Sigrid Isser aus Offenbach

Die Frau mit den vielen Ämtern

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Sigrid Isser im Büro ihres Offenbacher Wohnhauses: Ihre zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten erfordern ein Zeitmanagement, wie es nicht einmal jeder Berufstätige hat. Obwohl Isser inzwischen alle Termine per Smartphone organisiert und verwaltet, schwört sie nach wie vor auf die gute alte Hängeregistratur.

Offenbach - Mit welcher Sigrid Isser spreche ich gerade: Mit der Chefin der Frauen-Union oder der Vorsitzenden der Seniorenhilfe? Mit dem Mitglied des Landesfrauenrats oder des ARD-Programmbeirats? An der vielseitig engagierten Frau führt in Offenbach kein Weg vorbei. Von Markus Terharn 

Versuch eines Überblicks. Wie dies angefangen hat? „Wie sich das für eine Mutter gehört“, sagt Sigrid Isser und lacht. Mit dem Einsatz für ihre Söhne also: Als der Ältere in den Kindergarten St. Josef kam, wurde sie vom Verwaltungsrat angefragt. Daraus ergab sich eine Tätigkeit im Kirchenvermögensverwaltungsrat. Und daraus wiederum der Sitz im Diözesansteuerrat des Bistums Mainz, der drei Sitzungen im Jahr nebst Aktenstudium erfordert. Wie wichtig diese Aufgabe ist, zeigt für Isser der Finanzskandal im Bistum Limburg. „Das wäre uns nicht passiert“, ist sie überzeugt. So sei dem Gremium aufgefallen, dass Bischof Karl Lehmann nach seiner Ernennung zum Kardinal plötzlich Geld für einen Sportplatz nahe Rom gegeben habe. „Das hatte seine Richtigkeit: Ihm wurde dort eine Gemeinde zugeteilt.“ Seit 2006 führt Isser den Vorsitz im Dekanatsrat, der Laienvertretung der katholischen Kirche. Das bedeutet drei, vier Sitzungen im Jahr plus Neujahrsempfang, der schon mal im Rathaus oder im Boxclub sein kann; nächstes Jahr ist die Hochschule für Gestaltung dran.

Obwohl die Söhne längst erwachsen sind, ist die Mutter noch im Kindergarten aktiv. Neben den Finanzen beschäftigt sie die Umstellung der Ernährung auf moderne Erkenntnisse: „Wir sind eine der letzten Kindertagesstätten, die selbst kochen!“ Als Motivation nennt Isser Neugier. Und: „Ich will hinter den Kulissen mitgestalten.“ Mit den Kindern wuchsen die Aufgaben: Vorsitz im Klassen- und Schulelternbeirat erst der Beethoven-, danach der Leibnizschule sowie im Stadtelternbeirat, Mitglied im Landeselternbeirat. Dann sei sie „ausgealtert“, zitiert Isser ein Wort, das ihr gut gefällt. Am Beispiel Isser lässt sich studieren, wie ein Amt das andere gibt. Etwa auf dem Gebiet der Politik: Seit 1997 sitzt Isser für die CDU im Stadtparlament, seit 1995 ist sie Vorsitzende der örtlichen Frauen-Union. Daraus resultiert die Mitgliedschaft im Landes-, seit 2003 auch im Bundesvorstand. Ebenso aber die Berufung in den Landesfrauenrat, den überparteilichen Dachverband, in dem Isser mit SPD-Frau Ulla Peppler im Vorstand zusammenarbeitet. „Wir sind Sprachrohr zur Landeregierung, werden gehört, wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Gleichstellung der Geschlechter geht“, schildert sie die „spannende Aufgabe“.

Dadurch gelangte Isser in den Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, dadurch wiederum in den ARD-Programmbeirat. Das konnte sie indes erst leisten, nachdem 2014 ihr Mann Alois starb. Beinhaltet es doch nicht nur die Sichtung zahlreicher TV-Sendungen, sondern Tagungen in allen Städten mit Sitz einer ARD-Anstalt, samt Bahnfahrt und Übernachtungen. Geboren 1955 in Offenbach, arbeitete Isser bis 1990 als Arzthelferin. Seit 1996 widmet sich das Gründungsmitglied ganz besonders der Seniorenhilfe, inzwischen als Vorsitzende, gestaltet da ein buntes Programm: Feste, Ausflüge, Radeln, Orient-Tanz. Als Lohn für unermüdlichen Einsatz im Umfang eines Vollzeitjobs erhielt Sigrid Isser 2008 das Bundesverdienstkreuz. Und die Bereitschaft, sich für andere einzubringen, ist offenbar erblich: Beide Söhne zählen zu den Stützen des Theaterclubs Elmar und des Offenbacher Karneval-Vereins, dem sie als Prinzen dienten. Simon war Aktivposten im Kinder- und Jugendparlament, ist Stadtverordneter der CDU und auf der Kinder- und Jugendfarm im Einsatz. Thomas hat vom Vater mit dem Geschäft, der Malerfirma Kohler, einige Ehrenämter in der Handwerks-Innung übernommen.

Was haben wir vergessen? „Sprecherin im Fahrgastbeirat von Nahverkehr in Offenbach. Und Klimapatin“, fällt Isser ein. Nur ein Amt will sie nie übernehmen – das des Oberbürgermeisters. „Dafür müsste ich zu viel aufgeben.“ Hat sie denn Freizeit? „O ja!“ Mit Hündin Lady wird das Wochenendhaus im Odenwald genutzt. Und im Urlaub geht’s nach Sydney, Dubai, Djerba oder Kreta. Moment, eben klingelt das Handy...

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