Silvester in der Stadt: Laut, und dennoch ruhig

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Unser Fotograf Bernd Georg richtete um Mitternacht vom Citytower aus sein Objektiv auf Wilhelmsplatz und Waldstraße.

Offenbach - Wie, ruhige Silvesternacht? Der subjektive Eindruck ist ein ganz anderer. Um Mitternacht beginnt das Spektakel rund um den Bürgeler Reichstag mit ungeahnter Intensität; da gibt es nicht nur etwas für Augen und Ohren, sondern sogar für den Bauch. Von Martin Kuhn

„Bammmm!“ Das ist kein Knall mehr. Die Detonation ist selbst jenseits des Maindamms deutlich zu spüren. Absoluter Wahnsinn!

Wer früher mit einer solchen Wirkung Nachbarn und Kumpels beeindrucken wollte, musste Schwarzpulver in der heimischen Werkstatt illegal in teils gewagte Konstruktionen füllen. Heute ist das nicht mehr notwendig. Vor gut zwei Jahren wurde das deutsche Sprengstoffgesetz gelockert und an internationale Standards angepasst, wie es so schön heißt. Statt zuvor 200 Gramm „Netto-Explosiv-Stoffmasse“ können die Hersteller bis zu 500 Gramm in eine Feuerwerksbatterie stecken – oder in ein einzelnes pyrotechnisches Geschoss, wie die nächtlichen Explosionen am Main befürchten lassen.

Monster-Böller mit dem nötigen Respekt handhaben

Immerhin scheinen die meist jungen und durchweg männlichen Sprengmeister die Monster-Böller mit dem nötigen Respekt zu handhaben. „Aufgrund von unsachgemäßer oder fahrlässiger Handhabung von Feuerwerkskörpern mussten keine Notfalleinsätze gefahren werden“, vermeldet Dr. Michael Eiblmaier. stellvertretender Leiter der Offenbacher Berufsfeuerwehr, am Neujahrmorgen um 2.12 Uhr.

Kein Wunder, dass er von einer „sehr ruhigen Silvesternacht“ für die Floriansjünger berichtet. 69 Offenbacher Feuerwehrfrauen und -männer standen für alle Notfälle und Katastrophen in der Silvesternacht bereit. Die Zahl der Brände beschränkte sich auf drei Müllbehälter in Flammen, zudem galt es zwei Personen aus einem stehengebliebenen Aufzug im Citytower zu befreien.

Bei allen Feuerwehreinsätzen keine Verletzten

Eiblmaier bilanziert erleichtert: „Bei allen Feuerwehreinsätzen waren keine Verletzten zu beklagen.“ Die Rettungsdienste rückten zu 20 nicht näher definierten „Notfalleinsätzen“ aus. In ihrem täglichen Pressebericht verzeichnet die Polizei hingegen keinerlei Aktivitäten.

Völlig geräuschlos ist’s in der Silvesternacht wohl nicht zugegangen. Am Neujahrsmorgen ist ein Serviceteam der Energieversorgung mit einer Hubarbeitsbühne an die Brandsbornstraße gefahren. Mehrere zerstörte Pilzleuchten zeugen von einer erheblichen sinnfreien Energie. Fast alle Lampenschirme sind zerschlagen, einzelne Fassungen sind verbogen, eine Leuchte in ist gewaltiger Schieflage – ein fragwürdiges Silvesterritual, das eine Anzeige zunächst gegen Unbekannt nach sich ziehen dürfte.

Ebenso blödsinnig die Aktion einiger „Künstler“, die mit grüner und roter Farbe ein paar Straßen weiter ihre Spuren hinterlassen haben. Die Nachbarin versucht mit Seifenlauge und Putzschwamm, wenigstens die Klingelanlage zu säubern. Ihr „Ein gutes neues Jahr“ an den Chronisten umschließt – darauf legt sie Wert – nicht die Schmierer; denen wünscht sie verständlicherweise etwas ganz anderes...

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