Energieversorgung vermindert Ausschüttung an Aktionäre

EVO-Bilanz: Solaranlage als Pachtobjekt

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Hinter ihrem Zaun hat die Energieversorgung Offenbach noch Platz für hochtechnisiertes Gewerbe. Im kommenden Jahr entsteht auf 5000 Quadratmetern ehemaligem EVO-Areal eines der modernsten Hochleistungsrechenzentren Europas.

Offenbach - Mit dem Ergebnis des jüngsten Geschäftsjahrs der Energieversorgung Offenbach (EVO) ist Vorstandschefin Heike Heim „eigentlich ziemlich zufrieden“, weil die Ziele trotz widriger Umstände erreicht wurden. Von Thomas Kirstein 

Bescheidener sein müssen die Anteilseigner: Je 6,8 Millionen Euro, 600.000 weniger als im Vorjahr gehen als Ausschüttung an die Stadt Offenbach und die Mannheimer MVV. Drei bis vier Jahre, so schätzte die EVO-Chefin bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für den Zeitraum 1. Oktober 2014 bis 30. September 2015, werden sich die Aktionäre (darunter auch die Mitarbeiter) mit weiter sinkenden Überweisungen begnügen müssen. Erst dann, so Heike Heim, wäre mit entsprechenden Maßnahmen das aktuelle Niveau wieder zu erreichen. Schon länger vorbei sind ohnehin die Zeiten, da die Stadt über Tochter mit zehn EVO-Millionen unter anderem ihr Nahverkehrsdefizit ausgleichen konnte.

Kommunale Politik trägt selbst ein wenig zu sinkenden Überschüssen bei. Dietzenbach und Offenbach haben dem Versorger das Wassergeschäft entzogen und an eigene Stadtwerke beziehungsweise dem Zweckverband Wasserversorgung Offenbach (der ZWO gehört Stadt und Kreis) übertragen. Beim Strom kann die EVO die Konzessionen in drei Kommunen verlieren; noch laufen Fristen bis zur endgültigen Entscheidung, unterdessen strebt die EVO eine Zusammenarbeit mit der Konkurrenz Maingau und den abtrünnigen Gemeinden an.

Das hat zwar für dieses Jahr Verkaufserlöse als Einmaleffekte gebracht, schmälert aber künftig den EVO-Umsatz. Ein kleiner Ausgleich ergibt sich, weil die EVO mindestens ein Jahr lang für den ZWO die technische Betriebsführung übernehmen wird. Chefin Heim schließt eine Verlängerung nicht aus. Umsatz will das Unternehmen ohnehin nicht mehr nur auf seinen klassischen Energie-Geschäftsfeldern machen. Die Erlöse aus Strom, Erdgas und Fernwärme sinken. Die „Optimierung des Bestandsgeschäft“ soll ebenso ausgleichend wirken wie Windkraft und Müllverwertung.

Mit dem Zukauf von einschlägigen Firmen, etwa dem Frankfurter MDW Muldendienst West, sei man nicht mehr nur Ver-, sondern auch Entsorger, sagte der neue Technikvorstand Günther Weiß, der den langjährigen Dr. Kurt Hunsänger ersetzte. Weiß wies auf die 25 Millionen Euro teure Modernisierung des Müllheizkraftwerks hin, das eine neue Rauchgasreinigungsanlage erhält und 90.000 statt wie bisher 40.000 Megawattstunden Strom wird erzeugen können. Engagement in der Entsorgungssparte ist notwendig, weil weniger Hausmüll zum Verbrennen anfällt. Das zentrale Thema von Vorstandssprecherin Heike Heim war die Energieeffizienz. Die dezentrale Erzeugung gewinnt für sie immer mehr an Bedeutung, und damit meint sie nicht nur die Produktion in den firmeneigenen Kraftwerken (während an der Dietzenbacher Straße Müll verbrannt wird, sind es am Nordring Kohlen).

Die EVO macht ihre Kunden künftig zu Produzenten: Zunächst Firmen können ab Anfang 2016 Solaranlagen für ihre Dachflächen gegen einen monatlichen Beitrag pachten und somit ohne eigene Investitionen ihren eigenen Ökostrom verbrauchen. Ein paar Monate später sollen auch Privatkunden in den Genuss von „EVO Solar Pro“ kommen. Zur Effizienzsteigerung gehören für Heike Heim zudem Beratung und intelligente Lösungen. Das mobile Portal „Smart Home“ etwa ist jetzt so schlau, dass es dem Mobiltelefon oder dem Tablet auch Rauch- oder Wasserschäden meldet. Ein neues „Energieeffizienz-Team“ deckt nicht bloß Kundenwünsche nach Thermografie und Energieausweis ab, sondern überprüft auch Immobilien vor deren Erwerb. Weitere Angebote zum Energiesparen sollen folgen, kündigt Heike Heim an: „Wir werden dabei eng mit dem regionalen Handwerk zusammenarbeiten und wollen dabei mit unseren Partnern die Energiewende ganz konkret beim Kunden in die Tat umsetzen.“

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Weitere Neuerungen:

  • Gekauft wurde die Firma „mobiheat“, die bei Bauvorhaben moderne mobile Heizanlagen vermietet
  • Auf 5000 Quadratmetern ehemaligem EVO-Boden errichtet die „maincubes one GmbH“ ab Anfang nächsten Jahres eines der modernsten Hochleistungsrechenzentren Europas – sicherer Strom kommt von der EVO. Den nutzt bereits seit 2010 der Rechendienstleister „Wusys“ am EVO-Hauptsitz, der einen direkten Anschluss an einen der größten europäischen Internetknoten besitzt.
  • Die EVO sucht für weitere 10.000 Quadratmeter ihres Areals Käufer.

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