Sommermärchen hat noch nicht begonnen

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Nicht für alle ein Hingucker: Gäste der Brasserie „Beau D’Eau“ am Wilhelmsplatz verfolgen am Sonntagabend das Auftaktspiel der deutschen Frauen bei der WM.

Offenbach - Trikots, Fahnen, Auto-Corsi - wer sich an die vergangenen Fußball-Weltmeisterschaften der Männer erinnert, denkt an euphorische Fans und eine blockierte Innenstadt. Bei der Frauenfußball-WM ist das gar nicht so.  Von Angela Friedrich

Und dieses Jahr? Seit Sonntag wird die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland ausgetragen, Frankfurt ist sogar Sitz des Organisationskomitees rund um die ehemalige Nationalspielerin Steffi Jones und wirbt mit dem Slogan „Herz des Frauenfuballs“.

Doch wer am Tag vorm Anpfiff in der Offenbacher Innenstadt auf der Suche nach dem Fußball-Fieber ist, kommt sich etwas verloren vor. Von wehenden Deutschlandflaggen keine Spur. Wenigstens die Schaufenster der Galeria Kaufhof auf der Frankfurter Straße sind mit Fanartikeln gut bestückt. Seit zwei Wochen bietet das Kaufhaus neben den üblichen schwarz-rot-goldenen Blumenketten und Fahnen auch die offiziellen DFB-Fanartikel an. Die Offenbacher nehmen das Angebot wahr, wenn auch verhalten.

„Die Käuferinnen schwärmen für das Fan-Trikot, weil es ausnahmsweise für die weibliche Figur geschnitten ist“, berichtet Anita Werkmann, Mitarbeiterin in der Sportabteilung. Bei den männlichen Käufern sei immerhin der WM-Ball beliebt. Anita Werkmann hofft auf bessere Geschäfte, wenn das runde Leder erstmal rollt. Ansonsten herrscht Frauenfußball-Skepsis auf der Einkaufsstraße.

Vielleicht kommt noch die Euphorie

Auch die Wirte am Wilhelmsplatz sind sich noch uneinig, ob sie die Frauenfußball-WM live übertragen sollen. „Ich weiß es einfach noch nicht“, sagt Yalcin Mensur, Inhaber des Lokals „Le Belge“. „Erstmal abwarten, ob die Euphorie noch kommt.“ Im Restaurant „Tafelspitz“ will man mit der Übertragung bis zu den Finalspielen warten. „Wir werden dann zwei Bereiche haben, einen mit und einen ohne Fußball“, erklärt Inhaber Youssef El Machit.

Vielleicht wurden die Zweifler am Sonntag aber umgestimmt. Gegenüber, bei der Brasserie „Beau D’Eau“, verlief der Abend mit Frauenfußball bestens. „Wir waren positiv überrascht, dass die Übertragung so gut aufgenommen wurde. Auch die Männer haben mitgejubelt“, berichtet der stellvertretende Geschäftsführer, Peter Krenzer. Gute Erfahrungen machte auch Nachbarwirt Ahmed Amezzu in der „Radeberger Stubb“. „Wenn die Deutsche Nationalmannschaft gewinnt, hebt das Stimmung und Umsatz“, erzählt er augenzwinkernd.

Eine Großveranstaltung in Sachen Public Viewing gab es am Sonntag in Offenbach nicht. Der Unterstützerkreis um den Oberbürgermeister-Kandidaten der CDU, Peter Freier, hatte zwar zum Fußballgucken im Bürgerforum geladen - mit acht Zuschauern war die Resonanz darauf jedoch eher gering.

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