Übergang in städtisches Eigentum nicht sicher

Altenheim im Schaufenster?

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Symbolbild

Offenbach - Übergang des Seniorenzentrums von Sana in dauerhaftes städtisches Eigentum noch nicht ausgemachte Sache: Gespräche mit Mitarbeitern über Verzicht. Von Thomas Kirstein und Peter Schulte-Holtey

Als im Juni die Bedingungen für den Übergang des Klinikums an den Sana-Konzern präsentiert wurden, verkauften es die Verantwortlichen der Stadt als eine Art Schnäppchen im unter dem Strich schlechten Geschäft.

Die dem Krankenhaus angegliederte Seniorenzentrum GmbH solle samt der Liegenschaften für einen symbolischen Euro zurück an die Stadt gehen. Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeister Peter Schneider als Klinikdezernent und Sozialdezernent Felix Schwenke vermittelten den Eindruck einer wünschenswerten Entwicklung: Schließlich trage sich das Altenheim am Hessenring finanziell so gut wie selbst. Ein Stadtverordnetenbeschluss untermauert die grundsätzliche Bereitschaft.

Knapp drei Monate später ist man sich da offensichtlich nicht mehr so sicher. Die Rückübertragung steht noch aus, momentan gehört das ehemalige städtische Altenheim noch Sana, das es auch gar nicht behalten will. Es sei ja vereinbart, dass die Stadt das Seniorenzentrum komplett mit Grundstück und Bauten zum Ende des Jahres übernehmen könne, hieß es dort gestern; dieses Angebot gelte selbstverständlich nach wie vor.

Gespräche mit 100 Mitarbeitern

Bei der Stadt werden aber vorsichtig die Weichen gestellt, da die Zahlen des Seniorenzentrums wohl nicht mehr so optimistisch stimmen. Dezernent Schwenke weist zwar Behauptungen zurück, dass bereits offensiv ein Investor für die Übernahme des Seniorenzentrums (SZO) gesucht werde. Er betont aber: „Wenn die Kommune das SZO führen soll, dann nur zu Bedingungen, unter denen wir es wirtschaftlich ohne Zuschüsse weiterführen können.“ Und dies auch dann, wenn in einem Jahr einmal „keine optimale Pflegestufe und Auslastung“ erzielt werden könne.

So aber sei das SZO im Moment nicht aufgestellt. Daher gebe es „Gespräche mit Mitarbeitern und Gewerkschaften über die Bedingungen, unter denen das SZO von Sana zur Stadt wechseln könnte“. Die Einrichtung, die 2006 nach zehnjährigem DRK-Intermezzo ans Klinikum ging, hat 100 Mitarbeiter.

Es geht letzlich um Abstriche, die das Personal akzeptieren soll. Verzicht soll den Zwang zu einer weiteren Privatisierung verringern. Von Geld bis Arbeitszeit bis Kooperationen bis Kombinationen aus diesen Faktoren sei vieles denkbar und Verhandlungssache. Schwenke macht deutlich: „Wenn unser Angebot den Mitarbeitern nicht gut genug ist, gibt es eben die andere Perspektive.“ Derzeit jedoch werde kein Käufer gesucht, unterstreicht er.

„Wir können uns kein zweites Klinikum in Klein leisten“, deutet der Dezernent nicht gerade positive Perspektiven der Einrichtung an. Dass unterdessen private Altenheime in Offenbach förmlich wie Pilze aus dem Boden schießen, lässt Seniorenpflege als lukrativ erscheinen: Die nicht an Tarife des öffentlichen Dienstes gebundenen Gewerblichen arbeiten mit deutlich geringeren Personalkosten.

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