Andreas Maier liest aus seinem Roman „Die Universität“

Sinnsuche mit dem Meta-Ebenen-Kuckuck

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Kam extra aus Hamburg, um in seiner hessischen Heimat aus seinem Buch „Die Universität“ zu lesen: Andreas Maier.

Offenbach - Er sitzt im Seminar des Philosophen Karl-Otto Apel und beäugt die Kommilitonen, bis er merkt, dass er selbst beim Beobachten und Mustern beobachtet und gemustert wird. Von Jan Schuba

In seinen ersten Semesterferien endet der Entschluss zur Reise nach Italien mit einem Trip nach Butzbach. Das tägliche Mittagessen in der Mensa führt zu Nesselsucht und Magenkrämpfen –- nicht etwa, weil das Mensamenü nichts taugt, sondern weil es die bisherigen Essgewohnheiten, die ohne warmes Mittagessen ausgekommen sind, sprengt. Über all dem schwebt die innere Stimme des Protagonisten, der „Meta-Ebenen-Kuckuck“.  Andreas Maier verarbeitet in seinem Roman „Die Universität“ Eindrücke aus dem Studentenleben im Frankfurt der 80er Jahre. In der Marienschule präsentiert er Auszüge aus seinem aktuellen Buch, das den sechsten Band seines Romanprojekts „Ortsumgehung“ darstellt. Rund 40 Besucher fanden den Weg zu der Lesung.

Rupert Kopp, Fachbereichsleiter für den sprachlich-literarisch-künstlerischen Bereich begrüßte den Autor, der als gebürtiger Wetterauer aus seiner Wahlheimat Hamburg extra in die heimischen hessischen Gefilde angereist war. Andreas Maier hat zu der katholischen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe einen ganz besonderen Bezug: Seine Frau besuchte selbst die Mädchenschule. „Wenn sie sich mit anderen Marienschülerinnen traf, sprach sie immer eine Terz höher.“

Maier studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt und veröffentlichte seinen viel beachteten Debütroman „Wäldchestag“ im Jahr 2000. Für seine Autorentätigkeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und dem Stipendium der Villa Massimo in Rom. 2010 erschien sein Roman „Das Zimmer“, der den Auftakt zu seiner Reihe „Ortsumgehung“ bildete. Die Romane sind in der Heimat Maiers angesiedelt. „Mir ist es wichtig, dass alles, was ich mache, an dem Ort meiner Herkunft und Lebenskreises spielen kann.“ Auf Rupert Kopps Frage, inwiefern seine Bücher autobiografisch seien, erklärte Maier: „Ich nutze real erlebtes Material, aber es bildet mein Leben nicht ab.“

„Die Universität“ zeigt den Protagonisten der „Ortsumgehung“ in seinem neuen Lebensabschnitt, dem Studium der Philosophie, der Musikwissenschaft und „einem bisschen Germanistik“ an der Frankfurter Universität im Jahre 1988: ein junger Mann Anfang 20, der sich von seiner Zeit als Schüler noch nicht gelöst hat und seinen Platz in der neuen Erfahrungswelt erst noch finden muss. Die drei Anfangskapitel, die Andreas Maier den Zuhörern vorstellt, hängen inhaltlich nicht zusammen, sondern zeigen einzelne Episoden aus der Sicht des Mannes mit einer skurrilen, philosophischen Weltsicht.

Die Offenbach-Post auf der Frankfurter Buchmesse: Bilder

So lässt der „Meta-Ebenen-Kuckuck“ ihn nie in Ruhe und sorgt dafür, dass die geplante Reise nach Italien nach bereits 35 Kilometern beendet ist. Stattdessen fährt er spontan nach Butzbach, in der Hoffnung, dass hier ein neues Leben beginnt. Dann schickt Maier seinen desorientierten Studenten in ein Philosophieseminar, in dem den naivsten Fragen mit den kompliziertesten Antworten begegnet wird und schließlich zu einem Internisten, der den allergischen Reaktionen auf das neue Leben im Irrgarten des Studiums nichts entgegenzusetzen hat.

Die Art, wie der Ich-Erzähler sich mit seinen Gedankenwindungen versucht, in diesem Irrgarten den richtigen Weg zu finden, ist unterhaltsam, intelligent und hinterhältig komisch. Und doch bleibt der Charakter ein bisschen schemen- und rätselhaft – aber schließlich erlebt der Zuhörer an diesem Abend auch nur drei Kapitel aus der „Ortsumgehung“.

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