Unternehmen befürchten Fachkräftemangel

IHK sieht Flüchtlinge als Chance

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Offenbach - Die Stimmung bei den Firmen in Stadt und Kreis Offenbach hellt sich weiter auf. Viele fürchten aber einen Fachkräftemangel. Deshalb will die IHK Offenbach mit der Integration von Flüchtlingen gegensteuern. Von Marc Kuhn

Angesichts des drohenden Fachkräftemangels setzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach auch auf Flüchtlinge. 73 Prozent der Betriebe sehen sich von der demographischen Entwicklung betroffen, teilte die Kammer gestern mit Blick auf eine Konjunkturumfrage bei Unternehmen aus Stadt und Kreis mit. Mehr als die Hälfte würden einen Mangel an Fachkräften befürchten. 28 Prozent sähen die Gefahr, keine Auszubildenden mehr zu finden. „Die Aufnahme der Flüchtlinge und deren Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt sind Megaaufgaben“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner. „Aber angesichts des großen Fachkräftebedarfs und der robusten Verfassung des Arbeitsmarktes bieten sich gute Rahmenbedingungen, diese Aufgabe anzugehen. Denn wenn die Integration gelingt, kann aus der Krise eine Chance für Deutschlands Wirtschaft werden.“

Nach Ansicht der Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud, werden die steigenden Flüchtlingszahlen in Hessen aber 2016 trotz zusätzlicher Jobs zu steigenden Arbeitslosenzahlen führen. Im Jahresdurchschnitt sei mit einer Quote in Höhe von 5,6 Prozent nach voraussichtlich 5,3 Prozent 2015 zu rechnen, hieß es in Medienberichten. Für dieses Jahr und für 2016 erwartet die Helaba demnach ein Wachstum in der hessischen Wirtschaft von 1,8 Prozent.

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Unterdessen erreicht der Konjunkturklimaindex der IHK für die Region Offenbach mit 127,6 Punkten den höchsten Wert der vergangenen vier Jahre. Er bewegt sich in einer Spanne von 100 bis 200 Punkten. „Sowohl die aktuelle als auch die zukünftige Geschäftslage werden besser beurteilt“, so Weinbrenner. „Die gute Einschätzung bestätigt, dass die insgesamt erfreuliche Stimmung weiter anhält und die regionale Wirtschaft an den im Jahresverlauf eingeschlagenen Wachstumspfad anknüpft.“ Schon seit Beginn des Jahres helle sich die Stimmung immer weiter auf. „Die positive Entwicklung wird weitestgehend vom Dienstleistungssektor getragen“, erläuterte Weinbrenner. „Dahingegen stellen sich die zuletzt äußerst optimistischen Erwartungen an das Exportgeschäft als überbewertet heraus. Die Einschätzung wird deutlich nach unten korrigiert.“ Die günstigen Einflussfaktoren wie der niedrige Ölpreis, der schwache Eurokurs sowie die starke US-Konjunktur würden von negativen Faktoren überschattet: Die Konjunktur in China, einem der wichtigsten Absatzmärkte deutscher Produkte, stocke. Daneben wirkten sich viele Konflikte in Nahost sowie die Sanktionen im Handel mit Russland dämpfend auf die Exportabsichten aus. Nicht zuletzt könne der Abgas-Skandal um VW einen Imageschaden für Waren „Made in Germany“ bedeuten.

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Derweil erweise sich der Arbeitsmarkt nach wie vor in Topform. „Der Mitarbeiterbedarf ist weiterhin hoch“, sagte Weinbrenner. „Für die kommenden Monate wollen 23 Prozent der Betriebe mehr Personal einstellen, zwölf Prozent planen mit weniger Mitarbeitern. Damit sollten im Laufe des nächsten Jahres die Beschäftigungszahlen weiter steigen. Vor allem die unternehmensbezogenen Dienstleister zeigen sich einstellungsfreudig. Die Industrieunternehmen werden voraussichtlich weniger Arbeitnehmer beschäftigen.“ Allerdings stünden tiefgreifende Veränderungen des Arbeitsmarktes bevor, hieß es weiter. Vier von fünf Befragten seien sich sicher, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt Auswirkung auf das eigene Unternehmen habe. Rund 58 Prozent sähen vor allem steigende Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter, 33 Prozent einen wachsenden Koordinierungsaufwand im Vordergrund.

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