Google und ein Startup sollen bei regionalen Läden ins Boot

Der Schwarm als Erfolgsmodell

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Das Team von Hierbeidir.com, das den regionalen Händlern einen Marktplatz- und Lieferservice im Internet bietet. In der Mitte Firmengründer Marvin Agena.

Offenbach - Der Handel ist im Umbruch: Die Online-Konkurrenz macht stationären Läden zu schaffen. In der Serie „Handel im Wandel“ beleuchtet unsere Zeitung Facetten des Umbruchs und zeigt auf, wo Chancen der Läden vor Ort liegen, im Online-Zeitalter bestehen zu können. Von Achim Lederle

„Der Schwarm ist das Handelskonzept der Zukunft: Jeder ist in seinem Bereich gut, und zusammen sind sie noch besser.“ Manfred Rädlein, Vorsitzender des Gewerbevereins Rödermark, ist ein Visionär: Seine Vision ist der „schwarmstationäre Onlinehandel“. Was so akademisch klingt, bedeutet: „Der Handel muss im Internet sichtbar sein und die Netzwelt für sich nutzen.“ Dafür setzt der 54-Jährige, der eine Holzagentur betreibt und selbst von zu Hause am Bildschirm arbeitet, auf den Giganten Google: Die Schlagworte sind hier Cross-Commerce und Google Adwords. Cross-Commerce heißt einfach, dass stationärer und Online-Handel miteinander verbunden werden. Geschehen soll dies über die Möglichkeiten der Suchmaschine. Beim kostenpflichtigen Service Adwords kann die Suche nach einem Produkt oder einer Firma zum Beispiel auf Rödermark oder das südliche Rhein-Main-Gebiet eingegrenzt werden. „Sie suchen online von zu Hause und erhalten dabei auch potentielle Anbieter vor Ort“, erklärt Rädlein. Bei der Hauptversammlung des Gewerbevereins hat Rädlein den Rödermärker Einzelhändlern kürzlich das Prinzip vorgestellt. Ergebnis: „Natürlich gibt es immer Skeptiker, aber wir sind uns einig, dass es bald ein Treffen mit Google-Vertretern geben wird, wo weitere Details besprochen werden.“

Einen Schritt weiter ist Dietzenbach. Dort arbeitet die Wirtschaftsförderung mit einem Düsseldorfer Startup-Unternehmen zusammen, das Händlern einen digitalen Marktplatz anbietet. Mit den jungen Gründern von „Hierbeidir.com“ will der Einzelhandel der Kreisstadt eine Plattform aufbauen, auf der alle wichtigen Dietzenbacher Läden vertreten und vernetzt sind. „Der Kunde soll sich leicht einen Überblick über das Angebot verschaffen und im Netz einkaufen können“, so das Ziel von Wirtschaftsförderer Michael Krtsch.

Der 25-jährige Marvin Agena, einer der Gründer von Hierbeidir, erläutert: „Der Kunde kann über uns auf zwei Wegen an sein Wunschprodukt gelangen. Er kann es über Google finden, in dem er zum Beispiel bei der Suche nach einem roten Kleid auf den Anbieter vor Ort weitergeleitet wird.“ Zweite Möglichkeit sei der geplante Online-Marktplatz, wo sich die Händler direkt präsentieren und der Kunde auf der Seite bestellen könne. Der Clou der Düsseldorfer: „Wir erledigen den Transport der Ware zum Beispiel über einen Kurier vor Ort. So ist es möglich, dass ein Kunde innerhalb weniger Stunden das rote Kleid, das er im Internet entdeckt hat, vom Laden am Platz zu sich nach Hause geliefert bekommt.“

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Dabei kümmere sich das Unternehmen auch um das Fotografieren und Einstellen der Ware ins Internet. Für seine Dienste erhalte das Startup eine Provision. „Die ersten Gespräche in Dietzenbach waren sehr positiv“, sagt Agena, der das Unternehmen 2013 gründete und inzwischen ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt. Vor allem im Rheinland hat Hierbeidir bislang seinen Service angeboten. „Jetzt strecken wir unsere Fühler ins Rhein-Main-Gebiet aus“, so Agena. Ziel sei es, den Dietzenbacher Online-Marktplatz bis zum Weihnachtsgeschäft 2015 zu etablieren: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Vom Dietzenbacher Projekt hat natürlich auch Manfred Rädlein gehört, der mit dem Startup-Unternehmen ebenfalls Kontakt aufnehmen möchte. „Der Lieferservice wäre auch für Rödermark ein Modell“, sagt er. Auch in anderen Kommunen wie Neu-Isenburg wird der Dietzenbacher Vorstoß mit Interesse verfolgt.

In Seligenstadt unterstützt der dortige Gewerbeverein das Regionalportal www.unser-seligenstadt.de. „Auf dieer Plattform können sich alle Gewerbetreibende kostenlos eintragen und auch eine Werbung schalten“, sagt Wolfgang Reuter vom Gewerbeverein. In einer weiteren Ausbaustufe sei geplant, dort auch einen regionalen Marktplatz einzurichten, der mit der Seligenstadt-App verknüpft werde. Reuter: „Das kommt der Idee von Dietzenbach nahe, soll aber primär die Leistungsvielfalt aufzeigen.“ Der Rödermärker Visionär Rädlein zeigt sich angesichts der regionalen Aufbruchstimmung optimistisch: „Der Schwarm wird größer.“

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