Skelett für Herzstück steht

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Das Stahl-Skelett steht, jetzt gießen die Firmen das Fundament für den Boden und ziehen die Außenwände ein. Die TSG Bürgel liegt mit ihrem Neubau-Projekt gut im Zeitplan. Die Einweihung der Drei-Felder-Halle ist für den 25. August geplant. Lediglich vor dem Start gab’s unliebsame Überraschungen. Alte Bombentrichter waren zu verfüllen und belasteter Boden fachgerecht zu entsorgen. Das führte zu „nicht unerheblichen“ Mehrkosten.

Offenbach - „Wir konnten mit dem Architekten kurzfristig reagieren“, freut sich TSG-Vorsitzender Rolf-Dieter Elsässer. Architekt ist Daniel Dillig vom gleichnamigen Büro aus Simmern. Von Martin Kuhn

Was er bislang mit seinem Team am künftigen Bürgeler Sportzentrum umgesetzt hat, lässt den Vorstand strahlen und optimistisch vorausblicken. Der Um- und Neubau, gepaart mit dem Abschied von der maroden Jahnhalle, „ist für uns überlebensnotwendig“, formuliert Elsässer. Der Verein mit seinen gut 1200 Mitgliedern bündelt sein sportliches Angebot an dem Ort, der bislang dem Tennissport vorbehalten war.

Das Projekt ist aus der Not geboren. Die städtische Jahnsporthalle, erst 1972 eingeweiht, setzte sich auf dem schlechten Baugrund, zudem häuften sich technische Mängel. Die TSG sah sich in ihrer Existenz bedroht. Das wollten auch die politisch Verantwortlichen nicht. Eine Machbarkeitsstudie rechnete Baukosten von 12,5 Millionen Eu-ro für ein komplettes Sportzentrum vor – an eine Realisierung war so nicht zu denken.

Projekt ist mit 3,7 Millionen Euro taxiert

Die Bürgeler wandten sich an den Landessportbund, Geschäftsbereich Sportinfrastruktur. Der vermittelte den Kontakt zu seinem Kooperationspartner Dillig. Bei Treffen erarbeiteten alle Beteiligten Lösungswege, die weit günstiger sind. Das Projekt ist mit 3,7 Millionen Euro taxiert: 2,5 Millionen Euro zahlt die Stadt, 1 Million Euro stammen aus dem Konjunkturförderprogramm II, 200.000 Euro schießt das Land Hessen zu. „Den Kostenrahmen halten wir ein“, sagt der 2. Vorsitzende Helmut Schmidt. Obwohl geänderte Auflagen den Bau verteuern – unter anderem Brandschutz, Schallschutz und behindertengerechte Ausgestaltung.

Bereits abgeschlossen ist der Rückbau der Tennishalle von vier auf drei Plätzen. Das schafft Raum für eine neue Kegelanlage mit neuen Bahnen und der Technik aus der Jahnstraße. Im ersten Stock liegt ein lichtdurchfluteter Mehrzweckraum, in dem Turner, Karatekämpfer, Tänzer und Gesundheitssportler aktiv sind. Allein die Stahlträger erinnern daran, dass dies ursprünglich ungenutzte Fläche unterm Tennisdach ist. Eine nahezu durchgehende Spiegelwand ist eines der Details, „die zu einer modernen Trainingsstätte gehören“, so Elsässer.

„Bauen macht Spaß. Der Rest kostet Zeit und Nerven...“

Aber auch die Tenniscracks profitieren trotz räumlicher Kappung. Ihnen steht ein neuer, gelenkschonender Belag zur Verfügung, der mittels eingestreutem Granulat ein schnelleres oder langsameres Spiel zulässt. Das ist inzwischen der Standard, der der Bürgeler TSG Einnahmen verspricht. Mit der SG Bornheim und dem FSV Frankfurt haben bereits zwei Vereine Tennisplätze angemietet. Das funktioniert auch im Kegelsport: Die Keglervereinigung Offenbach (KVO) hat sich mittlerweile gut in Bürgel eingelebt.

Jetzt folgt das Herzstück, der sogenannte Bauabschnitt II – der Bau einer 3-Feld-Sporthalle mit entsprechenden Neben-, Sozialräumen und einer Geschäftsstelle. In der Mitte geteilt bietet die Sporthalle zwei Übungsflächen à 20 mal 30 Meter, bei Punktspielen der Handballer sitzen bis zu 800 Zuschauer auf den ausfahrbaren Tribünen. Ein Detail, das selbst den letzten Winkel ausnutzt sind sogenannte Weichbodentore; ideal bei verkürztem Abstand des Spielfeldrands zur Wand.

Ein launisches Fazit zieht Vorstand Klaus Engert: „Bauen macht Spaß. Der Rest kostet Zeit und Nerven...“ Und wie lange hält die neue Halle? „Mindestens so lange wie die alte Halle. Bei entsprechender Instandhaltung und Pflege sicher länger.“ Bleibt abzuwarten, ob die TSG den nötigen (finanziellen) Atem hat, um weiter nach vorne zu blicken. Der Bebauungsplan für das Areal an der Rumpenheimer Straße 77 umfasst noch eine zweite, etwas kleinere Sporthalle.

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