Naturschutzbund kürt Nordring 62 mit Plakette zum „Schwalbenfreundlichen Haus“

Sichere Nester mit Blick auf Offenbacher Hafen

Plakette NABU Wohnhaus
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Freuen sich über gefiederte Gäste: Sonja Däumer mit Töchterchen Clara, Miteigentümerin Heide Hampe und Gerd Dettweiler vom NABU (von links).

16 Wohneinheiten mit imposanter Aussicht über den Hafen: Diesen Luxus gönnt sich seit Jahren eine Familie von Mehlschwalben, die sich in etwa 17 Metern Höhe unter dem Giebel des Wohnhauses am Nordring 62 ihre Lehmnester gebaut haben. Die menschlichen Bewohner haben gegen die gefiederten Untermieter nichts einzuwenden - im Gegenteil: Nachdem sich Sonja Däumer mit dem Hinweis auf die Schwalbennester an den Naturschutzbund gewendet hat, ziert das Wohnhaus eine Plakette: „Schwalbenfreundliches Haus“.

Offenbach - Über die Aktion hat Däumer in der Presse gelesen. Sie lebt im Hinterhaus des Mehrfamilienhauses, von dem ihre Schwiegermutter Heide Hampe Miteigentümerin ist. Natürlich waren die Nester längst ins Auge gefallen, sodass Däumer sich im Zuge der Informationen, die sie aufgeschnappt hatte, beim Naturschutzbund um den Titel für ihr Wohnhaus bewarb. Kurze Zeit später meldete sich Gerd Dettweiler, Medienbeauftragter des NABU-Kreisverbandes Offenbach - und konnte ihr die erfreuliche Nachricht überbringen.

„Wir sind sehr froh, dass es ein schwalbenfreundliches Haus in Offenbach gibt“, stellt Dettweiler bei der Übergabe der Plakette fest, „Schwalben haben es immer schwerer.“ Die Aktion hat der NABU ins Leben gerufen, weil sie mittlerweile in Hessen die Rote Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten anführen. Daher ist es den Naturschützern ein Anliegen, zumindest die vorhandenen Bestände durch solche Maßnahmen zu erhalten und die Bevölkerung zu sensibilisieren: „Wir wollen darauf hinweisen, dass es wichtig ist, Nester nicht abzumachen.“

Schwalben finden kaum noch Material für Nester

Schwalben seien ortstreu, berichten Gerd Dettweiler und Waltraud Huni, NABU Mühlheim-Offenbach: Nach dem Überwintern im Süden würden die Schwalben in ihr altes Nest zurückkehren, das sie vorher in mühevoller Arbeit aus Lehm und Speichel gebaut haben. Und diese Arbeit wird den Schwalben erschwert: Sie finden kaum Baumaterial.

Auch die Nahrungssuche ist kein einfaches Unterfangen mehr, Stechmücken etwa, eine Delikatesse für die Schwalben, gebe es immer weniger, so Dettweiler. Schuld daran sei der massive Pestizideinsatz. Dass sich die Schwalben im Nordring wohlfühlen, darüber zeigten sich Huni und Dettweiler nicht verwundert: Die Hafennähe erleichtert den Vögeln das Sammeln von Baumaterial, außerdem sorge das Wasser dafür, dass das Nahrungsangebot größer sei.

Natürlich könnten Schwalbennester am Haus für Probleme sorgen - etwa durch Kot, der nicht nur die Fassade beschädigt, sondern auch Fensterbretter verschmutzt. Auf ewig müssen die Bewohner des Hauses am Nordring diesbezüglich aber nicht geduldig sein: Für die Nummer 62 steht ein Fassadenanstrich an, sobald die Bauarbeiten auf der Straße vor dem Haus abgeschlossen sind.

Spezielle Aluschiene soll Kot auffangen

In diesem Zuge soll unterhalb der Schwalbennester eine Aluschiene angebracht werden, die den Vogelkot auffangen kann - der übrigens einen fabelhaften Pflanzendünger abgibt. Bei der Übergabe der Plakette an Sonja Däumer und ihre Schwiegermutter Heide Hampe brachte der schwalbenkundige NABU-Kollege Heinz Kapp aus Neu-Isenburg Ideen und einen gezeichneten Plan mit, wie diese Schiene konkret aussehen könnte.

Die Schwalben können sich freuen, wenn sie im Frühjahr nach Offenbach zurückkehren: Denn hier bei Sonja Däumer, ihrer Schwiegermutter sowie Töchterchen Clara, die die Plakette und die dazugehörige Urkunde entgegennahmen - und auch bei den anderen Hausbewohnern - sind sie im „schwalbenfreundlichen Haus“ mit dem schönen Hafenblick aufs Herzlichste willkommen.

Von Jan Schuba

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