Die Flotte gestärkt

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Ruder hoch: Anders als früher ging die Bootstaufe der SG Wiking nicht im Bootshaus, sondern im Freien über die Bühne.

Offenbach - Die Abendsonne sendet letzte Strahlen, das Duo Zoll Sound begleitet mit maritimen Weisen das Geschehen auf dem Vereinsgelände am Nordring, und Vorsitzender Detlef Reissmann ist in seinem Element. Sekt steht bereit. Von Harald H. Richter

Doch anders als früher wird im Freien getauft und nicht während einer Jahressiegerehrung im Bootshaus. „Damit vermeiden wir drinnen einen klebrigen Fußboden“, scherzt der Vereinsboss. Fünf Boote, teils von Sponsoren finanziert, sollen feierlich in den Bestand aufgenommen werden.

Eine Bootstaufe zelebriert man nicht gern allein. So sind neben Mitgliedern der Sportgemeinschaft Wiking Vertreter befreundeter Vereine gekommen – aus Mühlheim und Bürgel sowie vom benachbarten RV Hellas und vom ORV. Die Undine-Segler sind dabei und die DLRG. Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel lässt sich den 110. Geburtstag der SG Wiking nicht entgehen. Das politische Offenbach ist mit stellvertretendem Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Länder vertreten, Sportamtsleiter Jürgen Weil verkörpert die Verwaltung.

Seepferdchen-Figur aus dem DDR-Fernsehen

Einer Seepferdchen-Figur aus dem DDR-Fernsehen ist der Name des Outriggers entliehen, mit dem Grit Kaletta und Karl-Heinz Born an den Paddeln fortan aufs Wasser gehen: „Snugata“. Wer vermutet, der Zweier werde ostalgisch mit Rotkäppchen-Sekt getauft, irrt indes.

Privat finanziert ist der Einer von Marc Bender, der seinen „Skyliner“ auch vor der Kulisse der Bankenmetropole durchs Wasser ziehen dürfte. Der zweite Einer heißt „Überholverbot“, der Doppel-Zweier – sportliche Ziele vor Augen – „Horizon“. Beide verstärken die Vereinsflotte. Dann blickt der Vorsitzende 60 Jahre zurück, als ein Gig-Vierer nicht nur der Jugend Stolz war. Nun wird das Traditionsboot gleichen Namens ausgemustert und durch ein modernes ersetzt. Es steht in erster Linie dem Breitensport zur Verfügung, „Schülern, aber auch Senioren“, so Reissmann.

Offenbacher Ruder-Regatta beim WSV Bürgel

Offenbacher Ruder-Regatta beim WSV Bürgel

Der Verein unterhält mit dem Leibnizgymnasium eine Kooperation, um durch eine Schülerruderriege interessierte Jugendliche an diesen Sport heranzuführen. Folglich packen zahlreiche Mädchen und Jungen mit an, als die Boote zu Wasser gelassen werden. Nach dem Kommando „Fertig zum Einsteigen – stößt – ab!“ ergreifen die Besatzungen die Skulls und rudern zur Jungfernfahrt auf den Main. Die Gästeschar lässt ein dreifaches „Hipp, hipp, hurra!“ erschallen, als die Boote wieder anlanden.

Da nicht langes Reden, sondern Geselligkeit zählt, wird bei Speisen und Getränken gefachsimpelt und in Erinnerungen geschwelgt, auch voraus geschaut auf die sportliche Zukunft und geplante Investitionen. Auf dem ehemaligen Tennisgelände soll eine Bootshalle entstehen, wofür der Vorstand einen Fördermittelantrag beim Land eingereicht hat. „Mit der erhofften Zuwendung könnte die Finanzierung sichergestellt werden, nachdem sich ein Offenbacher Wassersportzentrum zerschlagen hat“, ist Reissmann zuversichtlich.

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