Siegel gegen Schadstoffe in Schuhen

Offenbach - In Deutschland besitzen Frauen im Durchschnitt mehr als 13 Paare Schuhe, Männer mindestens acht. Doch Schuhe können Schadstoffe enthalten. Verbraucher davor besser zu schützen, ist das Ziel einer Expertengruppe in der Lederstadt Offenbach. Von Sonja Achenbach 

Die Organisation CADS („Cooperation for avoiding dangerous substances in shoes“) ist eine Vereinigung von mittlerweile 60 Unternehmen aus aller Welt. Darunter sind unter anderem Branchenriesen wie Deichmann und Gabor zu finden. Die Organisation ist unter dem Dach des Deutschen Schuhinstituts in Offenbach beheimatet und beschäftigt sich mit der Vermeidung von Schadstoffen in Schuhen. Dazu haben sie sich Grenzwerte gesetzt, die unter den gesetzlich vorgeschriebenen liegen. In den Reihen der CADS sind alle vertreten, die an der Schuhproduktion beteiligt sind - von Herstellern der Materialien bis hin zu den Verkäufern. „Nur so können wir von Anfang an ein Auge darauf haben, dass bedenkliche Stoffe vermieden werden“, ist sich der CADS-Vorsitzende Michael Tackenberg im Gespräch mit unserer Zeitung sicher.

Bis Ende dieses Jahres haben die Unternehmen noch Zeit, ihre Produktionsmethoden zu optimieren. Ab Anfang 2015 plant CADS, regelmäßig Institute mit der Prüfung der Einhaltung eben dieser Grenzwerte zu beauftragen. „Wenn Auffälligkeiten vorkommen, kann es eine zweite Chance geben, aber dann ist auch gut. Die Quantität zählt bei uns nicht so sehr wie die Qualität“, erklärt Tackenberg. Diese Kontrollen sollen unangekündigt stattfinden. Die Unternehmen sollen die Umstellung jedoch nicht allein bewerkstelligen. Daher beschäftigen sich derzeit Arbeitsgruppen mit den optimalen Herstellungsformen. Durch Lehrgänge für Textilhersteller und Schuhfabrikanten sollen die Ergebnisse dann an die Experten vor Ort weitergegeben werden.

Zwei Stoffe hat die CADS besonders im Blick: „Die bekannteste Chemikalie, um den es sich bei uns dreht, ist Chrom 6“, sagt Tackenberg. Die Substanz kann Allergien auslösen und entsteht beim Gerben von Leder. Hier sind die Anforderungswerte von CADS identisch mit den gesetzlichen und liegen bei drei Milligramm pro Kilogramm. Bei Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sind die gesetzlichen Grenzwerte bei 1,0 mg pro Kilogramm, CADS will sie auf 0,2 mg pro Kilogramm drücken. PAK entfetten die Haut, führen zu Hautentzündungen, können Hornhautschädigungen hervorrufen, Atemwege, Augen und Verdauungstrakt reizen. Einige sind sogar eindeutig krebserregend. Zudem besteht die Möglichkeit der Fruchtschädigung oder Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit.

CADS setzt darauf, dass die Menschen sich der Gefährdung durch solche Stoffe bewusst sind. „Unser großes Ziel ist es, ein Siegel zu etablieren, dass den Verbrauchern vermittelt: Bei diesem Unternehmen brauche ich mir keine Gedanken um bedenkliche Stoffe in den Schuhen zu machen“, blickt Michael Tackenberg in die Zukunft. Bis dahin setzen er und die anderen Mitglieder des CADS-Vorstands auf die Kommunikation mit Verbrauchern und Unternehmern.

Rubriklistenbild: © dpa

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