Sieben Bewerber um die Oberbürgermeister-Kette

Wichtige Eindrücke beim Podiumsgespräch gewonnen

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Die IHK befragte die Kandidaten für den 10. September: (von rechts nach links) Muhsin Senol, Peter Schneider, Peter Freier, Moderator Markus Weinbrenner, Felix Schwenke, Elke Kreiss, Helge Herget, Christin Thüne.

Offenbach - Die Industrie- und Handelskammer wollte den sieben Oberbürgermeisterkandidaten auf den wirtschaftlichen Zahn fühlen. An der Frankfurter Straße sollten sich Offenbacher Unternehmer am Montagabend ein Bild machen können, wie die Bewerber den Standort weiterentwickeln möchten und wo sie ihre Prioritäten setzen. Von Thomas Kirstein 

Eine entspannte Atmosphäre kennzeichnet das Treffen im Großen Saal der Kammer. Als Moderator entlockt IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner dem Septett Standpunkte und Befindlichkeiten. Sie antworten artig: Bürgermeister Peter Schneider (Grüne), Stadtkämmerer Peter Freier (CDU), sein Vorgänger und jetziger Kultur-, Sport- und Feuerwehrdezernent Felix Schwenke (SPD), Elke Kreiss (Linke), Christin Thüne (AfD), Helge Herget (Piraten) und Muhsin Senol (Forum Neues Offenbach, FNO). Nach zwei Stunden haben die Gäste im Großen Saal der Kammer wichtige Eindrücke gewinnen können: Wo die Kandidaten über Kompetenz verfügen, wo sie inhaltlich überfordert sind, wo Sachkunde vorliegt und wo eher marginale Kenntnisse die Basis für kommunalpolitische Ideen bilden. Dass die drei Profis mit Dezernenten-Erfahrung dabei vorne liegen, überrascht nicht; erstaunlicher ist die partielle Ahnungslosigkeit der beiden im Parlament aktiven AfD- und FNO-Leute.

Markus Weinbrenner befragt zu Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Bildung und Mobilität. Die einzelnen Kandidaten spricht er dabei meist gezielt auf unterschiedliche Aspekte an. Das vermeidet zwar Wiederholungen, verhindert aber die in der Einladung versprochene Diskussion. Auf etliche der klugen Fragen hätten Zuhörer gern mehr als nur eine Antwort gehört. Widerstreitende Auffassungen sind kaum zu identifizieren, es fehlt die Möglichkeit, dass aufeinander reagiert wird.

So bleibt der Vorschlag von AfD-Frau Thüne, doch einfach mal die Gewerbesteuer zu senken, weitgehend unwidersprochen; so greift niemand die Idee von Pirat Herget auf, die Sparkasse bei Gründerkrediten stärker in die Pflicht zu nehmen.

Das Dezernenten-Trio, zwei Tansania-Koalitionäre und ein SPD-Oppositioneller, haben, was ihre mögliche künftige Amtsführung angeht, neben dem Bekenntnis zum Masterplan ein gemeinsames Stichwort: Sie geloben Verlässlichkeit – gegenüber Unternehmen, Ansiedlungswilligen, Verwaltungsmitarbeitern. Dabei würzt von christdemokratischer wie grüner Seite ein wenig Schärfe das Gespräch, weil sie diese Tugend dem sozialdemokratischen Amtsinhaber absprechen. Freier vermisst gar eine Führungskultur im Rathaus.

Entbürokratisieren wollen sie alle, natürlich entsprechend ihren jeweiligen politischen Gewichtungen für eine wirtschaftsfreundliche Kommunalverwaltung sorgen. Da dürfe man ja einiges erwarten, wenn einer der sieben auf dem Podium Oberbürgermeister werde, scherzt Moderator Weinbrenner. Überwiegend Einigkeit herrscht beim Thema Bildung. Die hohe Zahl der Offenbacher ohne Schulabschluss müsse deutlich sinken. Bei der Mobilität gehen die Kandidaten darin konform, dass der Zustand der Straßen zu verbessern sei. Autos komplett aus Offenbach verbannen will keiner der Kandidaten. Der Grüne Schneider beruhigt anwesende Handwerker, indem er davon ausgeht, dass es im Falle einer Umweltzone eine Übergangslösung für ältere Fahrzeuge geben werde.

Zu Weinbrenners Anliegen, wie die Innenstadt Offenbachs zum Besseren entwickelt werden solle, bringt Christdemokrat Peter Freier seine Forderung nach einem Konzept, einem „Masterplan City“, vor. FNO-Mann Muhsin Senol will – wie auch bei der Lösung weiterer Probleme – die Vereine einbeziehen, um die Innenstadt zu beleben.

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Der SPD-Bewerber Felix Schwenke hält es für eine zentrale Aufgabe, Erreichbarkeit und Angebot des Einzelhandels zu stärken; konkret schlägt er einen gedruckten und online verfügbaren Innenstadtplan sowie ein neues Festekonzept vor. Der Grüne Peter Schneider setzt sich zum Ziel, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen, indem sogenannte Angsträume und Schmuddelecken vermieden werden.

Die Beiträge zur für sie besonders wichtigen Wirtschaftsförderung fasst die IHK im Nachgang der Veranstaltung als Eingang vieler Impulse zusammen. Schwenke befürwortet mehr Personal und Online-Bauanträge; Freier lehnt kleinliche Streitigkeiten um Genehmigungen ab; Thüne passt die Beschränkung aufs Kreative nicht; Kreiss findet die Hinterhof-Kunst als Werbung für Offenbach wichtig; Schneider setzt aufs Netzwerk der Stadt und mehr Mitarbeiter; Herget hat seine Sparkassen-Idee, und Senol möchte mit Gesprächen Firmenwegzüge verhindern. Am Ende kommt das Publikum insofern zu Wort, als es Fragen aufschreiben konnte, die an die sieben Kandidaten exemplarisch weitergeleitet wurden.

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