Wie sich helfen anfühlt

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Nicht nur in der Schule kann man fürs Leben lernen: Schülerinnen der Schillerschule massieren Bewohnerinnen des Elisabeth-Maas-Hauses die Füße. Die Aktion ist Teil des Schulprogramms und soll unter anderem soziale Kompetenz vermitteln.

Offenbach ‐ In der hintersten Ecke der Katakomben des Elisabeth-Maas-Hauses öffnet sich eine Welt, die man in einem Altersheim nicht vermutet. An der Tür neben der Wäscherei hängt ein Schild. Von Katharina Skalli

„Ruhezone – Bitte nicht stören“. Dahinter verbirgt sich die Wellness-Oase der Einrichtung. Ein kleiner Raum mit Infrarotkabine und gedämpftem Licht.

Sechs Bewohnerinnen werden hier gerade verwöhnt. In plüschigen Bademänteln sitzen sie auf Holzstühlen und genießen die wohlige Wärme und die Massage, die ihnen die drei Sechstklässlerinnen Josefine, Susi und Sonja verpassen. Die 12-Jährigen sind heute zum ersten Mal da, fühlen sich aber schon pudelwohl. Für sie ist das Projekt „Werteerziehung“, das ihre Schule frisch ins Leben gerufen hat, eine willkommene Abwechslung.

Seit diesem Schuljahr soll die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Respekt und soziale Verantwortung einen noch größeren Platz im Stundenplan einnehmen, als es an der Schillerschule ohnehin schon der Fall ist.

„Kinder sollen Werte lernen, indem sie handeln“

Religionsunterricht gibt es an der Integrierten Gesamtschule nicht mehr. Dafür wird jede Klasse in Ethik unterrichtet. Auch in diesem Fach geht es um Werte und wie wichtig es ist, sich in die Gesellschaft einzubringen. Auch die sogenannten Schülerfirmen, die AG „Schulsanitäter“ und das Buddy-Projekt, ein Patenprogramm für Fünftklässler, ist Teil des Konzepts.

Schulleiter Thomas Findeisen und Ethiklehrerin Diane Fehrensen war das jedoch zu viel Theorie. Sie wollten, dass ihre Schüler auch in der Praxis außerhalb der Schulgemeinde mit hilfebedürftigen Menschen in Kontakt kommen. „Wichtig ist, dass die Kinder Werte lernen, indem sie handeln“, sagt Findeisen. Mit dem Elisabeth-Maas-Haus in der Andréstraße haben sie einen altbekannten Partner gefunden. Für die Kooperation konnten sie außerdem noch das Anni-Emmerling-Haus, vier integrative Kindertagesstätten, die Teestube für Obdachlose sowie das Behindertenwohnheim in Offenbach gewinnen.

Alle Sechstklässler, insgesamt 152 Schüler, sollen die Einrichtungen in Kleingruppen besuchen und sich aktiv einbringen. Manche basteln, malen oder töpfern mit den Hilfebedürftigen. Andere lesen ihnen vor oder spielen Spiele.

Um das Projekt umsetzen zu können, hat die Schule in dem Unternehmen Balfour Beatty einen finanzkräftigen Unterstützer gefunden. Mit 10 000 Euro unterstützt die GmbH die Idee. Davon werden die Fahrtkosten gedeckt, studentische Betreuungskräfte bezahlt, Kameras für die Dokumentation finanziert und Unterrichtsmaterial angeschafft. In England gehöre Charity zum Berufsleben dazu, erklärt Firmensprecherin Beate Mohr. Auch in Deutschland will das Unternehmen sich nun dafür stark machen und ist froh, in der Schillerschule einen Partner gefunden zu haben.

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