Solidarität mit gefeuertem Chef

+
Und weg war er: Fassungslos blicken Desirée de Visser und Reiner Kellnhofer dem Oberbürgermeister hinterher, der die Unterschriften entgegennahm, sich auf keine Diskussion einließ und ging.

Offenbach - Selten war ein Auftritt des Oberbürgermeisters kürzer: „Dazu sage ich nichts. Das ist eine Personalangelegenheit, die wir nicht öffentlich erörtern“, gibt sich gestern Nachmittag Horst Schneider kurz angebunden und verschwindet zur Magistratssitzung. Von Matthias Dahmer

Zurück lässt er 35 enttäuschte Mitarbeiter der städtischen Gesellschaften EEG und GBM.

Die haben extra ihre Mittagspause verschoben, um zusammen mit dem Betriebsratsvorsitzenden Reiner Kellnhofer dem OB Solidaritätsunterschriften für ihren gefeuerten Chef Reinhard Hantl zu übergeben. Mehr als 100 Namen und damit drei Viertel der Belegschaft stehen auf der Liste.

Kellnhofer klammert sich an den Wortlaut der offiziellen SOH-Verlautbarung zu Hantls Entlassung. Darin ist von Beurlaubung die Rede. „Vielleicht ist diese Entscheidung noch zu revidieren“, meint der Betriebsratschef, der seine Hoffnung auf ein für heute geplantes Gespräch mit Peter Walther setzt, dem Geschäftsführer der Stadtwerke-Holding.

Kein Verständnis für Entlassung

Eine, die ebenso wie Kellnhofer Reinhard Hantl in den höchsten Tönen lobt, ist Desirée de Visser. Sie sei aus Loyalität zu ihrem Ex-Chef gekommen, er sei eine „exzellente Führungskraft“, und es habe bei der Belegschaft kein Zögern gegeben, sich in die Unterschriftenliste einzutragen, sagt die EEG-Projektleiterin, die für die Entlassung kein Verständnis hat.

Kellnhofer ist seit 1994 bei diversen städtischen Gesellschaften tätig und hat dabei acht Geschäftsführer erlebt. Hantl sei einer, der „eine Struktur in die EEG/GBM reingebracht hat“.

Der Unmut über die Politik ist groß. Die stehe nicht immer hinter der GBM, sagt Torsten Bracone, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Als Beispiel nennt er die Hausmeister an den Schulen, die oft zwischen zwei Stühlen säßen und mit Sonderwünschen von Schulleitungen konfrontiert seien, die eigentlich nicht zu den definierten Leistungen gehörten. So würden die GBM-Hausmeister schon mal Klassenräume streichen, obwohl das nicht vorgesehen sei.

Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs

Der Schulterschluss mit Geschäftsführer Hantl ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Mitarbeiter wegen der anstehenden Umstrukturierungen und des Abbaus von Doppelzuständigkeiten im Stadtkonzern um ihre Arbeitsplätze fürchten. Von den zirka 150 Beschäftigten von EEG/GBM seien nur etwa 40 tarifgebunden, hinzu kämen 16 Mitarbeiter der ursprünglichen alten EEG, der Rest sei tariflos, so Kellnhofer. Was ihn außerdem ärgert: „Ich habe immer das Gespräch mit der Politik gesucht. Von der Beurlaubung Hantls habe ich nur über Umwege erfahren. Andere Mitarbeiter mussten es in der Zeitung lesen.“

Kommentare