1100 Stellen sollen in Energiesparte wegfallen

Siemens zückt Rotstift am Standort Offenbach

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Erlangen/Offenbach - Kurz vor Weihnachten kommen Zahlen von Siemens ans Licht, wie der bereits seit einiger Zeit angekündigte Stellenabbau genauer aussieht. Von Achim Lederle

Wie ein Sprecher von Siemens unserer Zeitung sagte, sollen in der Energiesparte insgesamt 1 100 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden. Betroffen seien vor allem die Divisionen Fossil Power Generation (Bau von fossilen Kraftwerken) und Oil & Gas mit den Standorten Offenbach, Erlangen, Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Berlin. Der Sprecher wollte sich auf Nachfrage zuerst nicht genau festlegen, wie viele Jobs an den einzelnen Standorten in Gefahr sind. Für Offenbach, wo insgesamt 1 300 Menschen arbeiten, nannte er schließlich doch die Zahl von höchstens 200 Stellen, die betroffen sein könnten. „Wir wollen den Abbau möglichst ohne Kündigungen schaffen. Für Offenbach werden die Konsequenzen sehr überschaubar sein. Die Maßnahmen dienen der langfristigen Sicherung und Stärkung der Standorte“, hieß es. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern dauerten an. Der Stellenabbau soll bis Oktober 2013 abgeschlossen sein.

Der Sprecher nannte vor allem zwei Gründe für den geplanten Jobabbau. Zum einen sei der Markt für Gas- und Turbinenkraftwerke eingebrochen. Wegen der Energiewende gebe es viel Unsicherheit auf dem Kraftwerks-Markt. „Investitionen lohnen sich häufig nicht, da die Kraftwerke viel zu kurz am Netz sind“, so der Sprecher. Zum anderen sorge die Euro-Krise für Einbrüche im Kraftwerksgeschäft.

Siemens-Chef Peter Löscher hatte bereits angekündigt, dass der Konzern in den nächsten zwei Jahren sechs Milliarden Euro einsparen wolle, um das Unternehmen wieder profitabel zu machen. Die Energiesparte solle dazu gut die Hälfte beitragen. Neben den Schwierigkeiten im Geschäft mit fossilen Kraftwerken und im Öl- und Gasgeschäft ist bei Siemens auch der Handel mit Atomkraftwerks-Technik rückläufig. Insgesamt will Siemens nach Berechnungen der Gewerkschaft IG Metall in Deutschland den nächsten zwei Jahren rund 5 100 Arbeitsplätze streichen. Außerdem sei geplant, weitere 1 400 Jobs auszulagern oder an andere Firmen zu übertragen. Im Kerngeschäft hatte die Siemens AG ihre Mitarbeiterzahl in Deutschland im vergangenen Jahr um 3 000 auf 119.000 erhöht.

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