Auf flottem Schuhwerk

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Ducken lernen oder Stange rammen - der Inlineparcours bot manche Herausforderung und ungleich mehr Spaß.

Offenbach ‐ Wenn sich viele Leute treffen, die Einreiher und Zweireiher tragen, handelt es sich nicht zwangsläufig um die Aktionärsversammlung eines Geldinstituts. Es kann auch, wie gestern, die „Offenbacher Skate Matinee“ sein. Von Marcus Reinsch

Die war zum einem vergnüglicher, als das eine Investorenanhäufung jemals sein könnte. Zum anderen zeigte die Sause im Kulturkarree schon zum dritten Mal in Folge, dass das Inlineskaten - neuzeitliche Variante des guten, alten Rollschuhrollerns - in der Gunst seiner Klientel zuverlässiger steigt als Aktienkurse.

Das war los bei der Skate-Matinee:

„Skate Matinee“ im Kulturkarree

Oder sich mindestens wertstabil verhält. Ein neuer Markt, das sei zugegeben, ist das Geschäft mit dem flotten Schuhwerk schon lange nicht mehr. Rund zwei Jahrzehnte als Massenbewegung hat das Inlinern auf dem Buckel. Da dürfen besagte Einreiher - mit vier Rollen in einer Reihe unter jeder Sohle anstelle der parallel montierten Räderpaare oller Rollschuhe - schon zu den etablierten Sportgeräten zählen.

Allein: Hauptsache, es geht vorwärts und möglichst nicht abwärts. Gekonntes Stürzen war auch gestern stets die erste zu lernende Disziplin. Immerhin erreichen Inliner dank der an allerlei Info- und Firmenständen zu bestaunenden Kugellager und Reifen ein Tempo, das Anfängern unheimlich und Könnern eine Sucht wird - bei null Knautschzone.

Wer immer gestern zur Skate Matinee fuhr, tat das folgerichtig mit Helm, Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschonern. Damit ließ sich angstfrei ausprobieren, was das städtische Sportbüro mit Planer Alexander Knöß an und auf Kirchgasse, Herrnstraße und Berliner Straße für Anfänger wie Fortgeschrittene organisiert hatte: Das Roll-Hockeyfeld des KJK Sandgasse zum Beispiel, den Geschicklichkeits- und Trainingsparcours samt Sprungschanze und, für die weiche Landung, die Skater-Hüpfburg. Dazu Vorführungen von Könnern, das Spielmobil eines Sicherheitsdienstes, einige Spaßsportentwicklungen - und Gerd und Gerlinde Nathan.

Zum Sitzkissen umfunktionierter Einkaufsbeutel

Das Ehepaar organisiert die Offenbacher Verkehrswacht, hatte den erhobenen Zeigefinger zuhause gelassen und stattdessen modisch fragwürdige, aber in Sachen Sichtbarkeit unverzichtbare Accessoires an seinem Infostand ausgelegt. Den zum Sitzkissen umzufunktionierenden Einkaufsbeutel, den Hüftgürtel mit Handyfach und eine Art Leuchtleibchen, alles in reflektierendem Neongelb für die Ausfahrt in Dämmerung und Nacht. Außerdem im Kofferraum: eine Honigmelone. Die opferten die Nathans am Nachmittag der platschenden Botschaft vom Segen eines Helms: Wer beim Rollschuhlaufen keinen auf dem Kopf hat, sieht danach mit etwas Unglück wie abgestürztes Obst aus.

Bei der Matinee war also versprochenermaßen tatsächlich für jeden etwas dabei. Sogar für Unbereifte. Denen machte ein Discjockey mit seiner Musik Beine.

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