Preis für Soziale Plastik

Verein wird für Kulturleistungen geehrt

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Über den städtischen Kulturpreis und die damit verbundenen 2500 Euro freut sich das Team des Waggons am Kulturgleis (von links): Sara Gojkovic, Markus Seumel, Georg Klein, Agnes Christ und Torsten Kauke vom Verein Soziale Plastik.

Offenbach - Alles war anders und doch wie immer: Erstmals stieg der Kulturempfang der Stadt in der Alten Schlosserei der Energieversorgung statt im Büsingpalais. Mit dem Verein Soziale Plastik gab es einen außergewöhnlichen Träger des Kulturpreises. Von Markus Terharn 

Ansonsten kamen die 250 üblichen Verdächtigen. „Alles bleibt, wie es nie war“ – unter dieses Motto stellte Oberbürgermeister Horst Schneider seine Rede. „Der Wandel hat sich 2015 im Kulturleben der Stadt Offenbach deutlich bemerkbar gemacht“, befand der Rathauschef. Und er sparte nicht mit Beispielen, festgemacht an Personen. Wäre der in den Ruhestand gegangene Mister Kulturamt, Ludo Kaiser, dagewesen, er hätte sich über ein Riesenlob freuen können. „Er konnte nicht nur mit vollen, sondern auch mit leeren Geldtöpfen zaubern“, hob Schneider eine typische Offenbacher Tugend hervor. Namentlich nannte er die von Kaiser begründete „Theateressenz“ im Capitol, ehe er den Abwesenden direkt ansprach: „Du hast die Kultur auf den verschiedensten Ebenen bereichert, als Motivator und Moderator, Veranstalter und Unterstützer, Rezitator und Autor.“

Den pensionierten langjährigen Presseamtsleiter Matthias Müller rühmte Schneider als „Erfinder zweier großartiger Kulturfeste, des Mainuferfestes und des Lichterfestes“. Peter Josef Kunz-von Gymnich („Klaviertitan“) und Jürgen Blume („Multitalent“), zwei von einst acht Pianisten und Kulturpreisträger 2014, hören beim Neujahrskonzert auf, bleiben aber aktiv. Anders Eberhard Mittwich: Das Vorstandsmitglied der Gesellschaft Europäische Mozartwege kandidiert nicht wieder. Wenn Offenbach Teil dieser „Major Cultural Route“ des Europarats ist, weil der Nachlass des Komponisten im heute noch existierenden Musikhaus André gedruckt wurde, ist das nur Mittwichs Verdienst. Für sein „außerordentliches ehrenamtliches Engagement“ erhielt der 83-jährige die Bürgermedaille in Silber, höchste Auszeichnung der Stadt. Auf Mozarts Pfaden folgt ihm Musikwissenschaftlerin Birgit Grün, beschäftigt bei der Volkshochschule. Ebenfalls vom Dienstherrn gelobt: Anna-Fee Neugebauer, „perfekte Besetzung“ für die Position von Günter Doll in der Kulturverwaltung, zudem mit den Kunstansichten betraut; und Britt Baumann, die viele Aufgaben von Kaiser übernommen und ein „tolles Händchen“ bewiesen habe. So bei der Organisation des Empfangs in der Alten EVO-Schlosserei, die als Ort für Stummfilm mit Musik, „Kino kulinarisch“ oder Multiphonics-Festival etabliert sei. Dort hat 2016 auch die Tanzplattform Deutschland erstmals einen Spielort, kündigte Schneider an. Das Capitol, ehemals Synagoge, feiert 100. Geburtstag. Und das dortige Konzert der britischen Weltstars von Coldplay im vergangenen Jahr hallte nicht nur bei Schneider nach.

Ausblick auf 2016

Im Team willkommen hieß der Verwaltungschef Lesehund Bonny. Die freiwillig ausgeschiedene Bibliotheksleiterin Sylvia Beiser wird vorerst von Stellvertreterin Nicole Köster ersetzt. Zum 30. Jahrestag des „Schriftstellers im Bücherturm“ sollen frühere Preisträger wie Elke Heidenreich im November an alter Wirkungsstätte lesen. Einen neuen Stipendiaten verkündete Schneider nicht. Die Museumslandschaft bereichern: die neue Kuratorin im von Jürgen Eichenauer geführten Haus der Stadtgeschichte, Katja M. Schneider, mit Rebekka Kremershof, Nils Ahlgrimm und Funda Karaca; die neue Herrin im Ledermuseum, Inez Florschütz, mit ihrer Premierenproduktion („Titel wird noch nicht verraten“); und der bewährte Stefan Soltek mit Buch- und Schriftkunst im Klingspor.

Im Ausblick auf 2016 verhieß Schneider das Amarena-Festival, vom Theaterclub Elmar an den Main geholt, und das dritte Main-Weltmusik-Festival des Vereins SuArts im Büsinghof. Er dankte Institutionen, Vereinen, Ehren- und Hauptamtlichen: „Sie sind die Offenbacher Kultur!“

Teil derselben ist der Verein Soziale Plastik, der den Waggon am Kulturgleis mit Musik aller Art bespielt – an 150 Terminen im Jahr. Hervorgegangen aus dem Umfeld der Hochschule für Gestaltung, benannt nach dem erweiterten Kunstbegriff eines Joseph Beuys, erhielt diese rührige Gruppierung den Kulturpreis der Stadt für 2015.

Aus dem Bauch heraus fand der Laudator Daniel Brettschneider dafür spontan ein Wort: „Verdient!“ Aus dem Bauch heraus suchte der OB die kalligrafisch gestaltete Urkunde zu verlesen, was gar nicht so einfach war. Und aus dem Bauch heraus dankte das Vorstandsmitglied Agnes Christ für die Ehre sowie für die damit verbundenen 2500 Euro, die ins weitere eintrittsfreie Programm fließen.

Wie aus dem Bauch heraus wirkte auch die Klangwelt, mit der einige der im Waggon auftretenden Musiker Dank sagten: der Japaner Morihide Sawada mit einem Trommelsolo und frei improvisierend mit den Offenbachern Oli Kaib, Maxim Engl und Tobias Schmitt. Die Ambient-artigen Töne waren nicht repräsentativ fürs breite Spektrum des Vereins, jedoch bezeichnend für das, was auf dem Kulturgleis am Mainufer in Höhe Isenburger Schloss passiert: Einheimische musizieren mit Gästen. Nach der Winterpause wieder regelmäßig.

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