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Preiswürdig: Siegfried Koch mit seinem Rodeo-Diorama.

Offenbach - Es hat für Außenstehende eine verwunderliche Komponente, wenn sich große Männer bisweilen für kleine, putzige Dinge begeistern. Siegfried Koch gehört zu dieser Spezies. Er bemalt mit Leidenschaft Zinnfiguren. Von Claus Wolfschlag

Einmal im Jahr verwandelt sich die Stadthalle zu jenem ungewöhnlichen Treff erwachsener Männer, die sich die Liebe für Modellsätze und Spielfiguren bewahrt haben.

Hunderte begeisterte Modellbauer durchqueren als interessierte Besucher den Saal oder präsentieren ihre Arbeiten an den Tischen der verschiedenen Vereine. Frauen und Kinder sind in der Unterzahl. Entsprechend der Ausrichtung der einzelnen Künstler finden sich martialisch oder erotisch gestaltete Fantasy-Figuren, klassische Zinnsoldaten, Modelle von Kriegsflugzeugen und Panzern, Wikingerschiffe, Dinosaurier oder kleine Ortsbilder.

Mittendrin wuselt Siegfried Koch, Mitglied im 1. Modellbauclub Mainz, einer der wenigen Offenbacher, dessen Atelier sich fußläufig zur Halle befindet. „Ein Heimspiel“, schmunzelt er. Koch ist eine bekannte Größe der Modellbauer. So gewann er im Wettbewerb der letztjährigen  „Modellmania“ mit einer kleinteiligen Pinocchio-Vignette die Goldmedaille in der Kategorie „Figuren-Dioramen“.

Koch, Jahrgang 1951, entdeckte schon im Alter von sechs Jahren das Basteln als Leidenschaft, baute dann Architekturmodelle. Seit einigen Jahren ist er nun als freier Künstler anerkannt. Neben seiner Tätigkeit als Organist in drei katholischen Gemeinden der Stadt - Hl. Dreifaltigkeit, St. Pankratius und Stadtkrankenhaus - bestreitet Koch mittlerweile von der Malerei seinen Lebensunterhalt. „Fassmalerei“ nennt man exakt dieses Gestalten und Bemalen der kleinen Kunststoff- und Zinnfiguren, so wie bei Möbelstücken oder den großen Heiligenbildnissen in Kirchen. Zumeist sind es Museumsarbeiten, historische Stadtmodelle und Nachbildungen von Musikinstrumenten, für die Koch herangezogen wird. So war er unter anderem schon fürs Stadtmuseum Offenbach und das römisch-germanische Nationalmuseum in Nürnberg tätig.

Auch wenn Spanien und England Hochburgen der europäischen Modellbauer sind, brauchen sich die Deutschen nicht verstecken. In Kulmbach findet alljährlich die, nach Kochs Auskunft, größte Zinnfigurenmesse der Welt statt. Den wichtigsten nationalen Szene-Treff stellen die „German Model Masters“ in Nürnberg dar, bei denen Koch bereits eine Bronzemedaille gewinnen konnte.

Den Überblick erhalten - eine Faszination

Comic-Figuren, etwa Asterix und Obelix, aber auch historische Szenen und Gebäude gehören zu den Spezialitäten aus Kochs Werkstatt. Eines seiner Großprojekte war eine Nachbildung der Stadt Kahl am Main des Jahres 1860 im Maßstab 1:150. Ebenso versteht er sich meisterhaft darauf, „Guckkästen“ für Dioramen zu errichten. Seine künstlerischen Objekte sind dreidimensional in Kästen eingebaut, bei denen der Betrachter mittels Änderung des Blickwinkels durch den unterschiedlichen Fall von Licht und Schatten viele verschiedene Eindrücke gewinnen kann. „Dabei gehört es zu meinen Besonderheiten, dass ich nur mit klassischer Ölfarbe arbeite“, erklärt er.

Auf die Frage, worin für einen erwachsenen Mann die Freude an kleinen Figurenobjekten liegt, antwortet Koch lächelnd: „Es ist wohl die Faszination, durchs Modell über eine eigentlich große Sache Überblick zu erhalten.“

Dann wird sein Name aufgerufen, Koch eilt zur Preisverleihung des Wettbewerbs auf die Bühne der Stadthalle. In zwei Kategorien räumt er wieder ab, so erreicht er einen ersten Platz für sein Rodeo-Diorama „Die Wette“ und einen dritten Platz für die Einzelfigur „Der ruhende Ritter“. Dann verkündet der Messe-Moderator noch ein Besucher-Plus. Ein erfolgreiches Wochenende also, nicht nur für den Offenbacher unter den Modellbauern.

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