Die Sex-Tanten und die Toten

Offenbach ‐ Erika Berger und Lilo Wanders betrachten das plastinierte Paar, das sich im Stehen liebt. „Ja, das ist doch ganz schön gemacht“, urteilt Berger fachmännisch. Von Kathrin Rosendorff

Überhaupt findet die Horizontal-Beraterin die Körperwelten-Ausstellung in Offenbach nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Aber auf die Frage, ob sich die 70-Jährige selbst plastinieren lassen würde, schüttelt sie vehement den Kopf. „Nein, ich finde, wenn man tot ist, ist das traurig. Aber irgendwann muss einfach der Deckel drauf“, sagt sie.

Sowieso spricht sie lieber über das Leben, und dazu gehört „ganz klar Sex“. Auch Lilo Wanders (54), Kult-Transvestit, die jahrelang die Sendung „Wa(h)re Liebe“ moderierte, will lieber über Sex reden, als sich in Gunther von Hagens’ Hände zu begeben.

Sex-Deutsch/Deutsch-Sex

Die beiden Aufklärerinnen sind am Dienstagabend nach Offenbach gekommen, um vor rund 100 Gästen aus ihrem gemeinsam verfassten Ratgeber „Sex-Deutsch/Deutsch-Sex“ vorzulesen. Denn: „Rudimentäre Kenntnisse sind schon bei den meisten Leuten vorhanden, aber oft beruhen die auf Irrtümern. Erika und ich versuchen, diese gerade zu rücken“, sagt Lilo Wanders mit dem Langenscheidt-Büchlein in der Hand. Natürlich nicht in wissenschaftlich-langweilige Biobuch-Manier, sondern mit viel Humor.

Auf einer roten Couch in einem Raum über den Plastinaten, nehmen die Aufklärungs-Damen Platz. Wanders ermahnt den Kameramann des Privatsenders, nicht unter ihren Rock zu filmen. Erika Berger hat da weniger Probleme. Denn statt eines Minis, der ja Standard war bei ihrer RTL-Show „Eine Chance für die Liebe“, trägt sie Hose. Dann setzen die beiden Diven ihre Lesebrillen auf. „Ein bisschen sehen wir jetzt aus wie ,Reife Frauen über 50 warten auf deinen Anruf’“, scherzt Wanders. Das vorwiegend U-30- Publikum lacht.

Das gibt es bei der Ausstellung sonst zu sehen:

„Körperwelten“ in Offenbach

Dann folgt die erste Lektion an dem Abend: Vor dem Sex muss man flirten, und das bitte „immer fröhlich und dabei niemals die Arme verschränken“, sagt Lilo Wanders. Berger erläutert, dass derbe Anmachsprüche wie „Dein Kleid passt zu meiner Bettwäsche, das musst du unbedingt sehen“ beim weiblichen Geschlecht gar nicht gut ankommen.

Sie selbst erlebte in Frankfurt eine herbe Flirt-Enttäuschung. Sie schäkerte mit einem hübschen Barkeeper, bis er sagte: „Wissen Sie, wie Sie aussehen? Wie die Mutter meiner Freundin.“ Hat das Flirten aber geklappt, sollte man niemals bedrucke Unterhosen tragen. „Ganz schlimm sind Unterhosen mit Wochentagen. Er trägt Mittwoch, und dabei ist es schon Freitag, unschön“, sagt Lilo Wanders.

Beste Zeit zum Liebe-Machen ist 8 Uhr

Stimmt die Unterhose, ist die beste Zeit zum Liebe-Machen 8 Uhr. „Denn da produzieren die Sexualdrüsen hohe Hormondosen“, weiß Berger. Außerdem hätten Wissenschaftler festgestellt, dass man beim Orgasmus 112 Kalorien verbraucht.

„Beim vorgetäuschten ist der Kalorienverbrauch dreimal so hoch.“ Und wie wird man den Liebespartner bei Überdruss wieder los? Danach einfach sagen: „Kannst du mir noch einen Kaffee machen, oder kannst du das auch nicht?“

Rubriklistenbild: © Georg

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