Ab sofort im Alleingang

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Die Mainarbeit und ihre Ableger ziehen nach und nach ins eigens umgebaute Domizil in der Berliner Straße 190 um.

Offenbach - Um aus einem schlechten alten ein besseres neues Jahr zu machen, kann es für Langzeitarbeitslose kaum einen anderen guten Vorsatz geben, als endlich wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Von Marcus Reinsch

Was das betrifft, kommen auf hiesige Hartz-IV-Empfänger nun zwar vielleicht nicht mehr Jobs zu als bisher – die allgemeine Konjunktur schlägt bekanntlich wieder an, aber kaum nach Offenbach durch. Doch die Route zum Ziel verändert sich leicht. Die „Mainarbeit“ ist seit dem Jahreswechsel keine von Stadt und Arbeitsagentur gemeinsam getragene Arbeitsgemeinschaft mehr, sondern ein kommunales Jobcenter. Bedeutet: Das Arbeitsamt ist raus, alle Zuständigkeit liegt ab sofort ausschließlich bei der Stadt. Die gilt somit als „Optionskommune“ und stellt als Folge ihres organisatorischen Wandels „kürzere Wege und bessere Dienstleistungen aus einer Hand“ in Aussicht.

Besagte kürzere Wege bedeuten für manche der Offenbacher, die nach dem so genannten Sozialgesetzbuch II das Recht auf Unterstützung haben, und auch die Vermittler und Leistungsgewährer selbst nun erstmal andere. Einige bisher auf mehrere Immobilien verteilte Abteilungen und Ableger der Mainarbeit sind seit Mitte Dezember bereits ins neue Dienstgebäude Berliner Straße 190 umgezogen. Beispielsweise die Widerspruchsstelle (zuvor Ziegelstraße), die Schuldnerberatung, das Projekt „Integration durch Arbeit“ (zuvor Berliner Straße 175) und die Alleinerziehenden-Vermittlung (zuvor Domstraße 72), ebenso die eben noch in der Berliner Straße 220 zu findenden Teams für die Vermittlung von unter 25- und über 50-Jährigen, das Team für Leistungen und das für Maßnahmen und Controlling. Im Gegenzug logiert das Leistungs-Team für Selbstständige ab sofort im alten Domizil in der Domstraße.

Durch Vereinheitlichung kürzere Wartezeiten

„Das meiste bleibt für unsere Kunden jedoch beim Alten“, versichert die Mainarbeit. Die Leistungssachbearbeiter, persönlichen Ansprechpartner und Vermittler stünden unverändert zur Verfügung, die Zentrale Anlaufstelle (ZAS) befindet sich weiterhin in der Domstraße 72. Aufgelöst werden soll die Domstraße erst in einem Jahr, wenn im neuen Domizil tatsächlich Platz für alle Abteilungen ist.

Klingt erstmal kompliziert, wird die Versorgung der keineswegs nur auf den Bereich Hartz IV zu beschränkenden Klientel aber mutmaßlich tatsächlich etwas einfacher machen, sobald der logistische und konzeptionelle Kraftakt des Übergangs von der nach sechs Jahren aufgelösten früheren „Arge“ zum Jobcenter erstmal final gestemmt ist.

Eine Chance, die letztlich auch ein an der Wartezeit ablesbarer Komfortgewinn für die Kunden sein kann, nennt sich „Lämmkomm“. Das ist im Grunde ein Datenbanksystem, aus dem sich bald jede Abteilung genau die Informationen zu einzelnen Kunden holen kann, die sie gerade braucht. Im Doppel-Dasein mit der Arbeitsagentur war genau das nicht immer einfach gewesen, weil bei Bundesbehörde und Stadtbehörde unterschiedliche Datensysteme existierten. Der Preis für die Vereinheitlichung war in den vergangenen Monaten viel Tipperei: Datensätze, die sich ihrem automatischen Transport vom alten ins neue System verweigerten, mussten von Hand rübergeschubst werden.

Offenbach ist einzige Optionskommune in Hessen

Als echter Vorteil wird bei der Mainarbeit auch empfunden, dass es nicht mehr zwei Dienstherren mit im Zweifelsfall zwei Meinungen oder zumindest zwei verschieden langen Entscheidungswegen gibt. Bisherige Mitarbeiter der Arbeitsagentur, deren örtliche Führung oft wechselte, haben mit dem Jahr quasi auch ihren Arbeitgeber gewechselt, sind nun bei der Stadt Offenbach beschäftigt.

Zumindest kein Nachteil: Die Mainarbeit hat nun auch neue Telefonnummern und Mailadressen. Sie folgen einem Prinzip, das niemanden vor Rätsel stellen kann – nach der Grundwahl (80658) folgt die schon bisher bekannte dreistellige Durchwahl des jeweiligen Mitarbeiters. Die Sammelnummer des Jobcenters lautet  8065-8100. Die Mailadressen folgen wie bei allen städtischen Beschäftigten dem Prinzip vorname.nachname@offenbach.de. Im Internet zeigt sich die Institution auf der Seite www.mainarbeit-offenbach.de. Dort finden sich auch Details zum Umzug.

Offenbach ist die einzige hessische Stadt, die gerade Optionskommune geworden ist. Hinzu gesellen sich der Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Groß-Gerau, womit es im Land 16 Gebietskörperschaften gibt, die sich ganz alleine um Versorgung, Qualifizierung und Vermittlung von Landzeitarbeitslosen kümmert. Schon von Beginn an zu den Optionskommunen zählte der Kreis Offenbach, wo es beim Start massive Schwierigkeiten und wahre Empörungsstürme von Kunden gab. Die Zustände sind mittlerweile deutlich besser und dürften in Offenbach selbst gar nicht erst schlecht werden.

Glaubt auch Hessens Sozialminister, der Offenbacher Stefan Grüttner (CDU). Mit Verweis auf 16 der 26 hessischen Landkreise und kreisfreien Städte, die die Option gezogen haben, feierte er das Land gestern als „Optionsland Nummer eins“.

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