Prozessauftakt

Mehrfach an Tochter der Ex-Freundin vergangen

Offenbach - Sie vertraute ihm. Nannte ihn manchmal sogar Papa. Denis F. verbrachte so viel Zeit wie möglich mit der Achtjährigen. Mehr als mit ihrer Mutter, mit der er eigentlich zusammen war. Was diese nicht ahnte: Ihr neuer Lebensgefährte ist pädophil. Von Veronika Szeherova

Und ihre Tochter wurde sein erstes Opfer. Seit gestern muss er sich vorm Darmstädter Landgericht wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs verantworten. Vier Punkte beinhaltet die Anklageschrift, von denen der bis dahin unbescholtene F. drei umgehend gestanden hat – den Besitz umfangreicher kinderpornografischer Schriften auf Rechner und Handy, die Erstellung kinderpornografischer Fotos der Achtjährigen sowie sexuelle Handlungen an ihr. Doch dem schwersten Punkt der Anklage, Beischlaf mit dem Mädchen Ende Juli 2012, widersprach der Offenbacher. Er habe mit dem Kind am besagten Tag nur die Kerb in Tempelsee besucht und es dann nach Hause gebracht.

Der Mann flog auf, weil die Großmutter des Mädchens ihn zwei Tage darauf in flagranti erwischte. Sie kam früher von der Arbeit nach Hause in ihre Ein-Zimmer-Wohnung in Offenbach, in der sie mit Tochter und Enkelin lebte. Als sie das Wohnzimmer betrat, sah sie auf der Schlafcouch F. auf ihrer Enkelin liegend. Sie waren zugedeckt. Als F. erschrocken aufsprang, sei er nackt gewesen, ebenso das Kind. Während die geschockte Großmutter ihn angeschrien habe, sei er schnell in seine Kleidung geschlüpft und habe fluchtartig die Wohnung verlassen. Die Frau konnte ihn nicht aufhalten, rief sofort die Polizei.

Nach Trennung weiter Kontakt mit der Tochter

Seitdem sitzt der Beschuldigte in Untersuchungshaft. Wie sein Anwalt mitteilt, sei er seit eineinhalb Monaten in der psychiatrischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt untergebracht. Der 28-jährige Angeklagte begründet es damit, dass er von Mitgefangenen mehrfach zusammengeschlagen worden sei und Antidepressiva sowie Schlafmittel nehme. Er leide unter der Haft und berichtet an anderer Stelle von seiner schweren Kindheit.

Überraschend sachlich sagt die alleinerziehende Mutter aus. Kennengelernt habe sie F. Ende 2011 in einer Kneipe. Sie seien schnell ein Paar geworden, er habe sich von Anfang an gut um ihre Tochter gekümmert: „Er übernahm die Vaterrolle, auch meine Tochter hat sich schnell an ihn gebunden.“ Doch in ihrer Paarbeziehung sei es immer schlechter gelaufen. F. habe kaum etwas mit ihr allein unternehmen wollen, wollte stets das Kind dabei haben. Sie trennte sich wenige Monate später von ihm, auch „weil im Bett nichts lief“. Doch sie erlaubte ihm weiter regelmäßigen Kontakt mit ihrer Tochter. Er betreute sie, wenn sie und die Großmutter arbeiten mussten. „Ich habe mir keine Gedanken gemacht. Ich war zu blauäugig“, wirft sie sich vor.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Nachdem F., der keine abgeschlossene Ausbildung hat und sich mit Zeitarbeit über Wasser hielt, aufflog, habe sie mit ihrer Tochter geredet. So sei herausgekommen, dass er sie mehrfach zu sexuellen Handlungen und zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe, meist bevor er sie zur Schule brachte. Sie habe die Taten äußerlich sehr gut weggesteckt. „Es geht ihr gespielt zu gut. Manchmal hat sie aber Albträume, dass Denis nachts mit Speeren kommt und sie abschlachtet.“

Die Anwältin der Mutter äußert sich im Gespräch mit unserer Mediengruppe: „Auch wenn es vielleicht nicht am selben Tag geschah wie in der Anklageschrift, ist es unbestritten, dass er sich oft an dem Kind vergangen hat. Und dafür muss er mehr als fünf Jahre bekommen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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