Mit Skalpell nach Spanien

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Brigitte Fenn und Tochter Marion haben Hündin Leni, die in Malaga in einer Mülltonne gefunden wurde, ein neues Zuhause gegeben. Am Sonntag fliegen die beiden nach Spanien, um Tierschützern zu helfen, Hunde zu kastrieren.

Offenbach ‐ Mit großen Augen schaut Leni auf die Hände der Besucherin, die mühsam in ihrer Handtasche kramt. Doch für die Hündin fällt kein Leckerli ab und sie legt sich für ein kurzes Nickerchen unter den Schreibtisch ihres Herrchens in der Tierarztpraxis Dr. Fenn. Von Katharina Skalli

So gelassen wie heute war die Hündin nicht immer. Leni stammt aus Malaga und wurde von ihrem Besitzer, einem spanischen Hundezüchter, in eine Mülltonne gesetzt, als sie zu alt war, um als „Wurfmaschine“ missbraucht zu werden. Seit einem Jahr lebt sie bei Familie Fenn. Sie hat ihr Leben als Fundhund in Spanien zurückgelassen. Doch, so viel Glück wie sie haben nicht alle Hunde. In der Auffangstation Lola „Apariv“ in Rincón de la Victoria warten noch etwa 60 Hunde auf ein neues Zuhause. Meistens ist es das erste richtige Heim, das sie kennenlernen.

Brigitte Fenn und ihre Tochter Marion unterstützen den Tierschutzverein „Hundeherzen Apariv“ schon lange. Am Sonntag, 6. März, fliegen sie für drei Tage nach Malaga, um dort 18 Hunde zu kastrieren. Ein Beitrag, der für die Organisation sehr wichtig ist. Für die junge Tierärztin Marion und ihre Mutter, Biologin Brigitte Fenn, ist es der erste Einsatz dieser Art. Als Unterstützung und zum Übersetzen werden sie von Maribel Betrán begleitet.

Auch deutsche Organisationen brauchen Hilfe

„Es gibt viele Leute, die gegen Auslandstierschutz sind“, sagt Brigitte Fenn. Aber die zum Teil katastrophalen Zustände in den Auffang- und Tötungsstationen sind für die beiden Frauen Motiv genug, um alle Kritik über Bord zu werfen. Auch Fundtiere in Deutschland haben die Fenns bei sich zu Hause als Pflegehunde aufgenommen. „Gut geeignet sind wir dafür aber nicht“, verrät Mutter Brigitte schmunzelnd, denn die tierliebe Familie kann sich nur schwer wieder von den Gasttieren trennen.

Ihnen ist bewusst, dass auch deutsche Organisationen Hilfe brauchen, doch die Not im Ausland sei noch größer. In Spanien fehlt es den Einrichtungen oft am Nötigsten: Futter, Medizin, Platz und helfende Hände. Deutsche Helfer oder Auswanderer melden sich häufig, „doch wer erst mal den ganzen Tag Hundekot beseitigt hat, kommt meist nicht wieder“, sagt Maribel Beltrán. Mit der Kastrationsaktion soll die unkontrollierte Vermehrung der Hunde zumindest eingegrenzt werden. Nicht kastrierte Rüden brächten außerdem viel Unruhe in ein Rudel, erklären die Experten.

Medikamente aus Spenden finanziert

Brigitte und Marion Fenn sind ein eingespieltes Team. Seit Jahren hilft Brigitte in der Tierarztpraxis ihres Mannes. Seit 2006 ist dort auch Tochter Marion als Tierärztin tätig. Etwa eine knappe Stunde dauert es, einen Rüden zu kastrieren. Bei einer Hündin ist der Eingriff umfangreicher. Die Kastration sei wichtig. Auch um das Problem der unkontrollierten Vermehrung nicht von Spanien nach Deutschland zu übertragen.

Die Flüge sind bereits gebucht und die Formalien geklärt. Mal eben so reist man nicht mit Operationsbesteck, Medikamenten und jede Menge Verbandszeug per Flugzeug nach Spanien. Alle Utensilien sind angemeldet und müssen aufgegeben werden. Ins Handgepäck dürfen Skalpell und Co. nicht. Die Kosten für Flug und Unterkunft tragen die Fenns selbst. Für die Medikamente haben sie Spenden gesammelt. Noch bangen sie, ob genug Geld zusammengekommen ist.

Manche werden bei lebendigem Leibe verbrannt

Wer spenden möchte oder weitere Infos sucht, kann das auf der Hundeherzen-Internetseite tun

In der zweitgrößten Stadt Andalusiens erwarten die beiden Tierfreundinnen 60 Hunde in einer Auffangstation. Eine Frau versorgt dort mit wechselnden Helfern die Tiere, die in Mülltonnen gefunden wurden, von der Straße kommen oder über den Zaun geworfen werden. „Wenn wir dort arbeiten, kommt die Hilfe genau da an, wo sie gebraucht wird“, sagt Brigitte Fenn. „Wir bringen das ein, was wir können“, ergänzt ihre Tochter Marion. Die vielen traurigen Hundeschicksale gehen vor allem Brigitte Fenn sehr nah. In den Tötungsstationen werden alle Fundhunde nach etwa 14 Tagen eingeschläfert. Manche werden bei lebendigem Leibe verbrannt. „In Spanien haben Hunde einen sehr niedrigen Stellenwert“, erklärt Maribel Betrán. In der Station „Apariv“ in Rincón de la Victoria dürfen die Hunde so lange bleiben, bis sie vermittelt sind. Einige Tiere kommen als Welpe in das Heim und sehen nie etwas anderes.

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