25-Jähriger verurteilt wegen Mordversuch

Sieben Jahre Haft für sieben Stiche

Offenbach - Sieben Jahre Gefängnis – das ist das Ergebnis eines Dramas, das sich am 10. März dieses Jahres vor dem Lokal „No Name“ auf dem Platz der Deutschen Einheit abspielte. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Nach nur zwei Prozesstagen sieht es die Schwurgericht skammer in Darmstadt gestern als erwiesen an, dass Dimo D. an diesem Tag seine 17-jährige Lebensgefährtin A. mit einem Brotmesser schwer attackiert und lebensgefährlich verletzt hat. Der nicht vorbestrafte 25-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten und eine Haftstrafe antreten.

Eifersucht, Selbstsucht, krankhaftes Besitzdenken – die Tatmotive sind klassisch, es sind die oft zitierten niedrigen Beweggründe, die als Ursache im Raum stehen. Ungünstig sind außerdem die Lebensumstände von Täter und Opfer.

Ohrfeigen nicht ungewöhnlich

Als Dimo mit A. eine Beziehung eingeht, ist sie gerade 14 Jahre alt. Er zieht zu ihr und den Schwiegereltern. Ein beziehungsweise zwei Jahre später kommen die beiden Kinder zur Welt. Fortan leben sechs Personen in der Zweizimmerwohnung an der Bismarckstraße. Im bulgarisch-türkischen Kulturkreis ist das alles nicht außergewöhnlich, auch nicht die Ohrfeigen, die das Mädchen von ihrem nach Roma-Sitte angetrautem Ehemann erhält.

Anders sieht es allerdings mit Dimos Rolle als Versorger aus: Statt mit geregelter Arbeit Frau und Kinder zu ernähren, hält er sich aufgrund fehlender Ausbildung und Sprachkenntnissen mit Gelegenheitsjobs und Alkohol über Wasser. A.s Mutter zieht die Konsequenzen und schmeißt den Schwiegersohn Ende 2011 aus der Wohnung. D. zieht zurück zu seinen Eltern, hat seine Frau nicht mehr unter Kontrolle.

Als er davon hört, das ein Bekannter sie geküsst haben soll und sie sich erdreiste, allein in eine Bar zu gehen, schwört er Rache: „Wenn du rausgehst, bringe ich dich um!“ Kurz vor der Tat untermauert er seine Ernsthaftigkeit nochmal mit einem Anruf im „No Name“: „Dein Leben wird durch meine Hände gehen!“

Das Messer blieb im Rücken stecken

Dimos Verteidigerin, die für eine Haftstrafe unter vier Jahren plädiert: „In diesem hoch emotionalen Kulturkreis ist nicht alles so gemeint, wie es gesagt wird.“

In diesem Fall eine fatale Fehleinschätzung. A. verlässt aufgrund der Anrufe die Kneipe. Ohne Vorwarnung wankt der betrunkene Dimo auf sie zu und zieht das Messer aus dem Ärmel. Mit voller Wucht sticht der schmächtige 52-Kilo-Mann seiner Frau mehrmals in den Bauch und in die Seite. Im Rücken bleibt das Messer stecken. A. fällt in ein Fenster, die Klinge bricht ab. Dimo schlägt und tritt weiter. Erst das Einschreiten von Zeuge L. M. beendet den Gewaltausbruch.

In einer Notoperation wird die Messerklinge aus einem elf Zentimeter langen Stichkanal in Höhe eines Brustwirbels entfernt, Leber, Niere und Zwerchfell müssen geflickt werden. A. hat seitdem eine große Narbe quer über dem Bauch und chronische Rückenschmerzen. Trotz aller seelischer und körperlicher Verwundungen beteuert sie unter Tränen: „Ich will nicht, dass er bestraft wird. Ich möchte ihn zurück.“ Dimo selbst sagt kurz vor Prozess-Ende, dass es ihm leid tue.

Rubriklistenbild: © BirgitH/pixelio

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