Kollektives Aufrappeln

Sommerfest des OFC-Fanmuseums

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Zielen, schießen und...Volltreffer! Beim Sommerfest des Kickers-Fan-Museums auf dem Schneckenberg nutzten die Besucher die Chance, sich an der Torwand eine Dauerkarte für die nächste Saison zu sichern.

Offenbach - Beim Sommerfest des Kickers-Fan-Museums geht es stets familiär zu. Hier kennt jeder jeden und alle haben im Laufe der Jahre schon oft gemeinsam gelitten. Doch trotz bescheidenem Wetter und ausgefallener Aufstiegsfeier: Die Laune am Schneckenberg hält. Von Stefan Mangold 

Die zurückliegende Spielrunde bot Kickers-Fans allen Grund zur Freude. Eigentlich so oft wie noch nie. Nach zehn Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten bleibt dennoch nur ein schaler Nachgeschmack. Die Niederlagen in der Relegation stoppten den OFC auf dem Marsch in Liga 3. „Tod dem 1. FCM“, zeugt noch ein geistloses Graffiti an der Bahnbrücke am Lämmerspieler Weg davon. Einmal mehr heißt es für die Fans des OFC: Lebbe geht weiter.

Ums Eck geht’s zum Schneckenberg hoch, wo Initiatoren und Freunde des Kickers-Fan-Museums am Wochenende ihr viertes Sommerfest feiern. Harald Spörl gehört zu den Gründern. Der 52-jährige zeigt sich als fairer Verlierer. „Magdeburg war besser“, sagt er. Spörl weiß viel über die Kickershistorie. Auch dass Freddy Schultheiß, Abwehrspieler in Zeiten, als der OFC um die Deutsche Meisterschaft spielte, zweimal im Kasten stand. Der Torwart hatte sich verletzt, Auswechslungen sah das Regelwerk damals nicht vor. Spörl führt regelmäßig Gruppen durchs Museum an der Aschaffenburger Straße, vor kurzem etwa Fans von Union Berlin, die sich wegen des Spiels ihres Clubs beim FSV Frankfurt in der Gegend aufhielten.

Auch ein Eintrachtler packt an

Die Fan-Karriere von Brigitte Koenen rührt nicht von Vater oder Großeltern, die einst mit ihr auf den Bieberer Berg gingen. Koenen kaufte sich vor vier Jahren das erste Mal eine Karte. Die Stadtverordnete der Grünen saß im Aufsichtsrat der Stadionbetreibergesellschaft und bibberte anfangs aus finanziellen Gründen mit den Kickers. „Die sollten gewinnen, um die Miete bezahlen zu können“, erzählt die 74-Jährige. Doch rasch entwickelten sich vom schnöden Mammon losgelöste Emotionen. Drei der vielen Kuchen, die sie am Samstag nebst Kaffee fürs Fan-Museum verkauft, stammen aus ihrem Backofen.

Ein paar Meter weiter verkauft Michel Glock Lose. Obwohl das Herz des Offenbachers für die Eintracht schlägt, hatte er bis zuletzt gehofft, „dass der OFC den Aufstieg packt.“ Seine Sympathie für das gegnerische Lager hält ihn jedoch nicht davon ab, am Schneckenberg mitzuhelfen. Ebenso wenig wie sie Museumsmacher wie Thorsten Franke oder Natascha Michera davon abhält, bei Glock anzufragen. Traditionsvereine pflegen überall eine Choreographie der Feindschaft, doch zum Glück erschöpft sich diese oft im Intonieren, wenn es gilt, dem gegnerischen Lager den Grad an Antipathie zu vermitteln.

Kickers Offenbach gegen Magdeburg: Bilder zur Relegation

Auf der Bühne spielen derweil „Die Berjeler“. Schon früh schaute Oberbürgermeister Horst Schneider vorbei, mittags kommt David Fischer, Geschäftsführer des Offenbacher Fußball-Clubs.

Um eine Dauerkarte geht es an der Torwand, die Thomas Birkenstock zwischen Hüpfburg und Kinderschminkstand betreut. Sechs Schuss kosten zwei Euro, drei oben und drei unten wie im Sportstudio. Bei den bisherigen Sommerfesten, erzählt er, sei immer erst im Stechen entschieden worden, wer in der nächsten Saison für lau am Berg zusehen darf. „Mehr als drei Treffer hat noch nie jemand versenkt.“ Das kann auch daran liegen, dass es vielen Männern eher darauf anzukommen scheint, die Wand zu verschieben, als das Loch zu treffen. Darunter leidet die Präzision.

Die Party am Samstagabend leidet hingegen unter dem Regen. „Um Mitternacht haben wir langsam abgebaut“, erzählt Thorsten Franke am nächsten, noch immer trüben Morgen. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, die das Fan-Museum betreibt, hofft trotzdem auf weitere Unterstützer fürs Haus. Eine Patenschaft kostet 19,01 Euro pro Jahr.

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