„Sie rennen uns die Tür ein“

Offenbach - Zu wenig Lehrer, zu wenig Räume: Mit solchen Problemen haben fast alle Schulen zu kämpfen. Doch an der beruflichen Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) auf dem Buchhügel kommt es jetzt sogar dazu, dass viele Schüler abgelehnt werden müssen. Für das kommende Schuljahr wurden der Einrichtung 1786 Lehrerstunden zugewiesen. Von Simone Weil

Das sind mindestens fünf Planstellen zu wenig“, sagt Schulleiter Gerd Müller. Seine Einrichtung zieht immer mehr Schüler aus Stadt und Kreis an, die sich wegen der schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter qualifizieren möchten. Wie aber Joachim Ott vom Elternbeirat weiß, basiert die Lehrerzuweisung des Kultusministeriums fürs kommende Schuljahr auf den aktuellen Schülerzahlen. Doch statt der angenommen 1290 Schüler werde die Zahl bei etwa 1420 liegen.

Noch ist Schulleiter Müller zuversichtlich, dass er bis zum neuen Schuljahr doch noch mit einem oder zwei Pädagogen mehr rechnen kann: „Beim Staatlichen Schulamt bemüht man sich sehr, uns mit BAT-Verträgen auf dem kurzem Dienstweg entgegenzukommen, aber auch dort sind den Mitarbeitern die Hände gebunden.“ Denn für die zentrale Lehrerzuweisung ist das Kultusministerium verantwortlich.

Unterstützung bekommt Müller vom Elternbeirat, der das Problem in aller Deutlichkeit im Ministerium auf den Tisch bringen will: Ein ausführliches Schreiben soll in der kommenden Woche vorbereitet und auf den Weg gebracht werden.

Uns rennen Schüler, die einen mittleren Abschluss machen wollen, die Türen ein“, sagt Müller. 250 Anmeldungen liegen für die zweijährige Berufsfachschule vor, auf der Warteliste stehen aber noch einmal 40 Namen.

Die Berufsfachschule für Sozialassistenz musste über 150 Bewerber ablehnen, weil Lehrer und Räume fehlen. Zwei Dutzend angehende Erzieherinnen bekamen von der Fachschule für Sozialpädagogik einen Korb, obwohl bereits wegen des großen Bedarfs mit Sondergenehmigung des Kultusministeriums eine zusätzliche Klasse aufgemacht wurde.

Allein in Stadt und Kreis Offenbach werden in den nächsten Jahren 600 bis 800 Erzieher gesucht", schätzt der Schulleiter. Für die zusätzliche Klasse wäre ihm mit einer weiteren Planstelle gedient. Angeboten wurden ihm zwei Referendariatsstellen, die zusätzliche Planstelle sei immerhin in Aussicht gestellt worden.

Besonders groß ist die Nachfrage an der Fachoberschule für Sozialwesen, die im vergangenen Jahr startete. Dort können Schüler die allgemeine Fachhochschulreife erwerben. Etwa 50 Zusagen wurden für das kommende Schuljahr bereits verschickt, 70 bis 80 Namen stehen noch auf der Warteliste.

Weitere Beispiele für den Personalbedarf: Bei der Ausbildung zum Maßschneider werden für jede der sechs Klassen lediglich 38 Wochenstunden veranschlagt, nötig wären aber mindestens 48 Stunden - das sind 2,5 Planstellen. Im Fachpraxisunterricht müssen die etwa 28 Schüler zählenden Gruppen geteilt werden. Aber selbst dann wird in einem eher großzügigen Raum sehr beengt gelernt: Denn dort werden außer 14 Nähmaschinen noch ein großer Zuschneide- und ein Bügeltisch benötigt.

Darüber hinaus wurden der Einrichtung etwa 20 bis 25 zusätzliche praktisch bildbare Schüler angekündigt: „Da fehlen uns 40 Stunden oder 1,6 Stellen“, sagt Müller.

Hinzu kommen Anfragen von der Hartz-IV-GmbH Mainarbeit, Umschüler aufzunehmen und zu Erziehern auszubilden. Erst seit den Osterferien hat die KKS die entsprechende Zertifizierung für diese Aufgabe.

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