Grüne Energie vom Südhang

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Auf dem Südhang des für die Öffentlichkeit gesperrten Schneckenbergs (Archivfoto) ist genug Platz für Solarmodule.

Offenbach - Es ist gar nicht leicht, einen Haufen Abfall wirklich sinnvoll zu nutzen. Diese Erfahrung hat Christian Loose im Laufe des vergangenen Jahres machen müssen. Von Matthias Dahmer

Loose ist beim Stadtdienstleister ESO Projektleiter für den Bau einer Solaranlage auf dem Schneckenberg, jener den Müllsünden vergangener Jahrzehnte geschuldeten Erhebung unweit des Leonhard-Eißnert-Parks im Osten der Stadt. Nach jeder Menge verfahrensrechtlicher Hürden, befasst sich heute der Magistrat mit dem Thema, wird vermutlich noch in diesem Monat das Stadtparlament seine Zustimmung zum Bebauungsplan für das Vorhaben geben.

Weil die ehemalige Mülldeponie Grix weder mit einem Sporthallendach noch mit einer x-beliebigen grünen Wiese vergleichbar ist, war für das Projekt eine vergleichsweise aufwändige und zum Teil noch nicht abgeschlossene Prozedur nötig: Abgesehen vom erforderlichen Bebauungsplan für das Areal musste das Regierungspräsidium mit Blick auf die im Berg schlummernden Altlasten gefragt werden, gilt es auch den Flächennutzungsplan zu ändern, wo das Gelände als „regionaler Grünzug“ geführt wird.

Den wohl bemerkenswertesten Segen durften sich die Planer von der Forstbehörde holen: Ist doch die ehemalige Mülldeponie dort als „Lichtung in einem Waldgebiet“ eingestuft. „Deshalb müssen wir auch Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle leisten“, sagt Projektleiter Christian Loose. Nun sind die meisten Genehmigungen eingeholt, ist die – eine unumgängliche verbale Verbiegung – angepeilte 30-jährige „Nutzungsunterbrechung“ der laufenden Renaturierung des Bergs in Sicht.

Jahresleistung von 1,5 Megawatt

Das ist geplant: Am potenziell sonnenverwöhnteren Südhang der mit 179 Metern höchsten Erhebung Offenbachs werden 3,5 Hektar bereitgestellt, um sie mit maximal 7000 Solarmodulen bestücken zu können. Sie würden mit einer Jahresleistung von 1,5 Megawatt mehr als 500 Haushalte versorgen. Wie viele Module am Ende tatsächlich den südlichen Müllberg zieren, ist wegen einiger Variablen noch unklar. „Das hängt davon ab, wie viel staatliche Förderung es zum Zeitpunkt der Ausschreibung gibt und was die Module dann kosten“, weist ESO-Mann Loose darauf hin, dass sich zum einen die Bezuschussung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz mit der Größe der Anlage verringert und dass zum anderen die Preise für Solarzellen voraussichtlich weiter fallen. Der Projektleiter geht davon aus, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau der Anlage begonnen werden kann. Die Bauzeit, sagt er, sei dann mit zirka zwei Monaten ein eher geringer Faktor im ganzen Verfahren.

Träger des gesamten Projekts ist die Rhein-Main-Deponienachsorge GmbH (RMN) mit Sitz in Flörsheim-Wicker, die sich schon bisher um die Sanierung des Schneckenbergs gekümmert hat. Die 2007 von Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Stadt Offenbach gegründete Gesellschaft, an der Offenbach über die Stadtwerke 33 Prozent hält, hat mit dem ESO einen Pachtvertrag für das Areal auf der ehemaligen Müllhalde abgeschlossen.

Die RMN steckt zwei Millionen Euro allein an Baukosten in das Vorhaben, das sich für sie über die Vergütung von künftig ins Netz eingespeisten Solarstrom rechnen soll. Eine Beteiligung von Privaten wie beim vor kurzem eröffneten Solarpark auf der Deponie Dreieich-Buchschlag ist nicht vorgesehen.

Stadt partizipiert über den Pachtvertrag

„Die Stadt Offenbach wird vor allem über den Pachtvertrag an der Anlage partizipieren“, sagt Christian Loose. Er geht nicht davon aus, dass die grüne Stromerzeugung den ganz großen Gewinn abwirft. „Das rechnet sich vermutlich gerade so.“

Die geplante Solaranlage am Grix ist zwar die größte in Offenbach, hessenweit rangiert sie indes nicht auf vorderen Plätzen. Zum Vergleich: Auf der Deponie in Buchschlag, der größten Anlage im Land, stehen 40.000 Module, deren 8,1 Megawatt den jährlichen Strombedarf von ungefähr 2000 Haushalten decken.

Schon beim Beschluss zu einer ersten und das Verfahren beschleunigenden Offenlegung des Bebauungsplans im Januar 2011 hatte die Politik die geplante Anlage in den höchsten Tönen gelobt: Für Edmund Flößer von den Grünen war das Vorhaben ein Projekt von überregionaler Bedeutung. Es werde ein „Ausrufezeichen für Klimaschutz und erneuerbare Energien“ sein, war er sich sicher. ESO und RMN setzen mit der Anlage ein „klares und richtiges Zeichen“, meinte SPD-Mann Peter Janat. Die Union erinnerte daran, dass sie schon 2008 den Vorstoß für ein solches Projekt gemacht habe.

Die beabsichtigte Teil-Nutzung des Schneckenbergs entspricht einer Empfehlung des Umweltbundesamts, nach der bevorzugt Freiflächen-Solaranlagen auf bereits technisch vorbelasteten Flächen wie etwa Deponien errichtet werden sollen.

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