Grüne wollen Tempolimit von 130 km/h

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Offenbach (psh) - Ein Tempolimit auf Autobahnen ist ein Politikum ersten Ranges. Die Frage, ob und wie die Bürger auf Schnellstraßen ausgebremst werden sollen, spaltet die Bevölkerung.

Kein Wunder, dass Hannelore Kraft, SPD-Wahlkämpferin und Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, wenig Lust verspürt, die Autofahrer-Lobby zu verärgern. „Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen in NRW wird es mit mir nicht geben“, ließ sie gestern in aller Eile verbreiten. Zuvor hatten die Grünen in Düsseldorf für Aufregung gesorgt. Sie wollen in einem möglichen Koalitionsvertrag mit der SPD ein Tempo-Limit von 120 km/h auf den Autobahnen im Land festschreiben und später dann auch bundesweit umsetzen.

„Eine alte grüne Forderung“

Die hessische Grünen-Landtagsabgeordnete Karin Müller begrüßte das Votum der Parteifreunde. „Die Forderung ist bereits 100 Jahre alt, alle Nachbarn um uns herum haben bereits ein Tempolimit, nur in Deutschland gilt noch freie Fahrt für freie Bürger“, meinte sie - und fügte hinzu: „Ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen ist eine alte grüne Forderung, die Umsetzungschancen für 130 km/h sind aber wesentlich höher, deswegen sollten wir versuchen, dafür eine breite Mehrheit zu finden. 2007 gab es bereits eine Verständigung zwischen Abgeordneten von CDU, SPD und Grünen für ein Tempolimit von 130, das dann leider gescheitert ist.“

Mit einer entsprechenden Begrenzung könnten die CO2-Emissionen um sechs Prozent gesenkt werden, bei einem Tempolimit von 120 km/h sogar um neun Prozent. Zudem könne man bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 statt 150 km/h zwei Liter Sprit auf 100 km eingespart.

ADAC: „Ein allgemeines Tempolimit ist nicht erforderlich“

Beim ADAC Hessen-Thüringen sieht man dies ganz anders. „Ein allgemeines Tempolimit ist nicht erforderlich“, kritisierte Verbandssprecherin Maike Walkenbach die Grünen-Forderung: „Autobahnen sind bei weitem die sichersten Straßen, und ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen kann nicht hergestellt werden.“ Und zum Schutz der Umwelt gebe es sinnvollere Maßnahmen. Statt einem generellen Tempolimit fordert der Club flexible Geschwindigkeitsregelungen, die sich ans aktuelle Verkehrsaufkommen und die aktuellen Witterungsbedingungen anpassen.

Auch Cathrin von der Heide vom Automobilclub von Deutschland lehnt den Grünen-Vorstoß ab: Sie geht unter anderem davon aus, dass bei einem flächendeckenden Tempolimit die Akzeptanz fürs Verbot sinkt: „Zudem sind dann mehr Staus programmiert, weil keine Entflechtung möglich ist.“

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