Interview mit dem Experten Heiko Sattler

Sicherheit der Batterien steht im Vordergrund

Offenbach - Mit dem neuen Testzentrum für Batterien kann der Elektronikverband VDE einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der E-Autos in Deutschland leisten. Von Marc Kuhn

„Sollte sich herausstellen, dass der Betrieb eines Elektrofahrzeuges für den Fahrer und die Umwelt gefährlich ist, so wird sich die Elektromobilität nicht durchsetzen können“ sagte Heiko Sattler, Leiter vom VDE-Kompetenzzentrum Batterien und Brennstoffzellen, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Der VDE eröffnet in Offenbach eines der modernsten Testzentren für Autobatterien weltweit. Was wird dort genau gemacht?

In dem VDE Testlab Batterien und Umwelt werden Batterien und Energiespeicher, wie es eigentlich sinnvoller heißen sollte, für elektrisch betriebene Automobile geprüft.

Warum sind die Tests der Batterien so wichtig?

Die langfristige Akzeptanz elektrisch angetriebener Fahrzeuge hängt neben den klassischen Diskussionspunkten der Reichweite und des Preises hauptsächlich von der Sicherheit des Energiespeichers ab. Sollte sich herausstellen, dass der Betrieb eines Elektrofahrzeuges für den Fahrer und die Umwelt gefährlich ist, so wird sich die Elektromobilität nicht durchsetzen können.

Welche Aufgaben übernimmt VDE noch im Rahmen der Elektromobilität?

Neben der Prüfung des Energiespeichers und natürlich auch von Brennstoffzellen werden nahezu alle für den Automobilbau wichtigen Prüfungen an Komponenten und auch ganzen Fahrzeugen durchgeführt. Das reicht von Umweltsimulationsprüfungen bei arktischen Temperaturen bis zu tropischen Klimabedingungen auf der einen Seite und der Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit des gesamten Fahrzeuges mit seinen verbauten hunderten von elektrischen und elektronischen Komponenten auf der anderen Seite. Alles, damit das Fahrzeug später nicht am Straßenrand liegen bleibt.

Welche Technologie ist in dem Bereich führend?

Im Bereich der Elektrofahrzeuge sind die Lithium-Ionen-Energiespeicher führend. Die lange Lebensdauer solcher Energiespeicher begünstigt die positive Bilanz und macht sie bei den heute verfügbaren Speichertechnologien zur ersten Wahl.

Vor welchen Problemen stehen die Entwickler von Elektroautos bei den Batterien?

Neben den hohen Spannungen von bis zu 600 Volt Gleichspannung bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, ist natürlich auch die mechanische Stabilität entscheidend für die Gesamtsicherheit des Energiespeichers. Bei einem Unfall darf der Energiespeicher nicht so beschädigt werden, dass eine Gefahr für den Fahrer beziehungsweise das Rettungspersonal hervorgerufen wird. Eine Schädigung der Umwelt ist natürlich ebenfalls zu verhindern.

Japanische und chinesische Firmen sind bei der Batterie-Technologie stark engagiert. Haben die deutschen Unternehmen den Trend verschlafen?

Das sehen wir etwas differenzierter. Zwar haben die japanischen und chinesischen Unternehmen einen großen Vorsprung bei den schon seit Jahren weit verbreiteten kleinen Zellen und Energiespeichern für die IT- beziehungsweise die Unterhaltungselektronik. Die technologischen Anforderungen an die Produktion von großen Zellen und Energiespeichern lassen sich aber nicht einfach skalieren. Man steht vor neuen Herausforderungen bei der Fertigungstechnologie. Hier kann und muss die Deutsche Industrie wieder Anschluss finden.

Die Bundesregierung hat ehrgeizige Ziele für Deutschland gesetzt. Nach dem kürzlich vorgestellten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität werden nur 600.000 statt eine Million E-Fahrzeuge 2020 auf den Straßen rollen. Gibt es nach Ihrer Einschätzung noch Chancen, die Ziele dennoch zu erreichen?

Das ist eine schwierige Frage, welche wir aus unserer Sicht nur bedingt beantworten können. Nach den Plänen der Bundesregierung beginnt die Hochlaufphase erst. Das bedeutet, dass in den unterschiedlichen Prognosen immer noch keine wirkliche Stabilität drin ist. Allerdings darf man auch nicht verkennen, dass noch viel zu tun ist.

Elektroautos fehlt bisher die Akzeptanz. Sie sind noch zu teuer. Soll eine staatliche Förderung sie für Käufer attraktiver machen?

Auch dies muss man sehr differenziert betrachten. Was man mit Subventionen erreicht, oder auch nicht, hat man an einigen drastische Beispielen wie der Abfrackprämie und letztlich auch der Förderung der Photovoltaik gesehen. Auf der anderen Seite wird es sicherlich nicht ohne Anschub funktionieren, da die Finanzierungsmodelle, die eine Akzeptanz bei dem Käufer finden, offensichtlich noch nicht gefunden sind.

Wann und wie kann das Problem der mangelnden Reichweite von Elektroautos gelöst werden?

Kurzfristig wird es dazu wohl keine umweltneutrale Lösung geben. Zurzeit werden nur Elektrofahrzeuge mit sogenannten Reichweitenverlängerern produziert, welche mit herkömmlichen, wenn auch stark optimierten Verbrennungsmotoren arbeiten. Mittel- und Längerfristig werden die wohl durch Brennstoffzellen in Verbindung mit den Energiespeichern ersetzt werden, um auf vergleichbare Reichweiten zu kommen.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare