach will bekannter werden

Überzeugungsarbeit nötig

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Nach anfänglich massivem Gegenwind sieht sich der Offenbacher Seniorenrat „in der Politik gut angekommen.“ Neue Projekte sind bereits in Planung. Mehr Sitzmöglichkeiten und Toiletten im öffentlichen Raum – unter anderem Themen, die sich der Seniorenrat um Vorsitzende Emma Gros (Mitte) auf die Agenda geschrieben hat.  

Offenbach - Visitenkarten und 10. 000 Faltblätter sind gedruckt, Ausschüsse und Arbeitskreise gebildet. In den vergangenen Tagen haben die Mitglieder des Offenbacher Seniorenrats ihre blauen Broschüren überall im Stadtgebiet verteilt. „Bekannt werden“ heißt die Devise. Von Jenny Bieniek 

„Die Offenbacher Bürger ab 60 sind keine homogene Masse. Umso wichtiger ist es für uns zu erfahren, was sie auf dem Herzen haben“, ermuntert Vorsitzende Emma Gros zur Kontaktaufnahme. Anfangs war die Skepsis im Rathaus gegenüber dem neuen Rat groß. „Inzwischen haben die Parteien aber erkannt, dass wir etwas hinkriegen“, ist Vize-Vorsitzender Hans Dick überzeugt. Vorsitzende Gros erklärt das so: „Die meisten unserer Mitglieder sind ,Mehrfachtäter’ und engagieren sich auch an anderen Stellen. Deshalb sind wir gut vernetzt.“ Das erste Projekt zeichnet sich bereits als Erfolg ab: Auf die geplante „Ü-90-Party“ war die Resonanz unerwartet groß. „Diese Veranstaltung wird deshalb nicht einmalig bleiben“, kündigt Gros an. Der 15-köpfige Seniorenrat versteht sich als politisches Gremium und Beratungsorgan, antragsberechtigt ist er freilich nicht. Da passt es gut, dass sich auch die Piraten mehr Toiletten im öffentlichen Raum wünschen und einen entsprechenden Antrag eingereicht haben. „Darüber freuen wir uns natürlich und werden den Antrag unterstützen“, so Gros. Inzwischen haben auch SPD, Freie Wähler und Grüne mit einem Änderungsantrag nachgezogen.

Neben öffentlichen Toiletten sind auch zusätzliche Sitzmöglichkeiten ein Anliegen des Seniorenrates. Zwar seien insgesamt viele vorhanden, diese seien oft jedoch ungeeignet oder stünden an den falschen Stellen, findet Dick. Jene am stets zugigen Hugenottenplatz etwa seien nur schwach frequentiert, die „Offenbacher Welle“ am Maindamm sei aufgrund der niedrigen Sitzhöhe für Senioren ungeeignet, und in der Andréstraße fehlten Sitzgelegenheiten gänzlich. Wünschenswert wären laut Gros zudem mehr Zebrastreifen vor Senioreneinrichtungen (etwa am Anni-Emmerling- oder Elisabeth-Maas-Haus) sowie ein barrierefreies, zentral gelegenenes Seniorenbüro für niedrigschwellige Beratungsangebote. Etwa Wohnberatung zum altersgerechten Umbau, wie es sie einst in Offenbach gab. Schließlich wollten immer mehr Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden. „Aber das gehen wir alles von Zeit zu Zeit an. Wir wollen nicht zu viele Feuer gleichzeitig anstecken“, so Hans Dick.

Derzeit arbeiten er und seine Mitstreiter bereits an der Fortschreibung des kommunalen Altenplans mit. Im Alltag gilt es unterdessen, Schwellenangst zu nehmen, wie Emma Gros erklärt. „Für viele Menschen ist der Begriff Senior negativ besetzt, weil sie damit Vorurteile wie hilfsbedürftig oder gebrechlich verbinden, die abschrecken“, weiß sie. So käme es immer wieder vor, dass sich etwa 70-Jährige von Seniorenangeboten nicht angesprochen fühlten. „Da heißt es dann: Das geht mich nichts an.“ Ganz genau schaut der Seniorenrat auch hin, wenn es um die Zukunft des beliebten Else-Herrmann-Hauses geht. Ein Investor hat Interesse am Grundstück bekundet, ein Verkauf würde die Schließung des Seniorentreffs bedeuten. In den kommenden Tagen soll im Rathaus die Entscheidung darüber fallen, ob oder wie es am Hessenring weitergeht.

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