Hebt die Stimmung und ist sehr gesund

Sing dich mal fit!

+
Der Musiker Finn Martin macht es vor: Singen macht Spaß. Forscher bestätigen zudem, dass es auch die Stimmung hebt, die Gesundheit fördert.

Offenbach - Glücklich und vital: Unsere Zeitungsgruppe beteiligt sich als Partner an der Aktion „Gesund durch Singen“ vom Sängerkreis Offenbach Stadt/Land. Studien an Laienchören zeigen, was das hohe C wert ist.

Aber warum ist regelmäßiges Singen so hilfreich? Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Privatdozent Dr. Stephan Sahm nach; er ist Chefarzt am Offenbacher Ketteler Krankenhaus:.

Sie sind ja vom gesundheitlichen Nutzen von Singen überzeugt ...

Auf jeden Fall! Ob die Jecken im Karneval, Christen beim Kirchentag, die Fans auf der Stehtribüne oder Manager beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Gemeinsames Singen hebt die Stimmung und fördert die Gesundheit. Längst haben es Forscher bewiesen, Singen stärkt das Immunsystem und sorgt für gute Laune.

Was sagt die Forschung?

Selbst singen ist besser als anderen beim Musikmachen zuzuhören. Forscher vom Institut für Musikpädagogik in Frankfurt haben dies in einer sorgfältigen Untersuchung belegt. Nach einer Chorprobe steigt die Konzentration des so wichtigen Immunglobulin A auf der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes. Das Stresshormon fällt ab, gute Laune-Stoffe und Synapsen im Gehirn verändern sich - die Stimmung steigt.

Zum Beispiel?

Chefarzt Dr. Stephan Sahm

Wer einen Rhythmus gemeinsam empfindet, kooperiert besser. Bei ihren Untersuchungen an Studenten in Amerika haben Forscher eine überraschende Entdeckung gemacht. Nach gemeinsamem Musikhören und Bewegungen im Rhythmus waren Gruppen leistungsfähiger und arbeiteten effektiver zusammen im Vergleich zu denen, die nicht vorher gemeinsam gesungen haben. Dies ist wohl der Grund, dass - wie schon erwähnt - beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos auch Dirigenten Kurse geben. Wer einen Chor leiten kann, kann auch ein Wirtschaftsunternehmen führen. Gemeinsames Singen und die Bewegung im Rhythmus sind beste Voraussetzungen, ein erfolgreiches Team zu bilden.

Oft wird ja auch behauptet, dass Musizieren und Singen die Intelligenz fördert ...

Vieles spricht dafür, dass sich im Gefolge Synapsen im Gehirn bilden. Musik hält nicht nur gesund, sie macht auch klug. Schulkinder, die regelmäßig musizieren, haben bessere Noten. Ein Psychologe hat herausgefunden, dass sechs Wochen, nach dem Eltern ihren Kindern eine Play-Station schenkten, die Leistungen in der Schule messbar schlechter wurden. Mit einem Musikinstrument verhält es sich anders - sie werden besser. Und das ureigenste Instrument ist die eigene Stimme. Aber die will ein wenig trainiert werden.

Mediziner machten ja noch weitere Beobachtungen ...

Ja! Singen hat positiven Einfluss auf die Atmung. Sie wird besser kontrolliert, Singen ist Atemtraining. Singen verändert die Persönlichkeit nachhaltig. Man kann all die günstigen Beobachtungen zusammenfassen: Singen hält fit, fördert die Intelligenz und macht glücklich. Daher kann es nicht überraschen, dass in Deutschland annähernd vier Millionen Menschen in Chören singen. Wenn auch mancher Traditionschor im Geiste des 19. Jahrhunderts wegen des fortschreitenden Alters seiner Mitglieder auszuzehren scheint, so werden allerorten Ensembles junger Chöre, die sich der Popmusik, dem Jazz, nicht weniger aber auch alten Madrigalen und mittelalterlicher Musik verschrieben haben, gegründet. Chorsingen erfreut sich weithin großer Beliebtheit.

Dennoch stimmen andere Entwicklungen bedenklich ...

Weil annähernd 60 Prozent der Menschen glauben, sie könnten nicht singen. Dabei belegen die Untersuchungen von Musikpsychologen das Gegenteil. Nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung ist den sogenannten Brummern zuzurechnen, die keine Melodie nachvollziehen können. Die große Mehrheit der Menschen verfügt über eine musikalische Intuition, die gerade im Singen zum Ausdruck kommt. Und dies ist der entscheidende Punkt: Beim Singen geht es nicht nur um die Gesundheit, es geht um die Persönlichkeit, um das Ganze, um den Menschen. Daher lohnt es sich, für das Singen Reklame und auf die positiven Auswirkungen aufmerksam zu machen. Singen berührt den Menschen in seinem Inneren, es zählt zur Grundausstattung des Menschseins. Musik hören kann es nicht ersetzen. Daher ist die Förderung des gemeinsamen Singens eine vordringliche Aufgabe im Bereich der Schulen, aber auch im Hinblick auf jedes Gemeinwesen. Friedrich Nietzsche sagte einmal, „Ein Leben ohne Musik ist ein Irrtum.“ Ich sage: Das Leben eines Gemeinwesens ohne Musik ist ein großer Irrtum. Und ohne Gesang ist es nicht wert, als Gemeinwesen bezeichnet zu werden. Dann erübrigt es sich anzumerken, dass Musik auch das tägliche Zusammenleben fördert. Denn wer gemeinsam singt, geht sich nicht an die Gurgel.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare