Urteil im Prozess um tödliche Messerstiche

Für sieben Jahre hinter Gitter

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5. April 2014: Ermittler und Sanitäter schauen sich den abgedeckten Tatort am Aufgang zur zweiten Ebene in der Offenbacher Innenstadt an.

Offenbach - 18 Verhandlungstage, vier Dutzend Zeugen, Vernehmungen in Schweden, diverse Gutachten, unzählige Videosichtungen: Man kann der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt wahrlich keine Versäumnisse in punkto aufwändiger Wahrheitsfindung vorwerfen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Gestern fiel endlich nach mehr als sechs Monaten Prozessdauer das Urteil für den 40-jährigen Pajazit H., der seit Mitte Mai in Untersuchungshaft sitzt. Richter Volker Wagner verurteilte den Offenbacher albanischer Herkunft mit serbischem Pass zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis wegen Totschlags, der Haftbefehl bleibt aufrecht erhalten. Damit folgte der Vorsitzende weitgehend dem Plädoyer von Staatsanwalt Daniel Faß, der acht Jahre und zehn Monate gefordert hatte.

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H. soll in den frühen Morgenstunden des 5. April 2014 einen Serben mit bosnischen Wurzeln, den 38-jährigen Nevzad G., mit sechs Messerstechen getötet haben. Die Tat ereignete sich auf der Treppe des Gebäudekomplexes Schlossstraße 20-22 und sorgte seinerzeit für großes Aufsehen – nur selten sind mindestens 15 Personen Zeugen eines Tötungsdelikts. Der am selben Tag zur Fahndung ausgeschriebene, Xiti genannte Angeklagte war auch Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Sämtliche Zeugenvernehmungen ließen eigentlich nur ihn als Täter in Frage kommen.

Eigentlich. Denn die Zeugen waren die Krux des Verfahrens. Einige sagten wenig, andere hätten etwas sagen können, erschienen aber aus Angst vor Vergeltung gar nicht erst oder schwiegen einfach. So kam es auf die Hauptbelastungszeugin Jasmina an, deren stundenlange Antworten trotz Widersprüchlichkeiten zwischen der polizeilichen Vernehmung und der Aussage vor Gericht vom Richter als glaubwürdig eingestuft wurden. Für Verteidiger Manfred Hans waren die Aussagen dagegen fragwürdig. Er hielt – aus Mangel an Beweisen – maximal eine Verurteilung wegen Körperverletzung für angemessen. Hans war nach Urteilsverkündung zu keiner Stellungnahme bezüglich einer Anfechtung bereit.

Toter Mann in Innenstadt gefunden

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Der nicht vorbestrafte Xiti, schwieg 18 Verhandlungstage lang, erklärte lediglich, er habe in der Nacht im Club S – bekannt als Treffpunkt von Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien – erhebliche Mengen Alkohol getrunken. Auslöser der Tat soll ein heruntergefallenes Glas gewesen sein, dass einen Streit zwischen vier Albanern, denen Xiti angehörte, und der Gruppe um das Opfer zur Folge hatte. Man verließ den Club, um die Sache vor der Tür zu klären. Eineinhalb Minuten später lag Nevzad G. bereits mit durchtrennter Lungenschlagader auf dem Treppenpodest. Der Bruder des Opfers trat im Prozess als Nebenkläger auf. Sein Vertreter, Rechtsanwalt Ulrich Endres, forderte eine lebenslange Haftstrafe für einen Mord aus niederen Beweggründen.

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