Servicestelle Kraftfahrzeugsteuer: Schwierige Übernahme

Zoll treibt Steuer für 1,7 Millionen Fahrzeuge ein

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Im Gebäude der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein, einem in den Jahren 1953/54 nach Plänen des Architekten Adolf Bayer errichteten Bau, der mit seinem mächtigen Glaskunstfenster seit 2010 unter Denkmalschutz steht, ist auch der Zoll untergebracht. Er unterhält dort eine Servicestelle Kraftfahrzeugsteuer sowie sein zentrales Beschaffungsamt.

Offenbach - 86 Millionen Kraftfahrzeuge sind in Deutschland registriert. Für rund 1,7 Millionen von ihnen wird die Steuer von Offenbach aus erhoben. Von Matthias Dahmer 

Seit April 2014 residiert im Gebäude der erheblich geschrumpften Bundesmonopolverwaltung für Branntwein am Friedrichsring die Servicestelle Kraftfahrzeugsteuer des Zolls. Autobesitzern dürfte es noch in ärgerlicher Erinnerung sein: Als im Februar des vergangenen Jahres das Eintreiben der Kfz-Steuer von den Finanzämtern und damit von den Landesbehörden auf den Bund, sprich auf den Zoll überging, lief es alles andere als rund. Falsche Steuerbescheide, überflüssige Mahnungen verunsicherten die Autobesitzer, von Datenchaos in den Behörden war die Rede. Mittlerweile, sagt Gerold Döring, habe man die anfänglichen Softwareprobleme weitgehend im Griff, das „Alltagsgeschäft“ laufe. Dass es keine leichte Aufgabe für den Leiter der Servicestelle und sein 35-köpfiges Team in Offenbach war und ist, mag der Umstand verdeutlichen, dass die Datenbestände von elf Finanzämtern zu übernehmen waren, deren Datenbanken weder untereinander, geschweige denn mit den des Zolls kompatibel waren.

Das Einzugsgebiet der Offenbacher Dependance des Hauptzollamts Darmstadt im denkmalgeschützten „Schnapspalast“ der Branntweinhüter ist immens: Für Fahrzeughalter aus dem Rheingau-Taunus-Kreis ist der Friedrichsring ebenso Anlaufstelle wie für Autobesitzer aus dem Main-Kinzig- oder dem Odenwaldkreis. Stadt und Kreis Offenbach gehören ohnehin dazu. Immerhin gibt es auf der gesamten Fläche verteilt noch sogenannte Kontaktstellen, in Hanau, Bensheim, Wiesbaden und Wächtersbach etwa, wo einmal pro Woche vorgesprochen werden kann.

Mehr als 90 Prozent der zu bearbeitenden Steuerfälle laufen automatisiert. Kundschaft erscheint in der Servicestelle nur in Ausnahmefällen. Etwa, wenn es für Schwerbehinderte darum geht, eine Steuerbefreiung für ihren fahrbaren Untersatz zu bekommen. Oder wenn ein ausländische Fahrzeug in die deutsche Steuerpflicht rutscht, weil sein Halter seinen Wohnsitz länger als ein Jahr in Deutschland hat. „Sie können sich vorstellen, dass das in Offenbach nicht wenige Fälle sind“, sagt Döring.

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Steuerlich nachjustiert werden muss auch wegen neuer Fahrzeugtechniken: So sind zum Beispiel Autos mit Hybridantrieb von den Herstellern oder vom TÜV bislang noch anders klassifiziert als von der Steuerbehörde. Überraschungen können auch die Halter der zunehmend beliebteren Pick-Ups erleben. Nicht selten deklarieren Hersteller diese Geländwagen mit offener Ladefläche als Lkw, was steuerlich wesentlich günstiger ist als eine Pkw-Einstufung. Wenn die Wagen im Zweifel in Offenbach vorfahren müssen und sich herausstellt, dass der Platz zur Personenbeförderung etwa dank einer zweiten Sitzreihe größer ist als die Ladefläche, dann ist die Pkw-Steuer fällig.

Bis zu 20.000 Neuzulassungen pro Monat registrieren die Offenbacher Zöllner für ihr Zuständigkeitsgebiet. Geschuldet ist das unter anderem dem Umstand, dass Hersteller wie Opel, Hyundai und Suzuki ihre Deutschlandzentralen im Bezirk haben und sich die Tageszulassungen in der Statistik niederschlagen. Die Mitarbeiter der Servicestelle sind überwiegend ehemalige Beschäftigte der Branntwein-Monopolverwaltung. Dass ihre Arbeitsstätte unter Denkmalschutz steht, macht Neuerungen nicht einfach: So berichtet Leiter Gerold Döring davon, dass selbst der Austausch von Türgriffen abgestimmt werden muss. Und ob der Zugang noch in diesem Jahr behindertengerecht umgebaut werden kann, steht bislang nicht fest.

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